Thyssen-Krupp

tkse-Vorstand konnte nicht überzeugen

Der Vorstand von thyssenkrupp (tk Konzern) will seine Stahlsparte durch die Fusion mit Tata ausgliedern und langfristig loswerden.

Korrespondenz aus Duisburg

Der Vorstand von thyssenkrupp (tk Konzern) will seine Stahlsparte durch die Fusion mit Tata ausgliedern und langfristig loswerden. Der Grund dafür ist, dass tkse v.a. gegenüber den führenden chinesischen und indischen Stahlkonzernen keine führende Rolle mehr am Weltmarkt spielt. Stattdessen will die Konzernleitung ihr Kapital aus dem Stahlbereich herausziehen und in die Bereiche Aufzüge, Militär- und Industrietechnik stecken, um dort eine Maximalprofit-versprechende führende Position im Weltmarkt auf- und auszubauen.

Vorstand wirbt unter der Belegschaft für sein Konzept

Um die Kollegen für dieses Konzept zu gewinnen, macht der Vorstand seit Wochen Propaganda mit Hochglanzbroschüren, Filmen, Videos - alles in professionellem Design. Neuerdings auch mit Werksgesprächen, wozu alle Beschäftigten eines Standorts eingeladen werden.

 

Bei diesen Werksgesprächen in Duisburg mit gut 2.000 Teilnehmern auf zwei Veranstaltungen am 12. Oktober stellten sich Vorstandsvorsitzender Andreas Goss und drei weitere Mitglieder vom tkse-Vorstand als die Guten dar, die mit der Fusion ja nur das Beste für die Kollegen im Auge hätten und zukunftsfähige Arbeitsplätze sichern würden. Wenn dabei der eine oder andere Arbeitsplatz abgebaut werden müsste, geschehe das ja immerhin sozialverträglich.

Arbeitsplatzvernichtung bei Tata ger nicht erwähnt

Sie versprechen und verharmlosen, es sei nur der Abbau von 2.000 Arbeitsplätzen bei tkse geplant (2.000 bei Tata wurden gar nicht erwähnt) und schüren gleichzeitig Ängste: ohne Fusion würden es deutlich mehr. Die Erfahrung mit Fusionen lehrt aber, dass es jeweils bis ca. 30% sind  - bei tkse/Tata also mindestens 15.000. Bei den vorhandenen weltweiten Überkapazitäten ist sogar mit noch mehr zu rechnen.

Jeder vernichtete Arbeitsplatz fehlt der Jugend

Und es ist betrügerisch, von einem „sozialverträglichen Abbau“ zu reden, denn jeder vernichtete Arbeitsplatz fehlt der Jugend. Die sofortige Übernahme der Azubis aus der PEAG-Befristung finden viele Kollegen richtig.

Konkurrenzkampf wird sich verschärfen

Mit der Fusion, so der Vorstand, würde man ja zur Nr. 2 in Europa. Er vertuscht dabei, dass mit den "größeren Einheiten" die Konkurrenz umso schärfer wird und damit die Arbeitsplatzvernichtung noch schneller geht. Auf die Kritik an der Arbeitsplatzvernichtung und dass nur ein unbefristeter Streik dagegen hilft, antwortete Goss: Wir leben nun mal im Kapitalismus und uns geht es relativ gut hier. Wo hat die marxistische Weltanschauung Arbeitsplätze gerettet, wie sieht es denn in anderen Ländern aus?

 

Hier will er antikommunistische Vorbehalte schüren, den Kapitalismus, trotz seiner Krisen, als alternativlos darstellen und dass wir uns mit ihm abfinden sollen. Das ist tatsächlich die entscheidende Frage. Der tkse Vorstand und der Kapitalismus können die Leute immer weniger überzeugen und noch nie gab es soviel Diskussionen über eine gesellschaftliche Alternative.

 

Der Kommentar eines Stahlarbeiters zur Aussage von Goss, es ginge uns ja gut hier: "Ich hab mir jetzt mit 50 die Rente ausrechnen lassen und bekomme dann maximal 1500 € brutto, d.h. ca. 1100 € netto. In welcher Realität lebt der denn?"