Extremwetter

Kältewelle in den USA kostet Menschenleben

Am gestrigen Samstag hat sich im Osten der USA und in Kanada die regionale Kältekatastrophe weiter verschärft. Die extreme Kälte und die Auswirkungen eines eisigen schweren Wintersturms beinträchtigen das öffentliche Leben erheblich.

Von gis
Kältewelle in den USA kostet Menschenleben
Foto: rf

Am Freitag waren 4300 US-Flüge ausgefallen, am Samstag 3500 verspätet, mehrere Maschinen auf Transatlantikstrecken kehrten auf halbem Weg wieder um, Frankreich strich alle Flüge in die USA.

Todesopfer unter den Ärmsten der Armen

In New York konnte wegen der Schneemassen kein Schulunterricht stattfinden, in vielen Regionen wurde der Notstand ausgerufen. Vor allem unter den Ärmsten der Armen, Obdachlosen und Menschen, die sich keine Heizung leisten können, forderte die extreme Kältewelle mehr als 20 Todesopfer. Dies ist eine aktuelle Behördenangabe; welche Auswirkungen Kälte, Eis, Schnee, Sturm und Stromausfälle auf die Masse der Menschen haben, ist angesichts der chaotischen Zustände noch nicht im Einzelnen auszumachen.

Minus 50 Grad Celsius prognostiziert

Im Bundesstaat New Hampshire wurde am Samstag mit minus 37,8 Grad Celsius die zweitniedrigste Temperatur auf der Welt gemessen. In Kanada wurden für das nördliche Ontario und Québec minus 50 Grad Celsius vorhergesagt. An nicht geschützter Haut bilden sich bei dieser Kälte binnen von zehn Minuten Frostbeulen.

Trump verhöhnt die Menschen

Der faschistoide US-Präsident Donald Trump entblödet sich nicht, angesichts der dramatischen Wetterlage über das angebliche Ende der Erderwärmung zu twittern. Man könne doch jetzt gut etwas von der guten alten Erderwärmung gebrauchen, vor der sich die USA in der Vergangenheit hätten schützen wollen - mit Billionen von Dollar.

Zusammenhang und Wechselwirkung

Die einfach gestrickte Schlussfolgerung Trumps ist weltanschaulich extrem rückständig und wissenschaftsfeindlich. Kein Meterologe, der sich ernsthaft mit den aktuellen Phänomenen beschäftigt, stimmt ihm zu. Tatsächlich hängen Erderwärmung und aktuelle Kältewelle zusammen. Stefan Engel hat diese Art von  Zusammenhängen und Wechselwirkungen im Buch "Katastrophenalarm! Was tun gegen die mutwillige Zerstörung der Einheit von Mensch und Natur?" treffend analysiert und anschaulich beschrieben:

 

"Eine neue Erscheinung in Wechselwirkung mit der Klimaveränderung sind Hitzewellen, monatelange Dürren sowie Kältewellen ... Eine wesentliche Ursache dieser Extremwetterereignisse liegt in Veränderungen globaler Strömungssysteme der Luft. Die überdurchschnittliche und rasche Erwärmung der Arktis um 2 Grad Celsius seit 1980 beginnt den Jetwindgürtel auf der Nordhalbkugel zu destabilisieren. Dadurch verändern sich die Wege polarer Tiefdruck- und subtropischer Hochdrucksysteme. Als Folge werden Regionen für längere Zeit in eine Kältefalle eingeschlossen, während dicht daneben subtropische feuchte und warme Luftmassen nach Norden vorstoßen können. Dieses Phänomen (Rossby-Wellen) tritt häufiger, intensiver und länger auf als früher. Extreme Niederschläge, Hitzeperioden und auch lange Kälteperioden bis in den Mai, weil arktische Luftmassen in den Süden vordringen, sind die Folge in Europa, Nordamerika und Asien" (Seiten 126ff).1

 

Der oft als "Klimawandel" verharmloste Übergang in eine globale Klimakatastrophe ist kein linearer langsamer Prozess eines Anstiegs um einige wenige Grad. Er geht mit verheerenden Sprüngen einher, die sich hinter dem statistischen Durchschnitt verbergen.

Jugendliche demonstrieren für eine lebenswerte Zukunft - am 11. November 2017 in Bonn (rf-foto)
Jugendliche demonstrieren für eine lebenswerte Zukunft - am 11. November 2017 in Bonn (rf-foto)

In Kürze

  • Kein ernsthafter Wissenschaftler, keine sachkundige Metereologin stimmt den rückständigen Ansichten von Donald Trump zu
  • "Katastrophenalarm!" hat die Zusammenhänge und Wechselwirkungen zwischen Erderwärmung und extremen Wetterereignissen, darunter auch Kältekatastrophen, treffend analysiert
  • Die Umweltbewegung darf sich nicht von Illusionen in das Pariser Klimaabkommen lähmen lassen

Die aktuelle Forschung bestätigt diese Analyse

Metereologen bezeichnen den Wintersturm in den USA als „Bombenzyklon“. Das Phänomen einer „bombogenesis“ beschreibt die rapide Verstärkung eines Tiefs, laut US-Wetterbehörde NOAA liegt das am Aufeinanderprallen sehr kalter mit warmen Luftmassen. "Seit dem Jahreswechsel sieht man deutlich, dass der Jetstream2 über Nordamerika eine wellige Form angenommen hat, mit Winden, die kalte arktische Luft in den Nordosten der USA transportieren", erläutert Marlene Kretschmer vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK). "Global gesehen ist es momentan viel wärmer auf der Erde als normalerweise."

 

Dass sich die Arktis schneller erwärmt als die Tropen, beeinflusst den Jetstream. In den USA etwa zeigt sich dann ein deutliches Muster, bei dem der Westen in einer warmen Luftströmung aus dem Süden liegt, während in die Osthälfte polare Kaltluft aus dem Norden strömt. Die Wellen werden stationär, bewegen sich tagelang nicht mehr vom Fleck.

Auch der kleinbürgerliche Ökologismus führt in die Sackgasse

So dumpf und plump wie Trump urteilt niemand mit einem 'gesunden Menschenverstand'. Die Umweltbewegung muss aber mit lähmenden Illusionen fertigwerden, wonach mit einer Eindämmung der Erderwärmung auf 2 Grad die Zerstörung der Lebensgrundlagen der Menschheit abgewendet werden könne. Erforderlich ist ein weltweiter aktiver Widerstand und ein gesellschaftsverändernder Kampf. Damit die Einheit von Mensch und Natur wiederhergestellt und höherentwickelt werden kann, muss die Alleinherrschaft des skrupellosen internationalen Finanzkapitals revolutionär überwunden werden.