Tarifrunde aktuell

Berichte über Warnstreiks in den letzten Tagen

Die Jugendlichen waren vornedran. Sie machten kräftig Lärm für ihre Jugendforderungen. Besonders der freie Tag vor den Prüfungen liegt vielen am Herzen.

Korrespondenzen / gis

In ihrem Ratgeber "Fight for your Right" macht die IG Metall klar, dass Auszubildende und Jugendliche sich unbedingt an den Warnstreiks beteiligen sollen: "Die Chefs versuchen es immer wieder und behaupten, Auszubildende hätten kein Streikrecht. Das ist Unsinn: Auszubildende dürfen nicht nur, sie müssen sich für ihre Rechte stark machen! Bereits 1984 hat das Bundesarbeitsgericht nämlich entschieden, dass auch Auszubildende ein Streikrecht haben und sich somit an Warnstreiks oder Streiks beteiligen dürfen. Und Niemand darf sie daran hindern!"

Schweinfurt: viele Angestellte beteiligten sich

Unter den gut 4.000 am Warnstreik beteiligten Kolleginnen und Kollegen waren erfreulich viele Angestellte. Um 21.00 Uhr legte auch die 2. Schicht die Arbeit nieder und die Kolleginnen und Kollegen der Großbetriebe versammelten sich u.a. im Hafen vor dem Tor von SKF. Auch hier wurde die Provokation des Unternehmerverbands zurückgewiesen, sowohl bei der Arbeitszeit als auch das Lohnangebot. Beschwert hat sich ein Teil der Kollegen der 3. Schicht, die nicht zum Warnstreik aufgerufen waren. Sich aber bis zum Streikende um 22.00 Uhr beteiligten.

Nürnberg: Kämpferischer Auftritt von Azubi-Vertreterinnen und -Vertretern von Bosch

Am heutigen 11. Januar war eine IG Metall-Aktion zur Tarifrunde in Nürnberg mit 5000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Azubi-Vertreter von Bosch traten kämpferisch auf. Die MLPD war dabei und verteilte das aktuelle Flugblatt zur Tarifrunde und verkaufte das Rote Fahne Magazin.

Heidelberger Druckmaschinen in Wiesloch Walldorf

Ein Korrespondent berichtet: "Vor den Toren der Heidelberger Druckmaschinen (HDM) am Standort Wiesloch Walldorf protestierten 2500 Metaller. Es war der gemeinsame Ausstand der Beschäftigten von KS Gleitlager, Leica Biosystems und SKF Lubrication Systems und der Auftakt für Warnstreiks in der Region, zu denen die IG Metall Heidelberg aufgerufen hat ... Mirko Geiger von der IG Metall meinte, wenn die Arbeitgeber sich nicht bewegen, wird ab dem 24. Januar der Druck erhöht durch 24-Stunden-Streiks. Während der einstündigen Kundgebung gingen 900 Exemplare des Tarifinfos Nr. 3 der MLPD an die Kolleginnen und Kollegen. Auch das Rote Fahne Magazin wurde verkauft. Am Donnerstag, dem 18. Januar, um 18 Uhr lädt der ver.di Bezirk Rhein Neckar zu einer Auftaktveranstaltung in Heidelberg ein für ein „regionales Bürgerbündnis“ für mehr Personal im Krankenhaus. Auch wenn die Fäden der Zusammenarbeit von ver.di und IG Metall noch dünn sind müssen, wir vor Ort die Bedingungen für den gemeinsamen Kampf stärken."

Augsburg: Warnstreik verbunden mit Kampf gegen Arbeitsplatzvernichtung

1700 Teilnehmer waren es vormittags beim Warnstreik bei Premium Aerotec und nachmittags nochmal etwa 400 bei Ledvance (vormals Osram). Hier war der Warnstreik eng verbunden mit dem Kampf gegen die Schließung des Standorts von Ledvance in Augsburg und der geplanten Vernichtung von 650  Arbeitsplätzen bis Jahresende. Fast jeder angesprochene Kollege nahm interessiert das Flugblatt der MLPD zur Tarifrunde. Der Betriebsratsvorsitzende von Ledvance hob besonders die Forderung zur Arbeitszeitverkürzung hervor, aber nicht als Beitrag gegen die Arbeitsplatzvernichtung. Viele Kollegen unterstützten die Verbindung des Kampfs um ihre Arbeitsplätze mit der Forderung nach der 30-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich. In den Gesprächen kamen wir oft zur Systemfrage, wobei jeder zustimmte, dass der Kapitalismus untauglich ist für Arbeiterinteressen. Eine Kollegin berichtete, dass sie bei Siemens anfing mit  5000 Beschäftigten in Augsburg und mit vielen anderen in den folgenden Jahren entlassen wurde und heute noch 200 Kollegen dort arbeiten. Jetzt erlebt sie bei Osram/Ledvance das gleiche. Zur Alternative Sozialismus gab es einige Vorbehalte, die aber sehr solidarisch besprochen wurden. Drei Kollegen wollen sich weiter mit uns auseinandersetzen oder mit uns zusammenarbeiten.

Kämpferische Stimmung auch in Wuppertal

An die 800 Kolleginnen und Kollegen beteiligten sich am Warnstreik in Wuppertal. Sie kamen aus 13 Betrieben, dabei geschlossen die Schicht von Vorwerk, dem Betrieb, vor dessen Toren die Kundgebung stattfand. Die Stimmung war gut; die Provokationen der Kapitalisten wurden mit großen Pfeifkonzerten quittiert. Das galt gerade auch für die unverschämte Androhung eines Streikverbots – das Flugblatt der MLPD kam da genau richtig. Richtiger Streik ist angesagt! Das war die verbreitete Meinung. Beifall bekam auch die Forderung nach mehr Ausbildungsplätzen und Übernahme der Lehrlinge. Die Vertreter der IG Metall gingen allerdings nicht auf die Forderung ein, die Löhne in Ost und West anzugleichen. Vielen war gar nicht bekannt, dass es immer noch einen großen Unterschied gibt! Diese wichtige Frage stieß auf Zustimmung; wie überhaupt es darum geht, sich nicht spalten zu lassen. Das betrifft die Teilzeitarbeiter, aber auch die Belegschaften international. „Es sind die gleichen Herren, die hier das große Geld einstreichen und Griechenland in den Ruin getrieben haben“, meinte ein griechischer Kollege.