Togo

"Die Leute haben genug von Armut und Diktatur"

Ein Genosse der PC Togo (Kommunistische Partei Togo) berichtete beim Internationalen Seminar zu 100 Jahre Oktoberrevolution vom 27. bis 29. Oktober in Bottrop von der Lage in seinem Land:

Korrespondenz aus Frankreich
"Die Leute haben genug von Armut und Diktatur"
Frauenprotest in Togo (Foto: Kayi Lawson)

"Die Leute haben genug von Armut und Diktatur. Unser Land wird seit fast 55 Jahren von Clans diktatorisch regiert. Mit Militärgewalt werden sie an der Macht gehalten.

Sie plündern das Land und seine Bodenschätze aus

Der jetzige Präsident verletzt ungestraft die Verfassung und bleibt über die erlaubte Zeit hinaus im Amt. All das wäre nicht möglich, wenn nicht die imperialistischen Mächte, allen voran Frankreich, die korrupte Diktatur stützten. Sie profitieren davon und plündern das Land und seine Bodenschätze aus.
 
 
Unsere Hauptstadt Lomé ist ein strategisch wichtiger Hafen in Westafrika, denn mehrere Länder wie Mali, Niger, Burkina Faso haben keinen Zugang zum Meer. Mehrere Mächte sind hier präsent. Der französisch-internationale Finanzkapitalist Vincent Bolloré hat sich für 35 Jahre in den Hafen Lomé eingekauft, worüber Im- und Exporte, natürlich auch von Waffen laufen.

Es gibt eine breite Opposition

Doch seit August 2017 geht das Volk immer wieder mit Demonstrationen und Blockaden mutig auf die Straße, trotz Verletzten und Toten. Es gibt eine breite Opposition mit mehreren Strömungen. Die liberale Bourgeoisie, die nicht von den herrschenden Verhältnissen profitiert, möchte eine konstitutionelle Reform.
 
 
Aber das würde nichts an der Lage des Volks ändern. Das herrschende Regime und die Machtverhältnisse verlangen eine Revolution und eine Volksregierung. Das muss gut vorbereitet werden.

Seit wir die ICOR kennen, sind wir nicht mehr allein

Der Kampf im Land ist für uns Revolutionäre schwer – von Gefängnis und Tod bedroht, können wir nicht offen arbeiten. Ich wollte mit einem andern Genossen hier teilnehmen, aber er wurde in den Kämpfen letzte Woche verletzt. Milizen gehen brutal vor.
 
 
Doch wir sind in vielen Bereichen aktiv, in den Gewerkschaften, unter Frauen und Jugendlichen und machen Fortschritte. Seit wir die ICOR kennen, sind wir nicht mehr allein, es gibt politische und praktische Hilfe.

Einzigartiges Seminar

Und das Seminar zu 100 Jahre Oktoberrevolution war für uns einzigartig. ... Revolutionäre aus aller Welt zu treffen, Verbindungen zu knüpfen, die Erfahrungen auszutauschen – das bringt uns alle sehr voran und ich bedanke mich bei allen Beteiligten und vor allem der MLPD als Gastgeberin!"