Stahlaktionstag

8.000 Stahlkocher beim Aktionstag - die Arbeiter treten auf den Plan!

8.000 Kolleginnen und Kollegen nahmen nach Angaben der IG Metall beim heutigen Stahlaktionstag in Andernach teil. Sie wehren sich gegen die Fusion mit dem indischen Tata-Stahlmonopol, das zigtausende Arbeitsplätze in Europa und Indien vernichten will.

Von eh
8.000 Stahlkocher beim Aktionstag - die Arbeiter treten auf den Plan!
Starke Beteiligung am Stahlaktionstag (rf-foto)

Auf dem Betriebsgelände von Rasselstein begann der Aktionstag mit einem offenen Mikrofon, das Kollegen von thyssenkrupp aus Duisburg mitgebracht hatten. Dort beteiligten sich Kolleginnen und Kollegen aus verschiedenen Werken. Es wurden auch Solidaritäts-Resolutionen vorgetragen – von der Betriebsratsliste Offensiv von Opel Bochum, vom MLPD-Landesverband Nordrhein-Westfalen.

 

Aus den Niederlanden, wo es ebenfalls ein großes Tata-Werk gibt, wünschte die Organisation  Rode Morgen "viel Erfolg bei Eurem Stahlaktionstag. ... Als Mitglied der ICOR sind wir davon überzeugt, dass die Stahlarbeiter verschiedener Länder sich nicht gegeneinander ausspielen lassen, sondern sich international zusammenschließen sollten. ...Viel Erfolg im Kampf um jeden Arbeitsplatz ... Hoch die internationale Solidarität."

Die Kollegen sagen, was Sache ist (rf-foto)
Die Kollegen sagen, was Sache ist (rf-foto)

In Kürze

  • 8.000 Stahlarbeiter kamen nach Andernach
  • Die Kampfbereitschaft wächst - auch mit anderen Belegschaften und Branchen
  • Die offene politische Krise ist eine günstige Situation

Neben den Kolleginnen und Kollegen aus dem Werk Rasselstein mit ihren Familien und vielen Menschen aus der Stadt waren starke und kämpferische Delegationen aus fast allen thyssenkrupp-Standorten Nordrhein-Westfalens gekommen. In Dortmund, Bochum, Duisburg und Dortmund war die Produktion stillgelegt. Im Werk Rasselstein stand die Produktion ab 2 Uhr in der Nacht. Besonders die Jugend war stark vertreten. Manchen Azubis machte es richtig Eindruck, dass die Auszubildenden im ersten Lehrjahr jetzt bereits zum zweiten Mal auf einer Großdemonstration waren. Ein Video der Krupp-Lehrwerkstätten überbrachte die Botschaft: „Wir sind kampfbereit!" Das stieß auf breite Zustimmung.

Intensive Diskussionen 

Die Kolleginnen und Kollegen denken intensiv nach und diskutierten untereinander, wie dieser Kampf geführt werden soll. Es ist für viele noch ein ungewohnter Gedanke, dafür selbst die volle Verantwortung zu übernehmen. Aber nur mit einen entschlossenen Kampf gegen diese Fusion, mit dem Kampf um jeden Arbeits- und Ausbildungsplatz bis hin zu einem konzernweiten Streik, können diese Pläne zu Fall gebracht werden. Der Gruß aus den Niederlanden ist gerade deshalb bedeutend, weil er auf den länderübergreifenden Kampf abzielt - gegen die sozialchauvinistische Verteidigung des eigenen Konzerns und des Imperialismus.

 

In zahlreichen Diskussionen schälte sich heraus, dass Viele weiterführende Fragen haben, den Kapitalismus als verantwortlich für die Misere sehen. Damit liegen sie genau richtig und die MLPD steht als revolutionäre Arbeiterpartei deshalb auch für den echten Sozialismus als gesellschaftliche Alternative.

 

Gleichzeitig demonstrierten heute 2.000 Siemens-Kolleginnen und Kollegen in Berlin um ihre Arbeitsplätze (siehe Korrespondenz). Mit dem Scheitern der Jamaika-Sondierungsgespräche ist eine offene politische Krise ausgebrochen. Die Situation ist genau richtig für gemeinsame Kämpfe der Belegschaften bei Stahl, Siemens und anderen. Das zeigt jeder möglichen neuen Bundesregierung, dass sie mit den Arbeiterinnen und Arbeitern rechnen muss. Andrea Nahles (SPD) versuchte heute wieder für die Sozialdemokratie Boden bei den Stahlarbeiter gut zu machen. Aber in Berlin laufen schon die Verhandlungen, ob die SPD wieder in eine Regierung mit der CDU/CSU eintritt oder eine solche toleriert. Zwar bekam Nahles Applaus für kämpferische Töne. Vor diesen Hintergrund mehren sich aber die kritischen, realistischen Stimmen von Kolleginnen und Kollegen, die die Position der SPD an der Seite der herrschenden Monopole durchschauen.

Zusammenhalt unter den Stahlarbeitern

Wie gut der Zusammenhalt der Stahlarbeiter insgesamt ist - und auch der Rückhalt in anderen Betrieben - zeigten die zahlreichen Delegationen aus anderen Stahlbetrieben: Sie kamen unter anderem von den deutschen Edelstahlwerken Witten und Siegen, von Salzgitter, von Vallourec aus Düsseldorf, von Saarstahl. Aber auch zahlreiche Delegationen von Betrieben aus der Region überbrachten ihre Solidarität.

 

Die MLPD mit ihren Transparenten und ihren Fahnen war selbstverständlicher Bestandteil der Auftaktkundgebung und der Demonstration. Daneben zeigten auch Kolleginnen und Kollegen der Linkspartei und der Grünen ihre Solidarität.

Die Zeit ist günstig für einen Kampf über Branchengrenzen hinweg

In der Diskussion um den weiteren Weg des Kampfes überzeugte nicht, dass die Kolleginnen und Kollegen mit 10.000 statt mit 8.000 zum nächsten Aktionstag am nächsten Standort kommen, wie das Detlef Wetzel, für die IG Metall im Aufsichtsrat von thyssenkrupp, vorgeschlagen hat. Seine zukunftsweisende Forderung bestand darin, "ein Jahrzehnt Sicherheit" zu fordern.  Ein naiver Wunschtraum angesichts wachsender Krisenhaftigkeit des imperialistischen Weltsystems und des sich verschärfenden internationalen Konkurrenzkampfs oder der Versuch, die Stahlkocher irgendwie ruhig zu halten? 

 

Der gemeinsame Aktionstag hat unterstrichen, dass die Stahlarbeiter sich weder nach Standorten noch durch Ländergrenzen spalten lassen wollen. Wir konnten heute in vielen Gesprächen die Klärung noch offener Fragen für einen gemeinsamen selbständigen Massenstreik über Branchengrenzen hinweg befördern. Die Berliner Monopolparteien als Geschäftsführung internationaler Monopole wie thyssenkrupp stecken in der offenen Krise. Das ist schlecht für sie, aber gut für den Kampf der Arbeiterklasse. Ein solcher Kampf benötigt auch eine höhere Organisiertheit der Kolleginnen und Kollegen - Verbindungen zu den anderen Werken, zur MLPD und anderen Belegschaften und Branchen. Dafür kann auch die Arbeiterplattform des Internationalistischen Bündnisses ein wichtiger Beitrag sein.