CO2-Ausstoß

Bonner Klimagipfel im Zeichen der Verschärfung der Umweltkrise

Die zweite Woche der 23. Klimakonferenz der Vereinten Nationen (COP 23) ist in vollem Gang und soll den Eindruck vermitteln, als sei der Umweltschutz bei den Herrschenden in guten Händen.

Von Landesleitung Nord der MLPD
Bonner Klimagipfel im Zeichen der Verschärfung der Umweltkrise
Braunkohletagebau und -Kraftwerk bei Jänschwalde (Foto: GuenterHH / Flickr)

Ein Delegierter der Klimakonferenz macht dies allen Ernstes daran fest, dass die Verpflegung auf der Konferenz vegan ist und es kostenlose Aluminiumflaschen zum Mitnehmen gebe, die an den zahlreichen Wasserspendern aufgefüllt werden könnten. Angesichts des fortschreitenden Übergangs zu einer globalen Klimakatastrophe eine Farce!

Junge Umweltkämpferinnen und Umweltkämpfer auf der Demonstration am 11. November in Bonn (rf-foto)
Junge Umweltkämpferinnen und Umweltkämpfer auf der Demonstration am 11. November in Bonn (rf-foto)

In Kürze

  • Für 2017 erwarten Wissenschaftler eine weitere Zunahme des weltweiten CO2-Ausstoßes um etwa zwei Prozent
  • Trump-Regierung unterstützt den Bau von 1.600 Kohlekraftwerken in 62 Ländern
  • Mehr als 15.000 Wissenschaftler unterzeichnen "Warnung an die Menschheit"

Im Jahr 2015 wurde von der Fachzeitschrift Earth System Science Data proklamiert, dass eine Trendwende in der Entwicklung der CO2-Emissionen erreicht worden sei. Davon kann keine Rede sein.

Neuer CO2-Rekord

Für das laufende Jahr 2017 erwarten die Wissenschaftler des Global Carbon Project eine weitere Zunahme der globalen Emissionen um etwa zwei Prozent.

 

Schon im Jahr 2016 hat die Konzentration an klimaschädlichem CO2 in der Atmosphäre so schnell zugenommen, wie nie seit Beginn der Messungen vor 58 Jahren. Das geht aus dem Jahresbericht der US-Wetter- und Ozeanografiebehörde NOAA hervor. Im weltweiten Durchschnitt lag sie bei 402,9 Teilchen pro Million (ppm) und damit erstmals über der Marke von 400.

"Selbstverpflichtungen" wertlos

Die UNO hatte kürzlich bekannt gegeben, dass die Erdtemperatur bis Ende des Jahrhunderts um mindestens drei Grad Celsius steigen wird – selbst bei Einhaltung aller bisher vorgelegten Klimaschutzziele.

 

Das zeigt, dass das Klimaabkommen von Paris im Jahr 2015 das Papier nicht wert ist, auf dem es steht. Die freiwilligen Selbstverpflichtungen der Regierungen sind nur dazu da, die Weltöffentlichkeit darüber hinwegzutäuschen, dass sie nicht daran denken, die Verbrennung fossiler Energieträger aufzugeben.

Trump von Kohleindustrie-Vertretern begleitet

Der US-amerikanische Präsident Donald Trump hat auf dem Klimagipfel bezeichnenderweise Vertreter der Kohleindustrie im "Gepäck". George David Banks, Umwelt- und Energieberater von Trump, meinte auf einer Pressekonferenz im Rahmen des Klimagipfels:

 

"Die Idee, dass die Welt einen ambitionierten Klimaschutz betreibt und gleichzeitig die Wirtschaft unterstützt und das alles nur mit Sonne und Wind, das ist naiv. Deshalb werden in 62 Ländern der Welt weitere 1.600 Kohlekraftwerke gebaut.“

Deutschland "Umweltprimus"?

Die deutsche Regierung gibt sich gern als Musterknabe der Förderung erneuerbarer Energien. Aber nur, so lange es dabei um den Ausbau des eigenen Weltmarktanteils an den entsprechenden profitablen Technologien geht.

 

Gleichzeitig hält die BRD rücksichtslos an der Braun- und Steinkohleverbrennung in Deutschland fest und gibt den Automobilkonzernen jede Rückendeckung bei ihrem kriminellen Abgasbetrug, um möglichst lange weiter Verbrennungsmotoren produzieren zu können.

Aufruf von 15.000 Wissenschaftlern

Angesichts dieser Entwicklung wächst die Sorge der Menschen und das Umweltbewusstsein. So sprachen sich bei einer Umfrage von Emnid für Bild am Sonntag 59 Prozent der Befragten dafür aus, dass die nächste Bundesregierung den Kohleausstieg beschließt. Besonders große Sorgen über die Veränderung des Weltklimas machen sich 71 Prozent der Befragten einer weiteren Umfrage.

 

Mehr als 15.000 Wissenschaftler aus 184 Ländern unterzeichneten aktuell eine "Warnung an die Menschheit". "Das ist eine überwältigende Resonanz, die wir nicht erwartet haben", sagt Mitverfasser Thomas Newsome von der University of Sydney.

 

Die im Fachmagazin BioScience veröffentlichte Erklärung ist bereits der zweite gemeinsame Aufruf von Wissenschaftlern. Einen ersten Appell vor 25 Jahren hatten rund 1.700 Wissenschaftler unterzeichnet. Die Autoren des neuen Aufrufs sind überzeugt, dass es für wirksame Maßnahmen einer breiten Welle öffentlichen Drucks bedarf.

Neue Umweltbewegung auf der Straße

Am 11. November zeigte sich bei der Demonstration in Bonn mit rund 2.000 Teilnehmern eine neue Umweltbewegung mit einem wachsenden Spektrum von - vorwiegend jungen - Beteiligten, die ihre vielfältigen Anliegen im gemeinsamen Kampf bündeln wollen.

 

Das ist ein wichtiger Erfolg bei der Herausbildung einer neuen Umweltbewegung im engen Schulterschluss mit der Arbeiterbewegung, für die sich auch die MLPD und das Internationalistische Bündnis aktiv einsetzen.