Dresden

„Angleichung – wie lange sollen wir eigentlich noch warten?!“

Seit Bekanntgabe der Forderungsempfehlung durch den IG Metall-Vorstand gehen hier in zahlreichen IG Metall-Gremien die Tassen hoch - vor allem in gut organisierten Belegschaften.

Korrespondenz aus Dresden / gp

Warum? Die bundesweite Beschäftigtenbefragung der IG Metall machte klar, dass die IG Metall-Mitglieder weitere Arbeitszeitverkürzung wollen. Seit Jahren ist unter anderem die Angleichung der Arbeitszeit in Ostdeutschland an den Westen überfällig.

Offensiv für die 35-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich

Trotz mancher Bedenken haben sich in den letzten Monaten immer mehr Kolleginnen und Kollegen für die 35-Stundenwoche ausgesprochen und erwarten, dass endlich was losgeht. Auch im Westen gab und gibt es dafür viel Sympathie, das war zuletzt auf der Arbeitszeitkonferenz der IG Metall in Mannheim spürbar.

 

Mit Anträgen zur „35“ zu Gewerkschaftstagen, Redebeiträgen auf Konferenzen usw.  ließen sich ganze Schränke füllen. Aus IG Metall-Geschäftsstellen, die offensiv mit der 35-Stundenwoche werben, werden verstärkt Mitgliederzuwächse gemeldet.

Protest braucht Orientierung - nach links!

Das Bundestagswahlergebnis zeigt, dass der Protest im Osten Orientierung braucht und - zwar nach links! Die geplante Kündigung der Manteltarifverträge in fast allen Tarifgebieten ist eine optimale Gelegenheit, mit vereinten Kräften auch die 35-Stundenwoche bei vollem Lohnausgleich durchzukämpfen. Bei der Forderungsempfehlung des IG Metall-Vorstandes bleibt einem allerdings die Spucke weg.

Was soll diese "Verhandlungsverpflichtung"?

Man wolle, so sinngemäß, eine 'Verhandlungsverpflichtung' erreichen für den weiteren Prozess der Angleichung. Während mancher Hauptamtliche nach einer Begründung ringt, nach dem Motto „immerhin steht überhaupt was drin ...“, sind viele Kolleginnen und Kollegen empört. „Prozess der Angleichung, das kennen wir seit 27 Jahren – verarschen die uns eigentlich?"

 

„Wir fordern zumindest einen Einstieg in die 35-Stundenwoche!“

 

„Uns Mitgliedern der Tarifkommission wurde das vorgesetzt, nichts erklärt und in ein paar Tagen soll schon beschlossen werden!“

 

„Was heißt 'Verhandlungsverpflichtung' – mit dem sächsischen Arbeitgeberverband kann man nicht verhandeln, ohne Streiks geht da doch nichts. Am grünen Tisch gibt’s nur faule Eier, war immer so.“

 

Gründliche betriebliche Diskussion trotz knapper Zeit

So und ähnlich die Meinungen. Einige Kolleginnen und Kollegen werfen das Mitgliedsbuch hin – auch weil sie die Gesamtforderung so verstehen, als gäbe es künftig im Westen eine 28-Stunden-Woche. Es gibt aber auch andere, die sich überlegen, was sie nun machen können. Vor allem in den großen Automobilbelegschaften wie bei VW, BMW und Porsche geht man fest davon aus, dass „die 35“ 2018 kommen muss – möglicherweise in Haustarifverträgen. „Unsere Leute wollen nicht mehr warten – ich glaube, dass es bei VW einen Abschluss geben wird. Fraglich ist halt, was aus den anderen Betrieben, dem ganzen Flächen-Tarif wird, eigentlich müsste man das gemeinsam klären..“ äußert sich ein VW-Vertrauensmann aus Chemnitz nachdenklich. Für eine gründliche betriebliche Diskussion ist die Zeit knapp, trotzdem - die Sache ist damit nicht vom Tisch.