Welt-Kobanê-Tag

Kobanê wird aufgebaut - ICOR-Gesundheitszentrum Symbol des neuen Lebens

Heute ist „Welt-Kobanê-Tag“. Erstmals wurde dieser Tag am 1. November 2014 begangen - mitten in der Schlacht zur Verteidigung der Stadt Kobanê im nordsyrischen Rojava gegen die Schergen des faschistischen "Islamischen Staat".

Von hkg
Kobanê wird aufgebaut - ICOR-Gesundheitszentrum Symbol des neuen Lebens
Große Solidaritätsdemonstration am 1.11.2014 in Düsseldorf (Foto: RF)

Ermuntert von der türkischen Regierung unter Erdoğan griffen die IS-Terroristen am 15. September 2014 Kobanê an, das Symbol des derzeit fortgeschrittensten Kampfs für Demokratie und Freiheit.

Bau des ICOR-Gesundheitszentrums (Foto: kobane-brigade.org)
Bau des ICOR-Gesundheitszentrums (Foto: kobane-brigade.org)

In Kürze:

  • Am 1. November 2014 fanden in vielen Städten Deutschlands und anderen Ländern Solidaritätsaktionen mit dem vom IS bedrohten Kobanê statt
  • Im Januar 2015 gelang die vollständige Befreiung von Kobanê
  • Seitdem kommt der Wiederaufbau voran, das ICOR-Gesundheitszentrum wird als Geburtsklinik genutzt

Alle fortschrittlichen Kräfte in der Welt waren zur Solidarität herausgefordert und unterstützten diesen Kampf nach Kräften. Das war auch der konkrete Ausgangspunkt für den Solidaritätspakt, den die ICOR (Internationale Koordinierung revolutionärer Parteien und Organisationen) im Jahr 2015 mit dem kurdischen Befreiungskampf schloss.

Hunderttausende demonstrierten

Am 1. November 2014 fanden dazu in vielen Städten Deutschlands und anderen Ländern Demonstrationen und Kundgebungen statt. Allein in Düsseldorf demonstrierten über 100.000 Menschen (siehe Video).

 

Im Januar 2015 gelang es schließlich den Kräften der kurdischen YPG (Volksverteidigungseinheiten) und YPJ (Frauenverteidigungseinheiten), Kobanê vollständig vom IS zu befreien. Doch die Stadt war zu 80 Prozent zerstört.

Aufbau des Gesundheitszentrums Symbol der internationalen Solidarität

Zu einem Leuchtfeuer der Solidarität entwickelte sich der Aufbau eines Gesundheitszentrums in Kobanê durch insgesamt 177 ehrenamtliche Brigadistinnen und Brigadisten aus 10 Ländern zusammen mit einheimischen Bauarbeitern. Unter schwierigsten Bedingungen wurde diese Projekt von Juni 2015 bis November 2015 erfolgreich durchgeführt.

 

Auch vom Massaker der IS-Faschisten am 25. Juni 2015 in Kobanê mit insgesamt 252 Todesopfern und dem Anschlag in Suruc im darauf folgenden Juli, bei dem über 30 jugendliche Aktivisten vom IS ermordet wurden, ließen sich die Aufbauhelfer nicht abschrecken.

Über 4.000 Kinder im ICOR-Zentrum geboren

Inzwischen wurde das Gesundheitszentrum als Geburtsstation eingerichtet. Über 4.000 Kinder wurden seither dort schon zur Welt gebracht. Arzt Ali Basrawi berichtet aktuell aus Kobanê an die Initiative Medizin für Rojava:

 

„Liebe Freunde, im Oktober wurden 438 Kinder im Gesundheitszentrum der ICOR geboren; es gab 135 Operationen; 43 Kinder und 937 Frauen bekamen medizinische Hilfe. Herzliche Grüße von den Kollegen aus Kobanê.“ 

Der Wiederaufbau von Kobanê geht trotz der schwierigen Bedingungen voran

Dr. Willi Mast von der Initiative Medizin für Rojava

Das Gesundheitszentrum wird vor allem unter ökologischen Aspekten weiter ausgestattet. Dafür setzt sich unter anderem die Initiative Ökologischer Wiederaufbau in Kobanê/Rojava ein, die am 4. November in Göttingen ihr nächstes bundesweites Treffen durchführt (mehr dazu).

Breites Bündnis befreit große Teile Nordsyriens

Die kurdischen Kämpfer befreiten in der Folgezeit gemeinsam mit einem zunehmend breiter werdenden Bündnis verschiedenster Volksgruppen aus Nordsyrien, den Demokratischen Kräften Syriens (SDF), ein Dorf nach dem anderen vom IS. Der letzte große Erfolg war die Befreiung der Großstadt Raqqa, der ehemaligen "Hauptstadt" des IS in Syrien (siehe RF-News-Bericht).

 

Die SDF haben sich das ausdrückliche Ziel eines demokratischen Syrien gesteckt, in dem alle Religionen, Ethnien, Männer und Frauen gleichberechtigt miteinander leben können.

"Das Leben ist wieder eingekehrt"

Vom erfolgreichen Wiederaufbau in Kobanê berichtet Dr. Willi Mast von der Ärzte-Initiative Medizin für Rojava: "Im Gesundheitszentrum werden auch Kaiserschnittentbindungen durchgeführt. Die Behandlung ist bis auf wenige Medikamente kostenlos. Medizin für Rojava hat für dringend benötigte Medikamente bislang insgesamt 60.000 Euros gespendet, die in der 'ICOR-Apotheke' kostenlos ausgegeben werden. Das ICOR-Gesundheitszentrum ist ein wichtiges Symbol der internationalen Solidarität.

 

Der Wiederaufbau von Kobanê geht trotz der schwierigen Bedingungen voran. So sind dort zeitweilig ca. 100.000 Flüchtlinge aus Raqqa und anderen Regionen Syriens untergekommen. Behindert wird der Wiederaufbau durch die Blockade der Türkei, Mangel an Baumaterial, Ersatzteile, Medikamente und Lebensmittel etc.

 

Doch die Stromversorgung ist weitgehend wiederhergestellt, der größte Teil der Straßen wieder repariert, zahlreiche Gebäude sind wiederaufgebaut. Das Leben ist wieder eingekehrt. Und auch der ökologische Aufbau gehört dazu, z.B. das Pflanzen der Bäume.

 

Die zerstörten Schulen werden wieder errichtet, drei Krankenhäuser sind erneut in Betrieb. Wichtigste Faktoren für den erfolgreichen Wiederaufbau: Einbeziehung aller Teile der Bevölkerung - über ethnische und religiöse Grenzen hinweg - in die Selbstverwaltung und den Wiederaufbau, Frauenbefreiung. Kobane ist zu einem Symbol der Menschlichkeit und Hoffnung inmitten der imperialistischen Barbarei in Syrien geworden."

Aktionen in mehreren Städten

In mehreren Städten Deutschlands finden heute aus Anlass des Welt-Kobane-Tags Demonstrationen und Kundgebungen statt, an denen sich auch die MLPD und das Internationalistische Bündnis beteiligen - unter anderem in Frankfurt/Main und Stuttgart.

 

Diese Solidaritätsarbeit trägt auch dazu bei, dass die kurdische Bewegung immer mehr ein Teil der revolutionären, internationalen Arbeiterbewegung wird. Konsequent und auf lange Frist werden sich die Interessen des kurdischen Volkes nur in einer internationalen Revolution verwirklichen lassen.

Solidaritätspakt mit Perspektive

Gemeinsam mit der ICOR fordert die MLPD: „Gegen die Kriminalisierung des kurdischen Befreiungskampfs! Aufhebung des PKK-Verbots! Humanitäre Hilfe für die betroffene kurdische Zivilbevölkerung und besonders die Flüchtlinge! Für das Selbstbestimmungsrecht des kurdischen Volkes!"

 

Dieser Kampf bringt auch den Kampf für Freiheit, Demokratie und echten Sozialismus voran.