„Paradise Papers“

Im „Paradies“ des internationalen Finanzkapitals

Das internationale Netzwerk investigativer Journalisten ICIJ (1) hat nach den „Panama Papers“ im Jahr 2016 nun mit den „Paradise Papers“ ein weiteres gigantisches weltweites Netzwerk der größtenteils legalen Steuervermeidung bzw. -hinterziehung aufgedeckt.

Von gof
Im „Paradies“ des internationalen Finanzkapitals
Paradiesische Zustände nicht nur für Urlauber - die Steueroase Cayman Islands in der Karibik (foto: Ray Bodden from USA (CC BY-SA 2.0 Generic))

Die Auswertungen sind noch lange nicht abgeschlossen. In den 13,4 Millionen Dokumenten aus Steuerparadiesen – daher der Name „Paradise Papers“ - tauchen die Namen von mehr als 120 Politikern aus fast 50 Ländern auf, neben Superreichen, Sportlern und Unternehmern.

Milliarden Euro gehen jährlich an den Finanzämtern vorbei in Steueroasen
Milliarden Euro gehen jährlich an den Finanzämtern vorbei in Steueroasen

In Kürze

  • Die Reichen und Superreichen dieser Welt schleusen jährlich 600 Milliarden Euro in Steueroasen
  • 19 sogenannten Offshore-Staaten verteilen sich um die ganze Welt
  • „Legale“ Geldströme vermischen sich dort mit Vermögenssummen aus Drogen-, Waffen- und Frauenhandel usw.

Alleine 6,8 Millionen Dokumente stammen von der Anwaltskanzei Appleby, gegründet 1898 auf den Bermudas und mittlerweile weltweit in allen Steueroasen vertreten.

Apple, Facebook, Siemens, Bayer und Deutsche Bank beteiligt

14 Berater, Spender und Kabinettsmitglieder von US-Präsident Donald Trump sind aufgelistet. An prominenter Stelle der US-Milliardär und gegenwärtige Handelsminister Willbur Ross, der über eine Kette von Briefkastenfirmen auch an einem Unternehmen des Schwiegersohns des russischen Präsidenten Wladimir Putin beteiligt ist.

 

Im Geflecht der über solche Steuerparadiese verschobenen Gelder und Beteiligungen finden sich der US-Sportartikelriese Nike, der Fahrdienst Uber, der IT-Gigant Apple, die Internet-Konzerne Twitter und Facebook, aber auch die berüchtigten Beraterfirmen KPMG und Ernst&Young sowie viele andere.

Weltweit 19 Offshore-Staaten

Nach Deutschland führen die Spuren von knapp 1.000 Kunden: darunter sind Firmen wie Sixt, Deutsche Post, Siemens, Allianz, Bayer oder die Deutsche Bank. Aber auch Politiker wie Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD).


Die 19 sogenannten Offshore-Staaten, die von Unternehmen oder Privatpersonen keine Steuern, bestenfalls Gebühren erheben, verteilen sich um die ganze Welt, alleine elf gibt es in der Karibik. Auch Europa ist vertreten mit der Isle of Man (zwischen England und Irland gelegen) oder Malta.

Legale Steuerhinterziehung

Diese Art der Steuerumgehung, in solchen Staaten Briefkastenfirmen zu gründen, über die dann alle steuerpflichtigen Kapitalvorgänge ablaufen, ist völlig legal.

 

Aufgrund der in den Offshore-Staaten betriebenen völligen Verschwiegenheit und fehlenden Kontrolle vermischen sich „legale“ Geldströme mit Schwarzgeldern und den Vermögenssummen aus Drogen- und Waffenhandel, Kidnapping und Frauenhandel, Bestechungsgeldern usw.

 

Diese Steuerparadiese für Superreiche nehmen groteske Formen an. Auf der britischen Isle of Man leben 83.000 Menschen, aber knapp 30.000 Briefkastenfirmen sind registriert. Die Isle of Man ist über ein Zollabkommen direkt mit der EU verbunden. All das ist bekannt, ohne dass sich je ein EU-Bürokrat darüber aufgeregt hätte.

600 Milliarden Euro verschwinden jährlich in Steueroasen

Laut Süddeutscher Zeitung verschieben die internationalen Monopole jährlich 600 Millarden Euro in diese Steueroasen. Alleine Deutschland entgehen dadurch jährlich 17 Milliarden Euro.


Das internationale Finanzkapital verfügt durch seine allseitige Diktatur auf der Welt ohnehin über die gesamten Staatshaushalte. Hinzu kommt nach den jetzt vorliegenden Informationen ein abgefeimtes System der steuerfreien Geldanlage für das eigene Spitzenpersonal aus Wirtschaft, Politik und Kultur. Ein System, das nur durch ein organisiertes Zusammenspiel von Banken und Staatsapparaten funktionieren kann.

Unerträgliches Schmarotzertum

Die Verkommenheit und Dekadenz der Superreichen geht aber so weit, dass sie nicht mal bereit sind, die vielfach lächerlich niedrigen Steuersätze für Unternehmen zu bezahlen.

 

Ihr unerträgliches Schmarotzertum tritt immer deutlicher zutage. Zukünftige vereinigte sozialistische Staaten der Welt werden damit unerbittlich Schluss machen.