Tarifrunde

Tarifrunde

Metaller zeigen Kampfbereitschaft

Über 60.000 Metallerinnen und Metaller in Deutschland standen gestern in Warnstreiks. Schwerpunkte dieser Warnstreiks waren Nordrhein-Westfalen mit 32.000 Streikenden in 143 Betrieben sowie Bayern und Baden-Württemberg.

Von bi
Metaller zeigen Kampfbereitschaft
Warnstreikende Kolleginnen und Kollegen bei Ford in Köln (rf-foto)

Die Warnstreiks sind eine klare Antwort auf die provokatorischen Drohungen von Gesamtmetall, bei Streiks Schadensersatz zu fordern (siehe Rote Fahne News).

Schweinfurt: Zum Warnstreik auf die Straße (rf-foto)
Schweinfurt: Zum Warnstreik auf die Straße (rf-foto)

In Kürze

  • 32.000 standen allein in Nordrhein-Westfalen im Warnstreik
  • Es geht um mehr als die Tarifforderungen: die Zukunft der Jugend und die Festeinstellung der Leiharbeiter
  • Viele trauen dem Kapitalismus alle Schlechtigkeiten zu

Korrespondenten berichten von einer kämpferischen Stimmung bei Streiks und Kundgebungen. Die Einheit von Jung und Alt spielt eine wichtige Rolle. So bei Ford in Köln: „Auf der Früh- und Spätschicht legten Tausende Kolleginnen und Kollegen der Ford-Werke die Arbeit nieder. Beeindruckend ist, wenn sie hallenweise in großen Demozügen zum Kundgebungsplatz marschieren. Die Stimmung war kämpferisch, selbstgemalte Schilder und Fasstrommeln demonstrierten Kampfbereitschaft. Hunderte sind solidarisch und wollen es nicht hinnehmen, dass einzelne Jungfacharbeiterinnen und Jungfacharbeiter nicht (unbefristet) übernommen werden sollen! (Rote Fahne News) Viele Beschäftigte ergriffen die Initiative und sammeln dagegen Unterschriften in ihrem Bereichen. ‚Die kannst du morgen bei mir abholen!‘ Das ist dringend nötig, weil heute einer Jungfacharbeiterin ihre Nicht-Übernahme mitgeteilt wurde. Jetzt muss der Kampf organisiert werden!“

Kritik am massiven Leistungsdruck auf die Azubis

Aus Oberhausen wird von einer Kundgebung von 500 Kolleginnen und Kollegen bei MAN Diesel&Turbo, GHH-Rand, GHH-Radsatz, Babcock Fertigungszentrum und Mitsubishi Hitachi Power Systems berichtet:

 

„Interessant war die Rede des Jugendvertreters von MAN. Er griff den massiven Leistungsdruck auf die Auszubildenden an. Auch Weiterbildungsmaßnahmen werden auf die Abende oder das Wochenende gelegt, was zusätzliche Arbeitszeit ist. Deshalb steht die Forderung nach Bezahlung der Weiterbildungsmaßnahmen und konkret nach der Durchsetzung der Jugendforderung der Tarifrunde 'Ein Tag frei vor jeder Prüfung' fest. Wichtig für Jugendliche seien ebenso die beiden anderen Forderungen, Durchsetzung von 6 Prozent mehr Lohn für alle, und das Recht, zeitweise nur 28 Stunden zu arbeiten, bei teilweisem Lohnausgleich, weil sie sich unter anderem um ihre Eltern kümmern müssen.“

 

Kritisch diskutiert wird, wenn reformistische Gewerkschaftsfunktionäre die Höhe der Lohnforderung vor allem mit den guten Gewinnen der Kapitalisten begründen. Denn was ist, wenn diese einbrechen? Wollen sie dann wieder Verzichtsangebote machen? Die Arbeiterklasse muss bei ihren Forderungen von ihren Interessen und nicht den Bilanzen der Kapitalisten ausgehen.

 

Der Kampf um die Tarifforderungen verbindet sich mit Forderungen wie nach der Festeinstellung der Leiharbeiter, oder wie in Mülheim/Ruhr: „Vor allem den Siemens-Kollegen geht es um ihre Arbeitsplätze. Im Mülheimer Siemenswerk will der Siemens-Vorstand noch 700 Arbeitsplätze vernichten. Viele Auszubildende von Siemens waren dabei, ihre Übernahme ist in Frage gestellt. Kämpferische Töne fanden den meisten Beifall.“

 

Gleichzeitig laufen die Auseinandersetzungen bei Stahl gegen die Arbeitsplatzvernichtung bei thyssenkrupp. Immer mehr Kollegen sind der Meinung, dass der vorgelegte Tarifvertrag abgelehnt werden und ein klares "Nein" zur Fusion erklärt werden muss - sie denken auch an die Stahlarbeiter in Indien, England oder den Niederlanden, zu deren Schicksal sich der zur Abstimmung stehende Tarifvertrag ausschweigt.

 

Währenddessen beginnt bei ver.di mit Streiks die Tarifrunde. Die Unzufriedenheit mit der Regierung wächst. Außerdem die Solidarität innerhalb der Belegschaften, zwischen den Belegschaften, zwischen Belegschaften und Bevölkerung und zwischen Ost und West. Es entwickelt sich so ein kämpferisches Potential - das gewerkschaftliche Bewusstsein wächst auf breiter Front. Eine gute Voraussetzung, die Kämpfe höherzuentwickeln und mit der offensiven Forderung nach der 30-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich zu verbinden.

 

Von Daimler in Mettingen berichtet ein Korrespondent: „Der Schwerpunkt der Kurzgespräche ging um die Frage, ob die Forderung nach einer generellen Arbeitszeitverkürzung auf 30 Stunden bei vollem Lohnausgleich richtig ist, und ob jetzt der Kampf darum geführt werden muss. Die Erfahrung war, dass die Forderung sehr bekannt ist und viel Sympathie hat."

 

Die Forderung nach der 30-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich ist auch eine kollektive Forderung, statt dem von der IG-Metall-Spitze angestrebten individuellen Recht auf Teilzeit bzw. Arbeitszeitverkürzung. Diese soll zudem ohne vollen Lohnausgleich erfolgen und diesen auch nur befristet gewähren. Durch die gestiegene Produktivität gerade des Industrieproletariats ist der volle Lohnausgleich auch schon längst "bezahlt".

 Da bin ich auch dabei

Ein türkischer Kollege aus Schweinfurt

Aber auch weitergehende Gedanken machen sich viele Kolleginnen und Kollegen. So heißt es in einer Korrepondenz aus Schweinfurt: „Ein türkischer Kollege zeigte gleich stolz auf das Parteiemblem der MLPD, 'da bin ich auch dabei'. Überhaupt war oft die Frage des Sozialismus ein Thema in der Diskussion. Viele trauen dem Kapitalismus alle Schlechtigkeiten zu.“

 

Da haben sie zweifellos Recht. Deshalb sind die Warnstreiks und Kundgebungen auch eine wichtige Gelegenheit, für die Mitgliedschaft in MLPD und REBELL zu werben. Das neu erschienene Faltblatt dazu  ist eine gute Hilfe und kann längerfristig eingesetzt werden.

 

Das nächste Rote Fahne Magazin erscheint am 19. Januar mit einem Titelthema zu den laufenden Tarifrunden.