Stuttgart

Bosch Feuerbach: "Hier wurde eine rote Linie überschritten"

Viele Kolleginnen und Kollegen reagierten empört über ein besonders dreistes Vorgehen der Werkleitung.

Korrespondenz aus Stuttgart
Bosch Feuerbach: "Hier wurde eine rote Linie überschritten"
Bosch-Zentrale in Stuttgart (Foto: gemeinfrei)

Auf Werkstattversammlungen wurde den Kollegen mitgeteilt, entgegen schriftlicher Betriebsvereinbarungen und ohne den Betriebsrat in Kenntnis zu setzen, dass eine von fünf Montagelinien für Dieseleinspritzpumpen nach Bari (Italien) verlagert werden soll.

Geheuchelte "Solidarität"

Die besondere Frechheit dabei: Die Werkleitung sprach zynisch von einer notwendigen Solidarität gegenüber 900 von 1.800 gefährdeten Arbeitsplätzen in Bari, wo das Geschäft auch wegen des Dieselbetrugs wegbricht.

 

Die Stimmung unter der Belegschaft ist schon lange gereizt. Überzeiten bis der Arzt kommt, im Wechsel mit willkürlichen Schließtagen. Überalterung der Stammbelegschaft bei gleichzeitiger schamloser Überausbeutung der befristeten Kollegen. Personalmangel allerorten und nichts als leere Versprechungen in Punkto Ersatzarbeitsplätze im Rahmen eines angeblich „Chancen bringenden Transformations Prozesses in die E Mobilität“.

Sonderbetriebsversammlungen in allen Schichten

In seltener Einmütigkeit berief der Betriebsrat in allen vier Schichten Sonderbetriebsversammlungen ein und lehnte alle Überzeiten ab, was sofort zum Produktionsstillstand am Standort Homburg führte.

 

An dem bei Betriebsversammlungen üblichen offenen Mikrofon machten viele Kollegen ihrem Unmut Luft. Auch Redebeiträge für eine echte Solidarität aller Standorte im Kampf gegen das Abwälzen der Folgen des Diesel-Betrugs auf unserem Rücken und für die 30-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich erhielten viel Beifall.

Werkleitung knickte ein

Nach jeder Betriebsversammlung stimmte die Belegschaft über aufgestellte Forderungen ab: Wenn die Firma nicht ihre Verlagerungspläne bis Donnerstag 9 Uhr zurücknimmt bzw. die bestehende Betriebsvereinbarung anerkennt, werden weiterhin alle Überzeiten abgelehnt und es wurde mit weiteren Aktionen auf dem Hof gedroht.


Noch weit vor 9 Uhr knickte die Werkleitung ein und sicherte die Einhaltung der Betriebsvereinbarung zu. Diese Erfahrung, bei aller berechtigten Skepsis, wie die Sache in den jetzt anberaumten Verhandlungen weitergeht, tat der Belegschaft richtig gut.