100 Jahre Oktoberrevolution

Ein unvergesslicher Abend in Sankt Petersburg

Der Abend des 8. November 2017 war ein würdiger Abschluss der Feierlichkeiten zum 100. Jahrestag der Oktoberrevolution in Sankt Petersburg.

Korrespondenz aus St. Petersburg
Ein unvergesslicher Abend in Sankt Petersburg
Internationale Marxisten-Leninisten, Revolutionäre, die ICOR-Jugendbrigade, Gewerkschaftsaktivisten und Frauenaktivistinnen - die Vielfalt der Kräfte war kaum in einem Foto zu fassen (rf-foto)

In Sichtweite des Kreuzers Aurora erlebten die etwa 250 Teilnehmerinnen und Teilnehmer eine große Verbrüderung und Verschwesterung mit alten und vielen neuen Freunden aus über 25 Ländern - weit über den Kreis der ICOR-Mitglieder hinaus, unter anderem aus Kasachstan, Finnland, Griechenland, Japan, Brasilien, Marokko und Österreich. Zusammen mit den zahllosen Menschen und den treibenden russischen Kräften hatte die ICOR die Feierlichkeiten in Sankt Petersburg gestaltet.

 

Auf Initiative der russischen Organisation Marxistisch-Leninistische Plattform, die Mitglied der ICOR ist, hatte die ICOR zum Bankett im festlichen Rahmen eingeladen. Sie wurde dabei tatkräftig unterstützt von der internationalen Jugendbrigade. Die Speisen ließen keinen Wunsch offen, noch weniger die Getränke und die häufigen Trinksprüche.

 

Durch den Abend führte die Hauptkoordinatorin der ICOR, Monika Gärtner-Engel. Zu Beginn marschierte ein Matrosenchor mit den Fahnen beteiligter Organisationen auf die Bühne und begrüßte die Gäste mit Liedern der Oktoberrevolution. Nachdem ihr letztes Lied „Partisanen vom Amur“ verklungen war, marschierten sie ab – nur um sofort zurückgebeten zu werden: Auch die deutsche Band „Gehörwäsche“ hatte dieses Lied im Programm. So wurde es nochmal gemeinsam gesungen – mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern in allen ihren Sprachen. Der Matrosenchor wurde herzlich verabschiedet, nicht ohne ihn zum Rebellischen Musikfestival im kommenden Jahr nach Deutschland einzuladen.

Ordensverleihung durch Viktor Tjulkin

Erster überraschender Höhepunkt war eine Ordensverleihung: Viktor Tjulkin, der Vorsitzende der RKRP (Russische Kommunistische Arbeiterpartei) ließ es sich nicht nehmen, persönlich einer Reihe von Persönlichkeiten Orden anzuheften: Monika Gärtner-Engel (Hauptkoordinatorin der ICOR), Gabi Fechtner (Parteivorsitzende der MLPD), Sanjay Singhvi (Stellvertretender Hauptkoordinator der ICOR) sowie Ulja Schweitzer für die Musikgruppe „Gehörwäsche“ („auf besonderen Wunsch der Parteibasis“). Monika Gärtner-Engel bedankte sich - geehrt und gerührt - für den ersten Orden ihres Lebens: „Es zeugt von Größe, jemanden zu ehren, mit dem man Gemeinsamkeiten, aber auch prinzipielle Differenzen hat."

 

Bemerkenswert war, dass Vertreterinnen und Vertreter der drei bedeutenden linken Organisationen Russlands am Bankett teilnahmen: der KPRF, der RKRP und der MLP.

Vorstellung der ICOR

Monika Gärtner-Engel und Sanjay Singvi nutzten die Gelegenheit, den Anwesenden die ICOR vorzustellen. Sanjay führte aus, wie wichtig nach der ganzen Konfusion und Zersplitterung innerhalb der marxistisch-leninistischen und Arbeiterbewegung aufgrund des revisionistischen Verrats am Sozialismus die Arbeit der Internationalen Konferenz marxistisch-leninistischer Parteien und Organisationen war. Sie war ein bedeutendes Forum des Meinungsaustausches und einer beginnenden Vereinheitlichung.

 

Diese Rolle hat sich jedoch überlebt: Es gab kaum praktische Zusammenarbeit im Klassenkampf. Nur mit Resolutionen kann man die Welt nicht verändern. So entstand der Gedanke der ICOR, deren Schwerpunkt die praktische internationale Zusammenarbeit ist. Es gibt heute keine Kommunistische Internationale und kann sie aktuell auch nicht geben. Es ist aber richtig, darauf hinzuarbeiten! Daran arbeitet die ICOR, indem ihre Mitglieder vielfältig gegen den Imperialismus kämpfen und sich dabei schrittweise ideologisch-politisch vereinheitlichen.

 

Monika Gärtner-Engel erklärte, dass die Zusammenarbeit innerhalb der ICOR auf klaren revolutionären Prinzipien beruht. Grundlegend ist die Anerkennung der Notwendigkeit, dass der Imperialismus revolutionär überwunden werden, der Sozialismus aufgebaut und die Diktatur des Proletariats errichtet werden muss. Grundlegend ist die Positionierung gegen Revisionismus, Trotzkismus und Antikommunismus. Grundlegend sind gegenseitiger Respekt und eine proletarische Streitkultur. Und grundlegend ist die finanzielle Unabhängigkeit der ICOR.

 

Jedes ICOR-Mitglied entscheidet selbst, an welchen Aufgaben und Projekten der ICOR es teilnimmt. Ist die Entscheidung gefallen, müssen Zusammenarbeit und Mitarbeit verlässlich sein.

Vielfältige Beiträge der ICOR-Vertreter/-innen und anderer Delegationen

Das weitere Programm des Abends war geprägt von der Vorstellung der Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus den verschiedenen Ländern, immer wieder verbunden mit Kulturbeiträgen, gemeinsamen Liedern und Ansprachen. Dimitri von der Marxistisch-Leninistischen Plattform musste sich wegen der Rückreise nach Moskau kurz fassen. Er würdigte die Zusammenarbeit mit der ICOR bei der Vorbereitung und Durchführung der Feierlichkeiten zu "100 Jahre Oktoberrevolution".

 

Jeroen Toussaint, Europakoordinator und von Rode Morgen Niederlande, betonte als ehemaliger Hafenarbeiter die Bedeutung der ICOR für den internationalen Klassenkampf. Der Lateinamerika-Koordinator stimmte zusammen mit den Genossen aus Venezuela das Lied „Commandante Che Guevara“ an. Vertreter aus Brasilien überbrachten ein Grußwort.

 

Die größten Delegationen kamen aus Russland, Deutschland und Nepal. Die kleine Bühne konnte nicht alle fassen. Der nepalesische Gesangsbeitrag entwickelte sich zum ausdrucksvollen und ausgelassenen Tanz.

 

Die Vorsitzende der Demokratischen Arbeiterpartei Koreas berichtete über die aktuelle Kampagne ihrer Partei gegen die Kriegsgefahr, die sich aufgrund der Trumpschen Politik verschärft. Dafür erhielt sie viel Zuspruch.

 

Die Kontinentalverantwortlichen der ICOR für Afrika, Amerika, Asien und Europa wurden auf der Bühne vorgestellt. Die ICOR wächst in Afrika am schnellsten. Das geht v.a. auf eine systematische und aktive Arbeit zurück – und ist bedeutend, weil Afrika einer besonders aggressiven Ausbeutung durch die rivalisierenden alten und neuen Imperialisten unterliegt.

 

Besonders gewürdigt wurden von Monika Gärtner-Engel die ältesten Teilnehmer aus Nepal (78 Jahre, ehemaliger Bauernwaise, der es sich erkämpft hat, Lehrer zu werden) und Deutschland (zwei Männer von über 80 Jahren) sowie die jüngste Teilnehmerin mit 15 Jahren von der Jugendbrigade – zusammen mit deren Sprach-Begleiterin, die ihren ersten Einsatz mit einer Jugendbrigade mit 78 Jahren machte.

Viel Beifall für die großartige Arbeit der Jugendbrigade

Die riesige, selbstlose Arbeit der Jugendbrigade zur Vorbereitung und Begleitung der Reise und des ganzen Programms fand großen Beifall. Eine Spendensammlung erbrachte über 390 Euro und mehr als 21.000 Rubel (gut 300 Euro) für die ICOR.

Das Jubiläum "100 Jahre Oktoberrevolution" ist nicht das Ende, sondern erst der Anfang!"

 Sanjay Singhvi



 

Zum Abschluss kamen sich alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer sehr nahe – beim Versuch, alle zusammen auf ein Gruppenbild zu bekommen. Die Stimmung wurde immer ausgelassener. Das Programm ging anschließend in ausgiebigen Tanz zur Musik von "Gehörwäsche" über. Die Teilnehmer hätten sicherlich noch lange gefeiert, aber man musste den Heimweg in die Unterkünfte antreten, bevor die Brücken über die Newa für die Nacht hochgeklappt wurden. So musste der stellvertretende Hauptkoordinator Sanjay Singhvi den Tanz beenden mit den Worten: „Das ist das Ende des Abends, aber das 100. Jubiläum der Oktoberrevolution ist nicht das Ende, sondern erst der Anfang!“