Kahlschlag

6.900 Arbeitsplätze bedroht: "Damit darf Siemens nicht durchkommen!"

Siemens hat am Donnerstag verkündet, in den kommenden Jahren weltweit weitere 6.900 Arbeitsplätze zu vernichten, darunter etwa 3.300 in Deutschland.

Von MLPD-Landesleitung Ost / ms
6.900 Arbeitsplätze bedroht: "Damit darf Siemens nicht durchkommen!"
Protestaktion bei Siemens in Fürth am 1. Juni (Foto: RF)

So in Berlin rund 900 der insgesamt 12.000 Stellen - 300 in Moabit, 570 im Dynamo-Werk in Siemensstadt. 640 Arbeitsplätze sollen in Mülheim/Ruhr vernichtet werden. Ganz schließen will Siemens die Turbinenwerke in Görlitz (720 Arbeitsplätze) und Leipzig (200 Arbeitsplätze).

Protest der Krefelder Siemens-Belegschaft am 17. Mai (Foto: RF)
Protest der Krefelder Siemens-Belegschaft am 17. Mai (Foto: RF)

In  Kürze:

  • Siemens will weltweit weitere 6.900 Arbeitsplätze vernichten, etwa 3.300 in Deutschland
  • Erneut Protestaktionen - unter anderem in Berlin, Offenbach, Leipzig und Erfurt 
  • Landesleitung Ost: "Die MLPD steht an Eurer Seite im Kampf um jeden Arbeitsplatz!"

Durch die geplante Zusammenlegung des in Erlangen und Offenbach angesiedelten Geschäftsbereichs Kraftwerksbau droht auch dem Werk in Offenbach die Schließung. Das Werk in Erfurt soll möglicherweise verkauft werden. Auch hier ist bereits von weit mehr als 200 Arbeitsplätzen die Rede, die das kosten würde.

Auch heute Protestaktionen

Aus Protest dagegen zogen heute schon rund 1.300 Arbeiter und Angestellte vor die Berliner Siemens-Zentrale. Protestaktionen gab es auch in Offenbach und Leipzig. In Erfurt verließen rund 500 Beschäftigte wütend eine Versammlung.

 

Ein Siemens-Arbeiter aus dem Dynamo-Werk sagt gegenüber dem Tagesspiegel, was viele denken: "Man hat es kommen sehen, dass Stellen gestrichen werden. Aber doch nicht gleich eine drohende Werksschließung! Das ist eine Frechheit!"

 

Bereits am 26. Oktober hatte es bundesweite Protestaktionen (Bericht dazu) gegeben und danach immer wieder an einzelnen Standorten (siehe weitere Berichte auf Rote Fahne News).

Solidaritätserklärung der MLPD-Landesleitung Ost

Die Landesleitung Ost der MLPD hat folgende Solidaritätserklärung mit den Kolleginnen und Kollegen veröffentlicht, die von der aktuell angekündigten Arbeitsplatzvernichtung bei Siemens betroffen sind:

 

"Die MLPD steht an Eurer Seite im Kampf um jeden Arbeitsplatz! Siemens plant einen Kahlschlag sondergleichen. 6.900 Arbeitsplätze sollen weltweit vernichtet werden. Den Werken in Görlitz und Leipzig droht die Schließung, in Berlin stehen Hunderte Arbeitsplätze auf der Abschussliste. Damit dürfen sie nicht durchkommen!

Siemens schert sich nicht um Verträge

Siemens macht Milliarden von Gewinnen, allein in der Kraftwerkssparte haben sie ein Auftragspolster von 40 Milliarden. Siemens hat auch einen Standort- und Beschäftigungssicherungsvertrag abgeschlossen.

Im Kapitalismus wird alles dem Profitgesetz untergeordnet - das Profitgesetz ist aber kein Naturgesetz

MLPD-Landesleitung Ost

Angesichts dessen heucheln Regierungsvertreter, wie der Ministerpräsident von Sachsen, Stanislav Tillich, Empörung: Siemens müsse seine soziale Verantwortung wahrnehmen und dürfe nicht so viele Arbeitsplätze abbauen. Aber: Siemens schert sich weder um Verträge, noch interessiert sie die Existenzgrundlage Tausender Arbeiterinnen und Arbeiter samt ihrer Familien. Die Profitgier fegt alles weg.

Richtungsentscheidung gefordert

So kann es nicht weitergehen! Im Kapitalismus wird alles dem Profitgesetz untergeordnet. Das Profitgesetz ist aber kein Naturgesetz! Wir brauchen eine Gesellschaft, wo nicht der Profit, sondern Mensch und Natur im Mittelpunkt steht. Das ist für die MLPD der echte Sozialismus.

 

Angesichts der drohenden Arbeitsplatzvernichtung gibt es verschiedene Richtungen. Die eine ist: mit der Geschäftsleitung um eine sogenannte 'sozialverträgliche' Abwicklung zu verhandeln. Damit würde man aber die Arbeitsplatzvernichtung akzeptieren. Wir können jedoch auf keinen Arbeitsplatz verzichten, der dann auch der Jugend fehlt.

Um jeden Arbeitsplatz kämpfen

Die andere Richtung: jetzt um jeden Arbeitsplatz kämpfen. Dafür sich mit den verschiedenen Standorten zusammenschließen und die Tarifrunde dazu nutzen, die volle Kampfkraft einzusetzen. In der Tarifrunde muss auch die Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohnausgleich zur Forderung gemacht werden. Damit können Arbeitsplätze gesichert und geschaffen werden.

 

Nach 27 Jahren der Einheit Deutschlands ist es ja mal Zeit, endlich die Angleichung auf 35 Stunden pro Woche bei vollem Lohnausgleich hin zu kriegen. 'Wir sind keine Arbeiter zweiter Klasse und wollen auch nicht länger so behandelt werden. … Wir gehen nicht unter in unseren Niederlagen, sondern in Kämpfen, die wir nicht führen', schreiben dazu Kolleginnen und Kollegen aus Jena-Saalfeld in einem Offenen Brief.

Betriebsgruppen der MLPD stärken

Schluss mit Kuhhandel und Klassenversöhnung! Gemeinsamer Kampf um jeden Arbeits- und Ausbildungsplatz, statt gegenseitiges Ausspielen der verschiedenen Standorte! Für Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohnausgleich! Für ein allseitiges und gesetzliches Streikrecht! Stärkt die Betriebsgruppen der MLPD! Die Arbeiter brauchen eine Kampfpartei!"