Bochum

Diskussionen bei thyssenkrupp: Was ist so ein Vertrag wert?

Die IG-Metall-Mitglieder bei thyssenkrupp Steel Europe sind gegenwärtig aufgerufen, über einen Tarifvertrag abzustimmen, durch den die Fusion mit dem Stahlbereich des indischen Tata-Konzerns "sozialverträglich" abgewickelt werden soll.

Korrespondenz aus Bochum

Das Mitglieder-Votum ist nach wie vor das Diskussionsthema unter den Kollegen. Bis zum 20. Januar kann man noch im Internet abstimmen – danach werden in den Betrieben Wahlurnen aufgestellt. Am 5. Februar soll das Ergebnis bekanntgegeben werden. 50 Prozent der abgegebenen Stimmen müssen für JA sein, damit der Tarifvertrag angenommen wird.


Die Kollegen diskutieren intensiv: wenn wir mit JA stimmen, haben wir wenigstens etwas. Aber auch: es ist und bleibt ein fauler Kompromiss und eine Beruhigungspille. Vor allem die Tatsache, dass damit der Arbeitsplatzabbau im Stahlbereich kein bisschen gestoppt wird, beschäftigt die Kollegen. Wo sollen unsere Kinder später mal arbeiten?

Erfahrungen früherer Kämpfe werden ausgewertet

Der Gedanke, dass wir mit einem konsequenten Kampf mehr erreichen können als diese Zugeständnisse, trifft auf Zustimmung. Aber es gibt auch Bedenken: würde die Mehrheit der Kollegen so einen Kampf mittragen? Wer organisiert ihn?

 

Denn gleichzeitig herrscht auch Ernüchterung über die IG-Metall-Führung und viele der führenden Betriebsräte: die machen einen Kuhhandel mit dem Vorstand – die wollen sich doch gar nicht mit denen anlegen! Die Erfahrungen der vergangenen Kämpfe werden bewusst ausgewertet und in die Diskussion eingebracht.

Was ist verantwortungslos?

So sagen viele ehemalige Outokumpu-Kollegen: Was ist so ein Vertrag denn wert? Wenn es dem Vorstand nicht mehr passt, wird halt neu verhandelt. Diesen Leuten kann man nicht glauben!

 

Die reformistischen Betriebsräte werden nicht müde, zu erklären: Wer gegen den Vertrag stimmt, ist verantwortungslos. Aber ist es nicht viel verantwortungsloser, wenn wir die Interessen der Arbeiter und ihrer Familien immer wieder den Gesetzen des Kapitalismus unterordnen?