Klartext
Sexismus – uns reicht’s!
Eine Woge von Hunderttausenden Internet-Erklärungen breitet sich weltweit aus: „#MeToo – auch ich bin Opfer sexistischer Gewalt.“ Ausgangspunkt dieser Aktion ist die Anklage einiger Schauspielerinnen gegen die sexistische Erpressung des Filmgurus Harvey Weinstein.
Sexuelle Gewalt gibt es aber auch jenseits der Glitzerwelt Hollywoods. Wie die britische Zeitung Sunday Times enthüllte, erweist sich das EU-Parlament als eine „Brutstätte sexueller Belästigung“. Ermutigt durch die #MeToo-Bewegung beklagen sich mehr als ein Dutzend Mitarbeiterinnen von EU-Abgeordneten über sexuelle Anmache durch ihre Chefs. Die Täter stammen aus dem ganzen politischen Spektrum, einige seien frühere Minister, so der Bericht.
Die Protestwelle reiht sich ein in weltweit anschwellende Kämpfe von Frauen und Mädchen gegen ihre besondere Unterdrückung. In Indien ziehen Frauen Kuhmasken an, um anzuprangern: Kühe werden als „heilig“ betrachtet, aber Frauen mit massenhaften Vergewaltigungen und sexuellen Übergriffen versklavt. In den USA haben die sexistischen und rassistischen Ausfälle des US-Präsidenten Donald Trump besonders Frauen zum millionenfachen Protest auf die Straße getrieben. In Polen sieht sich die klerikal-faschistoide Regierung besonders von einer neu belebten Frauenbewegung attackiert. In Lateinamerika sind es massenhafte und unglaublich brutale „Feminizide“, Frauenmorde, die ihre einschüchternde Wirkung verlieren.
Sexismus – uns reicht’s! Anna Bartholomé, Mitglied im Zentralkomitee der MLPD
Es sind Machtverhältnisse, die hinter sexistischen Attacken stehen – und fast immer sind Frauen die ersten Opfer. Die Macht, andere Menschen auszubeuten und zu unterdrücken – und damit auch die materielle Grundlage sexistischer Gewalt – wird erst im Sozialismus/Kommunismus ein Ende finden.
Sicher nicht von heute auf morgen. Lenin schrieb kurz vor der Oktoberrevolution: „Wir sind keine Utopisten und leugnen durchaus nicht die Möglichkeit und Unvermeidlichkeit von Ausschreitungen einzelner Personen und ebensowenig die Notwendigkeit, solche Ausschreitungen zu unterdrücken … Doch in unserem Streben zum Sozialismus sind wir überzeugt, daß er in den Kommunismus hinüberwachsen wird und daß im Zusammenhang damit jede Notwendigkeit der Gewaltanwendung gegen Menschen überhaupt, der Unterordnung eines Menschen unter den anderen, eines Teils der Bevölkerung unter den anderen verschwinden wird, denn die Menschen werden sich daran gewöhnen, die elementaren Regeln des gesellschaftlichen Zusammenlebens ohne Gewalt und ohne Unterordnung einzuhalten.“1
Protestaktionen wie die #MeToo, wie vorher „Nein heißt nein“ oder andere können das Bewusstsein für die besondere Unterdrückung der Frau im Kapitalismus schärfen. Die Organisierung in der kämpferischen Frauenbewegung macht daraus einen unaufhaltbaren Strom des Kampfs für die Befreiung der Frau in einer befreiten Gesellschaft. Die Freiheitsperspektive einer kommunistischen Gesellschaft zu vertreten, sehen dabei die MLPD und ihr Jugendverband als ihre Aufgabe. Dafür brauchen wir noch viele Mitstreiterinnen. Ein gutes Datum für den Schritt zur Organisierung ist der 25. November, der internationale ICOR-Kampftag gegen Gewalt an Frauen.