Tarifrunde

Forderungen nicht von Gewinnen abhängig machen

Alle Argumente zur Tarifrunde auf der Homepage der IG Metall beziehen sich auf die Gewinnsituation, Auslastung oder Wachstumsprognosen der Metallindustrie. Die Arbeiter müssen aber von ihrer Lage und ihren Interessen ausgehen.

Von wb

In einer Präsentation¹, die von der IG Metall bei Vertrauensleute- oder Betriebsversammlungen eingesetzt werden soll, heißt es: „Die Netto-Umsatzrendite lag in den letzten beiden Jahren mit 4 Prozent auf Rekordniveau.“ Und das ist nur die Durchschnittszahl. So lag die Rendite im Pkw-Geschäft von Daimler im letzten Jahr bei 9,1 Prozent und Porsche erreichte sage und schreibe 17,4 Prozent.

Ausgangspunkt sind die Arbeiterinteressen

Die Rekordprofite stammen aus der wachsenden Ausbeutung unserer Arbeitskraft und der Natur. Während die Monopole am liebsten das Lohnniveau weiter drücken würden, können die Arbeiter und Angestellten mit dem Einsatz der gewerkschaftlichen Kampfkraft über die Höhe des Arbeitslohns oder die weitere Verkürzung der Arbeitszeit mitbestimmen². Ausgangspunkt dafür sind ihre Interessen und Bedürfnisse:

 

  • die Arbeiter und Angestellten brauchen einen Ausgleich für die Verteuerung der Lebenshaltungskosten, die deutlich über den offiziellen 1,8 Prozent Inflationsrate liegen; nicht eingerechnet sind zum Beispiel die horrenden Preise auf dem Wohnungsmarkt oder die Aufwendungen der Pendler

 

  • es gibt immer noch einen Nachholbedarf, der aus den Einkommensverlusten aus der Weltwirtschafts- und Finanzkrise und den zahlreichen betrieblichen Erpressungen mit Lohnverlusten herrührt

 

  • auch im Hinblick auf das sinkende Rentenniveau ist jedes Prozent mehr Lohn wichtig

 

  • eine weitere Arbeitszeitverkürzung, die allen zu gute kommt und mit vollem Lohnausgleich erfolgen muss, gehört angesichts der krankmachenden Arbeitshetze und der drohenden massenhaften Vernichtung von Arbeitsplätzen im Zuge der Einführung von Elektromobilität und der Digitalisierung auf die Tagesordnung

 

  • die längst überfällige Angleichung der Tarife in Ost und West stärkt die gemeinsame Kampfkraft der Arbeiter

 

  • und nicht zuletzt hilft eine erfolgreiche, kämpferische Tarifrunde, sich auf zukünftige härtere Kämpfe vorzubereiten, und ist eine Kampfansage an den Rechtsruck der Regierung.

IG Metall zur Kampforganisation machen

Angesichts dessen ist es nur angemessen, dass die IG Metall eine sechsprozentige Lohnforderung aufgestellt hat. Die ebenfalls geforderte Möglichkeit zur Verkürzung der Arbeitszeit auf 28 Stunden in der Woche mit Teillohnausgleich für Schichter sowie andere ersetzt nicht die notwendige einheitliche Arbeitszeitverkürzung auf 30 Stunden pro Woche bei vollem Lohnausgleich.

 

Am 15. November starten die Verhandlungen mit den Unternehmerverbänden in den Bezirken. Sie sollten zum Auftakt einer kämpferischen Tarifrunde genutzt werden, mit sich ständig steigernden Kampfmethoden: Warnstreiks zur Mobilisierung der Basis – Durchführung von 24-Stunden-Warnstreiks – Urabstimmung – Vollstreik.