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16. Dezember: Kämpferische mutige Aktion in Wolfsburg

Am gestrigen Samstag um 14 Uhr, pünktlich zum Ende der Sonder-Frühschicht, begann eine Protestversammlung gegen die geplante Entlassung der 200 Leiharbeiterinnen und -arbeiter vor Tor 17 in Wolfsburg. Es war bereits die fünfte Protest- und Kampfaktion binnen weniger Tage.

Von Korrespondenten aus Wolfsburg / gis
16. Dezember: Kämpferische mutige Aktion in Wolfsburg
Die kleine Protestdemo erweckte das Interesse vieler Passanten (rf-foto)

Die 200 Leiharbeiterinnen und Leiharbeiter waren im Februar 2017 von Wolfsburg nach Hannover versetzt worden und sollen nun zum 22. Dezember - nach zweieinhalb Jahren bei VW - entlassen werden. Es spricht Bände über die Konzernchefs, die ihren Beschäftigten und deren Familien ein solches Weihnachtsgeschenk machen!

 

Selbst waren sie nicht bereit, minimale Kürzungen ihrer Boni in Kauf zu nehmen, geschweige denn dazu, für die Folgen des gigantischen Abgasbetrugs persönlich zu haften. 200 Zeitarbeiter und ihre Familien hingegen in Arbeitslosigkeit und Existenznot zu schicken, da haben sie nicht die geringsten Skrupel. Mit der Kampfbereitschaft der Leiharbeiter/-innen und ihren Kollegen "Stammwerker" hatten sie nicht gerechnet.

Übernahme der Leiharbeiter/-innen

Den Anfang machten 50 Leiharbeiterinnen und Leiharbeiter. Am 8. Dezember führten sie in der Frühstückspause eine Pausenversammlung durch. Sie verabredeten sich,  um 14.00 Uhr gemeinsam zum Betriebsrat  zu marschieren, woran sich ca. 100 Leiharbeiter beteiligten - wütend über miese Jobangebote von Autovision, der VW-eigenen Leiharbeitsfirma.

 

Weitere Pausenversammlungen und selbständige kämpferische Aktionen fanden statt, insgesamt vier (Rote Fahne News berichtete). In einem Flugblatt fordern sie: Übernahme der Leiharbeiter und gegen immer mehr Arbeitshetze und Wochenendarbeit!

Manch einer hatte so etwas noch nie mitgemacht

Ein Korrespondent schreibt: "Wie viele unserer Kollegen wurden bereits 'abgemeldet'?! Doch 200 dieser Kolleginnen und Kollegen haben jetzt den Kampf aufgenommen. Sie waren aus Wolfsburg nach Hannover 'verliehen', mit Aussicht auf einen Festvertrag. Doch stattdessen sollen sie zum 20.12., kurz vor Weihnachten, entlassen werden. Nach verschiedene Aktionen in Werk Hannover wurde jetzt die Auseinandersetzung an den Stammsitz von VW nach Wolfsburg (WOB) verlagert.

 

Gestern um 14 Uhr, pünktlich zum Ende der Sonder-Frühschicht, begann eine Protestaktion vor Tor 17 in Wolfsburg. Viele, überwiegend junge Kollegen traten in Aktion, manch einer hatte so etwas noch nie mitgemacht. Einige brachten ihre Familie mit. Auch Stammwerker aus Hannover, Braunschweig und Wolfsburg waren solidarisch. Kollegen nach der Schicht blieben stehen. So nahmen gut 100-150 Kollegen, manche zeitweise, an der Aktion teil.

Mutmachende Solidaritätserklärungen

Es gab viele mutmachende Solidaritätserklärungen, die von Kolleginnen stolz vorgelesen wurden: Von Airbus aus Hamburg, von BMW, aus verschiedenen Hallen in Wolfsburg. Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Kundgebung waren empört über die Behandlung der Arbeiter, jahrelang nur Zeitverträge zu bekommen und immer nur Manöveriermasse zu sein.

Der Kampf hilft auch denen, die nach uns kommen!

Ein Kollege aus Hannover

Auch Frauen vom Frauenverband Courage machten diese Aktion zu ihrer Sache und erklärten sich solidarisch. Eine Vertrauensfrau aus Wolfsburg berichtete, das es nicht einfach ist, während der Arbeitszeit am Band die Kollegen zu mobilisieren, aber es geht. Wir brauchen einen kämpferischen IG Metall-Vertrauenskörper für den Schutz unserer Arbeitsplätze, der viele tausend mobilisieren kann.

Noch nicht zu spät!

'Ist es zu spät den Kampf aufzunehmen? Nein – egal was dabei rauskommt, er hilft denen, die nach uns kommen!', so ein Aktiver aus Hannover. Ein Sprecher der Internationalen Automobilarbeiterkonferenz verlas einen Bericht aus Changchun/China, wo ebenfalls Leiharbeiter um ihre Existenz kämpfen.

 

Die Versammlung beschloss: 'Unsere heutige Protestversammlung bei VW in Wolfsburg gegen die Entlassung von Zeitarbeitern grüßt ihre Kollegen in Changchun/China. Unser Kampf muss gemeinsam geführt werden! Nehmt Kontakt auf zur Internationalen Automobilarbeiterkonferenz!'

 

Internationale Solidarität hat alle stolz gemacht

Eine Life-Telefonschaltung nach Barcelona brachte uns kämpferische Grüße der spanischen CGT bei SEAT: 'Euer Kampf ist unser Kampf!' Diese Internationale Solidarität hat alle gestärkt und stolz gemacht. Ein Vertreter der MLPD verlas die Solidaritätserklärung der Landesleitung Nord und überbrachte kämpferische Grüße.

 

Carmen vom Internationalistischen Bündnis forderte alle auf, sich in der Arbeiterplattform des Bündnisses zusammen zu schließen und in die Mitmachlisten einzutragen. So wurde die Grundlage für den weiteren gemeinsamen Kampf gefestigt.

Großes Interesse bei den Passanten

Spontan zog ein großer Teil der Teilnehmerinnen und Teilnehmer in einer kleinen Demonstration lautstark über den Bahnhofsplatz zum Wolfsburger Weihnachtsmarkt. Kollegen berichteten über steigende Arbeitshetze auch in der Instandhaltung. Wir brauchen jeden Kollegen!

 

Eine Leiharbeiterin erzählte von einem Besuch beim Betriebsrat: 'Was wollt ihr, dass wusstet ihr vorher!' Aber wir kämpfen trotzdem! Weitere 200 Kollegen aus Wolfsburg werden auch entlassen. Leider kämpfen sie heute nicht an unserer Seite.'

"Diese Aktion war ein Erfolg!"

Die Demo stieß auf großes Interesse unter den Passanten. 'Daumen hoch!' oder 'Endlich Streik?' Viele Passanten reagierten so.

 

Eine kämpferische, mutige Aktion von VW-Kollegen in der Konzernhauptstadt – sie wird nicht die letzte sein. Nach dem Gruppenfoto ein IG Metall-Vertrauensmann: 'Egal wie es ausgeht, diese Aktion war ein Erfolg.' Darauf stießen alle mit einem Glühwein an."