Katalonien

Großer Wunsch nach Freiheit und Gerechtigkeit

Am 22. Oktober besuchten wir in unserem Urlaub mit den Rädern das Städtchen Vilanova i la Geltru, das ca. 50 Kilometer südlich von Barcelona liegt.

Urlaubskorrespondenz aus Spanien

Im Stadtkern stießen wir auf lange gedeckte Tische; rundum waren viele Leute damit beschäftigt, Essen zuzubereiten. Wir versuchten mit unseren spanischen Ein-Wort-Sätzen und unserem wackeligen Englisch rauszukriegen, was da los sei. Da das Ganze auf dem Platz vor einer Kirche stattfand, dachten wir an ein kirchliches Fest.

Lebensmittel vom Wochenmarkt werden verteilt

Aber nein: eine „Kooperative für bewussten Konsum, Kritiker und Transformator“ nannten sich die Organisatoren. Seit 2009 sind ca. 30 Familien aktiv; sie sammeln die übrig gebliebenen Lebensmittel nach den Markttagen ein und verteilen sie kostenlos an alle Interessierten. Und einmal im Jahr wird ein großes Fest gefeiert, an dem aus den Lebensmitteln gemeinsam das Essen zubereitet wird. Das geschieht kostenlos - sie nehmen nicht mal Spenden. Es wird an alle, die mitmachen wollen, abgegeben.

 

So saßen wir an einem langen Tisch mit alten und jungen Katalaninnen und Katalanen zusammen und ließen uns das köstliche Essen schmecken. Es war eine tolle, heitere und entspannte Atmosphäre – fast wie eine sozialistische Gesellschaft in klein!

Spannende Diskussion um Unabhängigkeit

Und dann gerieten wir auch noch in eine spannende politische Diskussion – natürlich ging es um die Unabhängigkeitsbewegung in Catalunya. Die jungen Leute, mit denen wir das Gespräch führten, vertraten vehement den Wunsch der Menschen nach mehr Demokratie, Gerechtigkeit, Gleichheit, Feminismus, Freiheit und Unabhängigkeit.

 

Ihnen ist zwar auch bewusst, dass man diesen Wunsch nur gemeinsam, nicht separatistisch, angehen kann. Aber da dieses Gemeinsame „sehr schwer zu machen“ ist, fangen sie in Catalunya mal damit an. Für sie ist die Unabhängigkeitsbewegung auch ein Kampf für eine andere, bessere Gesellschaftsordnung. Sie sind sehr ungeduldig und wollen sofort etwas Neues erreichen; sie sind auch sehr gespannt, was passiert, wenn die Regierung Rajoy den § 155 umsetzt. Sie bezeichnen sich durchaus auch als Sozialisten/Kommunisten.

Wunsch nach grundlegender Veränderung

Die jungen Leute waren sehr glaubwürdig in ihrem Wunsch nach Veränderung dem jetzt existierenden Kapitalismus gegenüber – aber auch sehr utopisch und illusionär in ihrer Herangehensweise. Die Bewegung ist sympathisch, auffällig ist die große Beteiligung von jungen Menschen.