Air Berlin

Für den Vorstand Millionen - für die Beschäftigten nix?

„Für Euch Millionen! Für uns ist der Dreck unter den Fingernägeln noch zu viel!“, stand auf einem Plakat einer Kollegin bei der Protestaktion von ver.di am 16. Oktober in Berlin.

Von Gerd Pfisterer

Die Auseinandersetzung der Beschäftigten von Air Berlin geht weiter - noch sind Massenentlassungen für 7.000 Beschäftigte nicht vom Tisch. Dafür hat der Chef von Air Berlin, Thomas Winkelmann, seine Schäfchen im Trockenen. Er bekommt 4,5 Millionen Euro Abfindung, die auf einem Treuhandkonto abgesichert sind. Winkelmann war 20 Jahre Top-Manager bei der Lufthansa, bis er im Frühjahr 2017 auf den Chefsessel von Air Berlin wechselte. Böse Zungen sehen in diesem Wechsel, und dem Aufkauf des größten Teils der Konkursmasse von Air Berlin durch die Lufthansa, einen möglichen Zusammenhang.

Kein Aufruf zum Kampf um die Arbeitsplätze

Für die 1.400 Beschäftigten der Techniksparte von Air Berlin gibt es jetzt zwar einen Bieter, aber noch ist nichts unterschrieben. Lufthansa will 1.700 Beschäftigte der Air Berlin Töchter LGW und Niki übernehmen. Insgesamt bietet Lufthansa 3.000 Arbeitsplätze bei Eurowings an. Statt die Tausenden Beschäftigten zum Kampf um ihre Arbeitsplätze zu ermuntern und die Solidarität zu organisieren, beschränkt sich der ver.di-Vorstand auf die Forderung nach einer Transfergesellschaft. Damit werden aber die Arbeitsplätze kampflos aufgegeben. Außerdem ist völlig offen, wie die Transfergesellschaft finanziert werden soll.

 

Zwar haben die Länder Nordrhein-Westfalen und Berlin finanzielle Zusagen gemacht, auch Air Berlin – aber ohne Zusagen der Käufer bleibt die Transfergesellschaft wohl eine Luftnummer. Ganz davon abgesehen, dass sie für die meisten Beschäftigten lediglich die verlängerte Tür in die Arbeitslosigkeit darstellt. Opel in Bochum ist hier das beste Beispiel.

Noch ist der Flugverkehr nicht eingestellt...

Auch beim Betriebsübergang gibt es Probleme. Ein Betriebsübergang regelt, dass die bisherigen Tarifverträge mindestens ein Jahr gelten und die Verpflichtung besteht, alle betroffenen Beschäftigten zu übernehmen. Der Generalbevollmächtige zur Abwicklung der Insolvenz, Frank Kebekus, hat mehrfach erklärt, dass es keinen Betriebsübergang nach § 613 a geben werde – angeblich weil es keine „signifikanten Vermögenswerte“ gäbe. Wenn Piloten von Air Berlin sich auf einen der 3.000 angebotenen Arbeitsplätze bewerben, verlieren sie alle Ansprüche und müssen bei Eurowings mit 40 Prozent weniger Gehalt auskommen! Noch ist der Flugverkehr nicht eingestellt – noch können die über 8.000 Beschäftigten gemeinsam um ihre Arbeitsplätze und Rechte kämpfen!