Massenentlassungen

Air Berlin und Siemens – Kampf um jeden Arbeitsplatz!

Was Rote Fahne News bereits am 10. Oktober gemeldet hat, wollen Konzerne und Regierung jetzt durchziehen: Massenentlassungen bei Air Berlin.

Von ffz / gp
Air Berlin und Siemens – Kampf um jeden Arbeitsplatz!
Nicht nur die Passagiere gehen von Bord - bei Air Berlin soll es ab morgen Massenentlassungen geben (foto: Konstantin von Wedelstaedt collection (CC BA-SA 1.2))

Der Betriebsrat Nord von Air Berlin hatte am 6. Oktober in einer Mitarbeiterinfo, die den Medien zugespielt wurde, erkärt, dass 1.400 Beschäftigte des Bodenpersonals und der Verwaltung bis Ende Oktober gekündigt werden sollen. Jetzt stehen sogar 4.500 Arbeitsplätze auf der Abschussliste.

Siemens-Chef Joe Kaeser legt sich mit einer kampferprobten Belegschaft an - hier vor einigen Jahren in Berlin (rf-foto)
Siemens-Chef Joe Kaeser legt sich mit einer kampferprobten Belegschaft an - hier vor einigen Jahren in Berlin (rf-foto)

In Kürze

  • Ab Morgen bis 2. November werden 4.000 Kolleginnen und Kollegen bei Air Berlin die Kündigung erhalten
  • Betrug vom "sozialverträglichen Arbeitsplatzabbau" scheitert
  • Neue Qualität der Arbeitsplatzvernichtung bedeutet Kraftprobe mit der Arbeiterbewegung

Am Mittwochnachmittag erklärte der Berliner Finanzsenator Matthias Kollatz-Ahnen (SPD) die Verhandlungen für eine allgemeine Transfergesellschaft für gescheitert. Ab Morgen bis zum 2. November sollen demnach die meisten der rund 5.000 Beschäftigten, die nicht von der Lufthansa übernommen werden, die Kündigung erhalten.

 

Lediglich für rund 1.200 Beschäftigte der Berliner Verwaltung ist derzeit eine Transfergesellschaft geplant. Am Freitag soll die insolvente Airline den Flugbetrieb dann endgültig einstellen.

Kritik von ver.di und Cockpit

Die Gewerkschaft ver.di kritisierte dies scharf. ver.di hatte in den letzten Tagen und Wochen die Air-Berlin-Beschäftigten immer wieder zu Mittagspausenversammlungen aufgerufen.

 

Für die betroffenen Kolleginnen und Kollegen bei Air Berlin und ihre Familien wäre der Verlust des Arbeitsplatzes eine Katastrophe: Viele haben Häuser abzubezahlen, Kredite am Laufen. Entsprechend groß ist die Wut und die Enttäuschung.

 

Die 3.000 von Lufthansa "übernommenen" Beschäftigten sollen bei deren Tochter Eurowings angestellt werden - zu erheblich schlechteren Arbeitsbedingungen als bisher bei Air Berlin. Für die Pilotenvereinigung Cockpit erklärte deren Sprecher Markus Wahl in einer Pressemitteilung:

 

„Es kann nicht sein, dass sich Piloten nach der Übernahme auf ihre eigenen Arbeitsplätze bewerben und dann auch noch Gehaltsabschläge von bis zu 40 Prozent hinnehmen müssen – so wie es Lufthansa im Moment von den Piloten fordert. Das ... zeigt erneut, dass es hier anscheinend nur darum gehen soll, die Arbeitnehmer zu maximal günstigen Konditionen zu übernehmen.“

Betrug vom „sozialverträglichen Arbeitsplatzabbau“ scheitert

Allerdings sind auch Transfergesellschaften nichts anderes als ein Betrug, um unter dem Vorwand des „sozialverträglichen Arbeitsplatzabbaus“ den Beschäftigten ihre Arbeitsplätze abzukaufen. Sie fehlen der Jugend, und der Übergang in die Arbeitslosigkeit wird damit lediglich abgedämpft bzw. verlängert. Das zeigt das Beispiel Opel Bochum.

 

Der Verzicht auf diesen gescheiterten Betrug stellt zugleich eine neue Qualität der Arbeitsplatzvernichtung in Deutschland dar. Offenbar wollen Konzerne, Bundes- und Landesregierungen im Rahmen ihres weiteren Rechtsrucks auf solche Abdämpfungsmaßnahmen zunehmend verzichten.

Massenentlassungen auch bei Siemens?

Nach Air Berlin sind nun auch bei Siemens Massenentlassungen zu befürchten. Tausende Siemens-Beschäftigte an verschiedenen Standorten folgten gestern einem Aufruf der IG Metall. Sie protestierten auf der Straße und auf Versammlungen im Betrieb gegen die Ankündigung von Siemens-Chef Joe Kaeser, Tausende Arbeitsplätze in der Kraftwerksparte sowie der Sparte Prozessindustrie und Antriebe zu vernichten und ganze Standorte zu schließen. „Wir sind doch keine Handelsware!“ stand auf einem Transparent.

 

Allein in der Kraftwerksparte „Power und Gas“ will Kaeser elf der weltweit 23 Standort schließen oder verkaufen. Davon sind 12.000 der insgesamt 30.000 Beschäftigten betroffen – ohne Service-Kräfte. Rechnet man die Service-Kräfte dazu, sind es weltweit 47.000 Beschäftigte. Auch im Geschäftsfeld Prozessindustrie und Antriebe mit weltweit rund 45.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern droht ein Arbeitsplätze-Kahlschlag.

Was ist zu tun?

Es ist zu begrüßen, dass die IG Metall zu bundesweiten Protesten aufgerufen und Widerstand gegen die Vorstandspläne angekündigt hat. Allein in Mülheim an der Ruhr sind 1.200 Kolleginnen und Kollegen dem Aufruf der IG Metall zu einer Demonstration und Kundgebung gefolgt.

 

In Erfurt zogen 500 Kolleginnen und Kollegen nach einer außerordentlichen Betriebsversammlung vors Werkstor und in Erlangen wurden die 200 Siemens-Kolleginnen und Kollegen bei ihrer Demonstration von Delegationen anderer Betriebe unterstützt.

Konzernweiter Kampf um jeden Arbeitsplatz gefordert

„Widerstand“ gegen die Pläne des Vorstandes heißt, jetzt den konzernweiten Kampf gegen die Pläne zu organisieren und einen selbständigen Streik zur Verteidigung der Arbeitsplätze vorzubereiten.

 

Im Bereich der erneuerbaren Energieerzeugung müssen auf Kosten von Siemens Ersatzarbeitsplätze geschaffen werden. Die Entwicklung bei Siemens unterstreicht aber auch, wie notwendig der Kampf um die 30-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich ist.

 

Die Herrschenden haben mit den Plänen bei Air Berlin und Siemens eine Kraftprobe mit der Arbeiterbewegung eingeleitet. Egal ob bei Air Berlin, bei Siemens, bei den anstehenden Fusionen im Stahlbereich: Die MLPD steht den Belegschaften mit ihrem Know-How zur Seite und hilft ihnen dabei, konzernweit, und gemeinsam den Kampf gegen diese Pläne zu organisieren.