Stahl

Lebhafte Debatten zum Tarifvertrag bei thyssenkrupp

Am Wochenende erhielten über 20.000 IG Metall-Mitglieder bei thyssenkrupp Steel Europe (tkSE) einen Brief der IG Metall zum Tarifvertrag, der zwischen thyssenkrupp und der IG Metall vor Weihnachten ausgehandelt worden ist.

Korrespondenz aus Duisburg

Ab dem 12. Januar 2018 sollen sie über den Tarifvertrag abstimmen. Im Betrieb gibt es viele Diskussionen, ob man mit Ja oder Nein stimmen soll. Über 50% müssen mit Ja stimmen, damit er angenommen wird. Auch auf der gestrigen Vertrauensleutevollversammlung der IG Metall am tkSE-Standort Duisburg Hamborn/Beeckerwerth diskutierten 150 der 500 Vertrauensleute dies kontrovers.

Stellvertretender Betriebsratsvorsitzender berichtet

Tekkin Nasikol, stellvertretender Betriebsratsvorsitzender und Aufsichtsratmitglied bei tkSE, berichtete über den Tarifvertrag und seine "Errungenschaften". Der Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen und die Zusage der Standortsicherung bis 2026 - verbunden mit Investitionen und dass thyssenkrupp seine Anteile eine Zeit halten muss - gab es noch nie in der Form. Es sei ein toller Erfolg der Belegschaft und mehr habe man durch Verhandlungen nicht rausholen können. Die einzig bittere Pille sei, dass der Konzernsitz nach Amsterdam geht, was man ohne die Unterstützung der Landesregierung Nordrhein-Westfalen und der Krupp-Stiftung nicht habe verhindern können.

Diskussion um wichtige Fragen

In der anschließenden Diskussion wurden wichtige Fragen gestellt, inwieweit man dem Vorstand hier vertrauen kann und warum der Vertrag nicht an alle Mitglieder ging. Diese müssen ja schließlich darüber abstimmen. Es zeigt, dass die Kollegen und die Vertrauensleute sehr misstrauisch gegenüber dem Vorstand sind. Einige Vertrauensleute begrüßten den Vertrag als Erfolg, weil man wirklich neun Jahre sicher sei - auch wenn es Bedenken gab, was aus der Jugend wird. Sie plädierten für Zustimmung.

Arbeitslos trotz Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen ...

Genauso viele kritische Beiträge gab es, die an den Erfahrungen der Arbeiter ansetzen. Nämlich dass es in der Stahlindustrie seit Jahrzehnten keine betriebsbedingte Kündigungen gab, während zigtausende Arbeitsplätze vernichtet wurden. Die Beispiele Schienentechnik oder Opel Bochum wurden angesprochen, wo trotz Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen jetzt Kollegen in Hartz IV und arbeitslos sind.

 

Wichtige Zugeständnisse wurden dem Vorstand durch Kampf abgerungen. Das drückt die Defensive des Vorstandes aus. Allerdings kann ich dem Vertrag auch nicht zustimmen, weil er dem Vorstand ermöglicht, seine Fusionspläne wie geplant durchzusetzen. Er wird 4.000 Arbeitsplätze vernichten und Anlagen schließen. Auch wenn dies nicht durch Kündigungen geschieht, fehlen der Jugend diese Arbeitsplätze“, so ein Kollege. Dem stimmten viele Kollegen zu.

Kritische Stimmen lassen sich nicht als "ewige Nörgler" abtun

Dass diese kritischen Stimmen von der Gewerkschaftsführung als ewige Nörgler abgetan wurden, hatte kaum Wirkung. Die reformistische Gewerkschaftsspitze erzeugte  auch Druck: Wenn der Vertrag abgelehnt werde, mache thyssenkrupp die Fusion trotzdem, aber dann ohne Schutz der Beschäftigten.

Wichtiger Richtungskampf

Es zeigt, dass es einen wichtigen Richtungskampf in der IG Metall gibt: Lieber den Spatz in der Hand nehmen und immer nur einen Abwehrkampf führen. Oder offensiv um die berechtigten Interessen kämpfen und diesen Vertrag ablehnen.

 

Am Ende zeigten sich etliche Vertrauensleute noch unentschieden, wie sie sich entscheiden sollen. Einige wollen zustimmen, haben aber große Bauchschmerzen dabei. Ein Teil will den Tarifvertrag ablehnen. Auf jeden Fall wird diese Debatte dazu führen, dass die Stahlarbeiter lernen sich besser zu organisieren und den Kampf um Arbeitsplätze offensiv zu führen.

Rote Fahne News wird weiter berichtet.