Betriebsversammlung Eisenach

Opel-Chef war Vorgesetzter von verurteiltem VW-Manager

Am 8. Dezember fand in Eisenach die letzte Belegschaftsversammlung in diesem Jahr statt. Jetzt sind die Kolleginnen und Kollegen erst einmal einen Monat in Kurzarbeit.

Von Korrespondenz aus Eisenach
Opel-Chef war Vorgesetzter von verurteiltem VW-Manager
Die Eisenacher Opelaner sind eine kampferprobte Belegschaft, wie dieses Bild zeigt (rf-foto)

Einen Tag zuvor hatte der PSA-Vorstandsvorsitzende Carlos Tavares das Eisenacher Werk besucht. Der französische PSA-Konzern hatte Opel im August von der ehemaligen Konzernmutter GM übernommen. Seitdem gibt es immer wieder Gerüchte über eine mögliche Schließung des Eisenacher Werks.

Keine "frohe Botschaft"

Die Hoffnung, Tavares habe der Eisenacher Belegschaft eine frohe Botschaft zum Weihnachtsfest mitgebracht, wurde gleich zu Beginn der Versammlung durch den Betriebsratsvorsitzenden Bernd Lösche zerstört. „Heute wird es nichts Neues geben“, so Lösche.

 

Dann berichtete er ausführlich über die angeblich enormen Verluste von Opel. Dieses Märchen wiederholte dann auch Werksleiter Peter Ruts. Er berichtete, dass es für Eisenach zwei Möglichkeiten gebe: Entweder der Opel Grandland oder der Peugot 3008 sollten hier produziert werden. Beide Modelle werden derzeit im PSA-Hauptwerk Sochaux gebaut. Die französischen Kolleginnen und Kollegen seien aber 50 Prozent effektiver.

Am Ende der 'Mitbestimmung' kommt der Sozialplan

Ein Kollege bei Opel in Eisenach

In der darauffolgenden lebendigen Diskussion meinte ein Kollege dazu: „Wir sollen jetzt in Konkurrenz zu den französischen Kollegen treten und immer hoffen und bangen. … Und am Ende der Verhandlungen heißt es dann: Es hat nicht gereicht – die Franzosen sind billiger. Am Ende der 'Mitbestimmung' kommt der Sozialplan.“

 

Zu den angeblichen Verlusten von Opel sagte ein Kollege: „GM hat sich nicht aus Europa zurückgezogen, weil sie keine Gewinne gemacht haben, sondern weil sie keinen Maximalprofit gemacht haben. Sie haben sich auch nicht nur aus Europa zurückgezogen, sondern auch aus Afrika und Indien, um ihr Kapital zu bündeln und sich auf die großen Wachstumsmärkte wie China zu konzentrieren.“

Handelte verurteilter VW-Manager im Auftrag von Lohscheller?

Über den Opel-Vorstandsvorsitzenden Michael Lohscheller sagte ein Kollege: „Gestern berichtete die Weltpresse: der VW-Manager Oliver Schmidt ist wegen dem Abgasbetrug in den USA zu sieben Jahren Haft verurteilt worden. Das Gericht sieht es als bewiesen an, dass er im Auftrag seiner Chefs handelte. Wer war sein Chef bis August 2012? Michael Lohscheller!

 

Michael Lohscheller war auch derjenige, der im März zu uns kam – damals noch als Finanzchef – und uns gesagt hat, hört bloß nicht auf die bösen Roten. Der Mokka kommt garantiert, er als oberster Finanzchef habe alle Gelder für den Mokka frei gegeben.“ Heute weiß jeder Eisenacher, dass das Modell Mokka nicht kommt und diese Lüge dazu dienen sollte, sie vom Kampf um jeden Arbeitsplatz abzuhalten und Zeit zu gewinnen.

Frei nach Pastor Niemöller

Ein Höhepunkt der Versammlung war das Gedicht einer Kollegin, das frei nach Martin Niemöllers Gedicht „Über Gemeinschaft“ gehalten wurde:

 

„Als die Leiharbeiter entlassen wurden, habe ich geschwiegen, ich war ja kein Leiharbeiter (und: vielleicht kommen die woanders unter)

 

Als die Nachtschicht gestrichen wurde, habe ich geschwiegen, ich war ja kein Nachtschichtler (und: die hatten es ja eh immer zu gut)

 

Als sie die Kommunisten beschimpft haben, habe ich geschwiegen, ich bin ja keiner von denen (und: die sind ja schon auch immer sehr krass)

 

Als sie die Kollegen der Zulieferfirmen entlassen haben, habe ich geschwiegen, ich war ja keiner von ihnen (und außerdem: besser die als wir)

 

Als sie die Kollegen nach Rüsselsheim versetzt haben, habe ich geschwiegen, ich durfte ja hier bleiben (und: besser so als arbeitslos).“

 

Das könnte man noch eine Weile so weiter führen. Am Ende des Gedichts steht die Zeile: „Als sie mich holten, gab es keinen mehr, der protestieren konnte.“

Kritik auf nachfolgender Vertrauensleute-Sitzung

Zu dieser Versammlung waren zwei Betriebsräte von dem Dienstleister TVS, dessen ca. 200 Arbeitsplätze im Zuge der Umstrukturierung im Konzern unmittelbar vor der Vernichtung stehen, der Einladung gefolgt und nahmen an der Versammlung teil. Trauriger Höhepunkt war dann, dass den beiden durch den Betriebsratsvorsitzenden Bernd Lösche das Rederecht verweigert wurde.

 

Dies wurde auf der folgenden Vertrauensleutesitzung der IG Metall massiv kritisiert, denn eine derartige Spaltung hilft nur PSA/Opel. Zusammenfassend kann man sagen: Diese Belegschaftsversammlung hat einen wichtigen Beitrag dazu geleistet, die Einheit der Belegschaft zu schmieden und hat dem Antikommunismus eine Niederlage beigebracht.