Umwelt

Dramatischer Insektenrückgang in Deutschland

Um über 75 Prozent ist die Biomasse fliegender Insekten in den letzten 27 Jahren zurückgegangen.

Von gb
Dramatischer Insektenrückgang in Deutschland
Unverzichtbare Bienen - hier beim Brückenbau (Foto: fotolia_83770459)

Gesammelt wurden die Daten an 63 Standorten in Naturschutzgebieten in NRW, Rheinland-Pfalz und Brandenburg. Ausgewertet wurden sie jetzt von einem Wissenschaftler-Team der Radboud-Universität in Nijmwegen.

Aussagekraft der Studie bestätigt

Andere renommierte Wissenschaftler bestätigen die Aussagekraft der Studie: "Die Ergebnisse der Untersuchung sind schockierend. Die Arbeit ist methodisch sauber und zeigt flächendeckend für eine große geografische Region Mitteleuropas einen massiven Biomasserückgang für Insekten. Wir befinden uns mitten in einem Albtraum, da Insekten eine zentrale Rolle für das Funktionieren unserer Ökosysteme spielen", warnt Prof. Dr. Johannes Steidle von der Universität Hohenheim (1).

Unverzichtbar für die Bestäubung

Fluginsekten, vor allem Bienen, sind unverzichtbar für die Bestäubung auch von Nutzpflanzen. Ca. 50 Prozent der Bienenvölker in Deutschland haben den letzten Winter nicht überlebt (2). Insgesamt spielen Insekten bei der Umwandlung von Biomasse wie Kot oder vermoderten Pflanzen eine unverzichtbare Rolle in der Natur. Für viele andere Tiere sind sie unverzichtbare Nahrungsgrundlage.

Weltweites Phänomen

Das Insektensterben ist ein weltweites Phänomen und Teil des bedrohlichen Artensterbens. Insgesamt gelten laut "Roter Liste" in Deutschland 45 Prozent der Wirbellosen, zu denen die Insekten zählen, als gefährdet. Das globale Insektensterben hat Anfang 2016 eine internationale Studie des Weltrats für Biodiversität bestätigt. In manchen Regionen sind bis zu 40 Prozent der Fluginsekten vom Aussterben bedroht.

Neonicotinoide besonders in der Kritik

Als Ursache für das massive Insektensterben nennen die Wissenschaftler die Zunahme der massiven Ackernutzung mit Stickstoff-Überdüngung. Dazu kommt der Einsatz von Pestiziden. Diese treffen oft nicht nur die Schädlinge, sondern auch alle anderen Insekten. Besonders in der Kritik sind die Neonicotinoide (NNI). Die hochwirksamen Insekten-Nervengifte werden seit Mitte der 1990er Jahre in der Landwirtschaft eingesetzt.

Bundesregierung betreibt Zulassungsverlängerung für Glyphosat

Das Ackergift Glyphosat von Bayer-Monsanto macht Bienen unfruchtbar und wird von der Weltgesundheitsorganisation als krebserregend eingestuft. Die Bundesregierung und die EU-Kommission betreiben dennoch die Zulassungsverlängerung für Glyphosat. Weitere Ursachen für das Insektensterben sind die Flächenversiegelung und die Klimaerwärmung mit zunehmendem Wassermangel und Vordringen von Wüsten und Steppen.

Verlust an Biodiversität

Das Buch „Katastrophenalarm – was tun gegen die mutwillige Zerstörung der Einheit von Mensch und Natur“ bringt diese Entwicklung auf einen Nenner: „Die Entwicklung der Umweltkrise hin zur globalen Umweltkatastrophe findet ihren sichtbarsten Ausdruck in einer beschleunigten Gefährdung und auch Vernichtung natürlicher Lebensräume und ihrer Lebensformen. Diese Entwicklung kann ihrem Wesen nach als dramatischer Verlust an biologischer Vielfalt (Biodiversität) gekennzeichnet werden, sie hat weitreichende Auswirkungen auf die menschlichen Lebensbedingungen.“ (3)

Umweltbewegung muss gegen alle Faktoren vorgehen

Das Buch arbeitet neben der Zerstörung regionaler Ökosysteme und dem Artensterben acht weitere hauptsächliche Faktoren des Übergangs in die globale Umweltkatastrophe heraus.  Deswegen muss die Umweltbewegung gegen alle diese Faktoren vorgehen und ihre Grundlage in den Gesetzmäßigkeiten der kapitalistischen Produktion und Konsumtion erkennen.

Großdemonstration greift Umweltfrage allseitig auf

Von großer Bedeutung ist deshalb eine breite Mobilisierung für die Großdemonstration in Bonn am 11. November „Unsere Umwelt – unsere Zukunft – unser Widerstand“.  Der 11. November ist in diesem Jahr der Weltklimatag und der Umweltkampftag der ICOR. Er findet immer am mittleren Samstag der UN-Weltklimakonferenz statt, die in diesem Jahr vom 6. bis 17. November in Bonn tagt. Diese Demonstration greift die Umweltfrage allseitig auf, verbindet Arbeiterbewegung, die bundesweite Montagsdemo-Bewegung und den Aufbau einer internationalen Widerstandsfront zur Rettung der Umwelt.

Demo am 4. November für Ausstieg aus Kohleverbrennung

Es ist begrüßenswert, wenn verschiedene Umweltorganisationen wie BUND, NABU, Greenpeace und kirchliche Hilfswerke bereits am 4. November in Bonn für  einen beschleunigten Ausstieg aus der Kohle-Verbrennung demonstrieren. Aber eine Beschränkung auf Einzelmaßnahmen wird nicht reichen!

Mit den Herrschenden ist die Umwelt nicht zu retten

Gar nicht hinnehmbar ist, dass ursprüngliche Teilnehmer an den Vorbereitungen dieser Demonstration am 11.11. aus den Kreisen von ATTAC und Erwerbslosenforum Bonn diese Aktionseinheit gespaltet haben, um am gleichen Vormittag eine eigene Demonstration durchzuführen. Geleitet werden sie von Antikommunismus und kleinbürgerlichem Führungsanspruch. Die weltweite Kritik am völlig unzureichenden Pariser Klimaabkommen wollen sie umwandeln in einen Appell an die Herrschenden der Welt, dieses Abkommen doch bitte „ambitionierter“ umzusetzen.

Für die Einheit der Umweltbewegung

Die Mobilisierung zur Bonner Großdemonstration ist deswegen auch mit einer Massendebatte verbunden: gegen Illusionen in die Herrschenden und für die Einheit der Umweltbewegung!