Rohingya-Vertreibung

"Myanmar macht nur die Drecksarbeit für die Imperialisten"

Rote Fahne News sprach am Rande des ICOR-Seminars mit Kazi Sazzad Zahir Chandan von der Kommunistischen Partei Bangladeschs (CPB). Unter anderem ging es um die Vertreibung der Volksgruppe der Rohingya im Nachbarland Myanmar.

Von Jörg Weidemann
"Myanmar macht nur die Drecksarbeit für die Imperialisten"
Flüchtlingscamp der Rohingya (Foto: DFID)

Kazi Sazzad Zahir Chandan ist assistierender Generalsekretär des Zentralkomitees der Partei und seit seiner Jugend revolutionär aktiv. Er berichtet, dass die aktuelle Regierung von Bangladesch1 keinerlei Rückhalt unter der Bevölkerung hat.

Kazi Sazzad Zahir Chandan (Foto: RF)
Kazi Sazzad Zahir Chandan (Foto: RF)

In Kürze:

  • Bis zu einer Million Rohingya sind bereits aus Myanmar nach Bangladesch geflohen
  • Indien, Russland und China wollen die reichen Bodenschätze in der von den Rohingya bewohnten Region ausbeuten
  • Kommunistische Partei Bangladeschs lehnt Myanmars Vorgehen entschieden ab und fordert politische und soziale Sicherheit für die Rohingya

Sämtliche Oppositionsparteien – auch bürgerliche wie die BNP2 - haben die letzten Wahlen boykottiert, weil die Regierung bereits im Vorfeld ihre Tätigkeit unterdrückte.

Indien stützt reaktionäre Regierung in Bangladesch

Es gibt eine starke reaktionäre Tendenz der Regierung, die demokratische und säkulare Bestrebungen in dem Land gegen den starken Einfluss islamistischer Kräfte beendet hat. Faschistische Terrorgruppen, die sich auf den Islam berufen, bekommen von ihr sogar Spielraum, gegen die Opposition vorzugehen.


Es gibt zugleich Bestrebungen, alle linken und fortschrittlichen Kräfte im Kampf gegen die Regierung zusammenzuschließen. Kazi Sazzad Zahir Chandan rechnet damit, dass diese Initiativen nächstes Jahr in eine organisatorische Form übergehen können: „Wir wollen die Arbeiter-, Frauen- und Bauernbewegung, die Jugend und die Umweltaktivisten zusammenschließen.“

 

Die indische Regierung stützt die reaktionäre Regierung in Bangladesch: "Ohne deren Unterstützung könnte sie sich keinen Tag halten."

Myanmars Regierung muss den Rohingya politische und soziale Sicherheit gewähren

Dass inzwischen bis zu einer Million Rohingya aus dem Nachbarland Myanmar nach Bangladesch geflohen sind, ist ein Riesenproblem, berichtet Kazi Sazzad Zahir Chandan. „Unsere Gesellschaft ist sehr arm. Sie hat nicht die Mittel, diese Menschen dauerhaft zu versorgen. Natürlich nehmen wir sie aus humanitären Gründen auf. Aber wir lehnen es ab, dass Myanmar sozusagen einen Teil seiner armen Bevölkerung nach Bangladesch vertreibt.“

 

Die Regierung Myanmars muss gezwungen werden, diese Menschen, die ihre Einwohner sind, zurückzunehmen. Und sie muss ihnen politische und soziale Sicherheit gewähren.

Kampf um Bodenschätze

Kazi Sazzad Zahir Chandan erzählt aber auch über den Hintergrund dieser Auseinandersetzung: Sämtliche imperialistischen Länder vergießen Krokodilstränen über die Vertreibungen. Tatsächlich macht die Regierung von Myanmar aber nur die Drecksarbeit für sie.

 

In der - von den Rohingya bewohnten - Rakhaing-Region gibt es Bodenschätze, Gas, Öl, Uran - und zuletzt wurden Diamanten gefunden. Indien, Russland und China wollen diese Region ausbeuten. Da kommt ihnen die Vertreibung gerade recht.

Vorwand "Terrorismus"-Bekämpfung

Dass die Regierung von Myanmar gegen "Terroristen" vorgehen würde, ist - wie so oft - ein Vorwand. Insgesamt sind die moslemisch geprägten Rohingya eher unpolitisch, haben bisher keine politischen Bewegungen. Die Arakan Rohingya Salvation Army (ARSA), die von der Regierung für Anschläge verantwortlich gemacht wird, ist nur eine winzige reaktionäre islamistische Gruppe.

 

Viele fortschrittliche Menschen in Myanmar und Bangladesch vermuten, dass die Angriffe auf Polizeistationen im August 2017 nicht von der ARSA verübt wurden. Sie suchen die Täter unter den Spezialkräften der Regierung selbst - die einen Vorwand brauchte. Bei der Vertreibung geht die Armee mit äußerster Brutalität gegen die gesamte Bevölkerung vor, unter der vor allem Frauen und Kinder zu leiden haben. Auch faschistisch-buddhistische Kräfte bekommen Spielraum, um die Rohingya zu terrorisieren.

Aktivitäten zu 100 Jahre Oktoberrevolution

Zum Schluss berichtet uns Kazi Sazzad Zahir Chandan, dass seine Partei bereits das ganze Jahr über Veranstaltungen, Seminare und Demonstrationen anlässlich des 100. Geburtstags der Oktoberrevolution in allen Städten durchführt. Am 7. November ist eine große Jugenddemonstration aller revolutionären Kräfte von Bangladesch geplant.