Siegmar Herrlinger

Porsche saß auf der Anklagebank

Trotz zweifacher Prozess-Terminverschiebung waren gestern 35 Kolleginnen und Kollegen aus verschiedenen Betrieben, Freunde von der MLPD, Frauen vom Frauenverband Courage und Aktivistinnen wie auch Aktivisten der Umweltgewerkschaft gekommen, um ihre Solidarität mit Siegmar Herrlinger zu demonstrieren.

Korrespondenz aus Stuttgart
Porsche saß auf der Anklagebank
Porsche-Zentrum in Stuttgart (RF-Foto)

Dieser klagt gegen seine fristlose Kündigung durch Porsche. Kurz davor hatten auch die regionalen Zeitungen davon berichtet, dass Porsche/VW einen „Kritiker“ der kriminellen Abgas-Manipulation loswerden will, der dies als Kandidat der Internationalistischen Liste/MLPD ins Zentrums des Wahlkampfes gestellt hat.

Porsche will Wahrheit diffamieren

Doch Porsche will sich erneut gerichtlich bestätigen lassen, dass ein „Arbeitnehmer seinen Arbeitgeber nicht fortgesetzt diffamieren darf“. Wer von „Ausbeutung“ oder „Vergiftung der Umwelt“ spricht, dürfe nicht im Betrieb geduldet werden. Damit ficht Porsche auch das Ende August ergangene Urteil, sowie frühere Urteile an, die Siegmar Herrlinger oder auch der verstorbene Ulrich Schirmer erstritten hatten.

Auseinandersetzungen der letzten 30 Jahre aufgelistet

Doch auch der Wechsel des Anwalts scheint Porsche keine Wende zu bringen. Verändert habe sich nur die Länge der Klageerwiderung, indem nochmals alle Auseinandersetzungen der letzten 30 Jahre aufgelistet werden - ohne jedoch die juristischen Niederlagen von Porsche zu nennen, meinte dazu süffisant Siegmar Herrlinger.

Porsche-Anwalt der Lüge überführt

Auch überführte er den Porsche-Anwalt der Lüge, der die Verteilung von Siegmar Herrlingers Kandidatenbriefes auf „nicht öffentlich zugänglichem Betriebsgelände“ als Kündigungsgrund verteidigte. Dazu müsse man über den Zaun klettern. Dumm nur, dass es diesen Zaun am Porsche-Parkplatz nicht  gibt.

 

Aber an den Fakten wollten sich Porsche und sein schneidiger Anwalt nicht lange aufhalten.  Sich auf dem Parkplatz direkt an die Kollegen zu wenden, sei „besonders perfid“, weil man dort die meisten Mitarbeiter erreicht. Porsche leide unter dem „Trommelfeuer“ von Siegmar Herrlingers Unterstützern.

 

Perfid ist es in Wahrheit, dass Porsche den Kollegen vorschreiben will, was sie zu denken haben, antwortete ihm Siegmar Herrlinger darauf sinngemäß. Kritik sei nur erlaubt, wenn sie harmlos ist.

Kritik am Auokartell längst öffentlich

Sein Anwalt, Frank Stierlin, setzte sich mit der Position des Richters auseinander, der vertrat, dass eine Kandidatur (für die Bundestagswahlen) „keine Narrenfreiheit“ bedeute: hier  geht es nicht um Straftaten oder Falschaussagen, sondern um das (Abgeordneten-)Recht, nachdem ein Kandidat im Betrieb vom „Arbeitgeber“ nicht benachteiligt und behindert werden darf. Die Anprangerung des „Autokartells“ und der „Vergiftung der Luft“ im Wahlflyer seien längst in der öffentlichen Kritik.

Wichtiger Teilerfolg

In der anschließenden kurzen Abschlussbesprechung vor dem Gericht waren sich alle Anwesenden einig: Siegmar Herrlinger ist ruhig, polemisch und sachlich-kompetent aufgetreten. Ein wichtiger Teilerfolg im Kampf um die Verteidigung der Meinungsfreiheit und gegen die Diktatur der Monopole! Dafür kamen 320 Euro Spende zusammen. Das erste Urteil wird in Kürze erwartet. Weitere Prozesse zu den Kettenkündigungen werden folgen.