Stahlfusion

„Mit Erpressern kannst Du nicht verhandeln!“

Im Stahlbereich wird aktuell bei tkSE eine Abstimmung unter den Gewerkschaftsmitgliedern über einen Tarifvertrag im Zusammenhang mit der geplanten Fusion mit dem indischen Konzern Tata durchgeführt. Dabei sind Inhalt und Methode dieses Tarifvertrags unter den Kolleginnen und Kollegen sehr umstritten. Aus Duisburg berichten Kollegen:

Von Korrespondenz aus Duisburg / ffz
„Mit Erpressern kannst Du nicht verhandeln!“
Kämpferische Stahlarbeiter auf der Straße - wie hier beim Stahlaktionstag 2017 in Bochum - sind für manche Betriebsräte offensichtlich nichts wert (rf-foto)

Heute ist für die Schicht 1 nach vier Tagen „Wochenende“ der erste Arbeitstag. Während unseres Wochenendes wurde die Online-Abstimmung zum „Tarifvertrag Fusion“ auf der Hütte begonnen. Auf der Schicht ist die Abstimmung natürlich Thema.

Das ist Erpressung

Kollegen von tkSE Duisburg

Von einigen Kollegen gibt es ein klares „Nein!“. Aber auch Kollegen, die sich nicht gleich deutlich positionieren, bringen ihren Unmut zum Ausdruck. Insbesondere die jüngeren Kollegen sind sich einig: „Das ist Erpressung!“ ...

Der Betriebsrat sieht es anders

Einer sah das später allerdings ganz anders – unser Betriebsrat, als er zu seiner Betriebsrats-Info bei uns vorbeischaute. Auf die Äußerung: "Eigentlich muss das abgelehnt werden“ fragte er zurück: „Dann streiken?“ Kollege: „Ja klar!“ Betriebsrat: „Die notwendige Zustimmung von 75 Prozent kriegt ihr nie hin! Wie wollt ihr das denn machen? Schaut euch doch nur die Beteiligung an den Aktionen wie in Bochum oder Andernach an!“

 

Die thyssenkrupp-Stahlwerke in Duisburg (foto: Arnoldius (CC BY-SA 3.0 nicht portiert))
Die thyssenkrupp-Stahlwerke in Duisburg (foto: Arnoldius (CC BY-SA 3.0 nicht portiert))

In Kürze

  • In der thyssenkrupp-Belegschaft brodelt die Stimmung um den Tarifvertrag zur Fusion
  • Co-Manager im Betriebsrat versuchen, die Zustimmung für "Ja" von den Kollegen zu bekommen
  • Zusammen mit der Tata-Belegschaft muss gekämpft werden

Einem Kollegen platzte der Kragen: „Ihr dreht euch das hin, wie ihr es gerade braucht – damals waren es hervorragende Aktionen; jetzt auf einmal ist es nichts mehr! Ihr da vorne an Tor 1 traut der Belegschaft nichts zu und schiebt dann eure Kapitulation noch uns in die Schuhe! So was brauchen wir nicht.“

 

Ein Teil der Kollegen folgt der Debatte schweigend. Überlegungen, unter Bauchschmerzen mit „JA“ zu stimmen, kommen heute nicht zur Sprache. Später in der Kaue meinte ein Kollege noch „Der hat mit seinem Auftritt ja noch einige 'NEIN-Stimmen' geklärt. Das Schlimme aber ist: Diese ewige Nörgelei über die Kollegen träufelt sich wie ein Gift schleichend in unsere Köpfe. Ich merk das ja bei mir selbst. Schweigen Kollegen in diesen Diskussionen, fang ich selbst schon an, misstrauisch zu werden. Dabei kenn ich doch fast jeden recht genau, kann einschätzen, wo er steht. Und wenn nicht – ich kann ja fragen, was er meint!“

Kollegen von tkSE Duisburg Hamborn/Beeckerwerth 4 schreiben in der Kollegenzeitung Stahlkocher:

Der Tarifvertrag beeinhaltet wichtige Zugeständnisse durch den Verzicht auf offene Massenentlassungen. Es geht darum, dass sich der thyssenkrupp-Konzern möglichst schnell von der Stahlproduktion verabschieden will. Das offen vor den Stahlarbeitern auszusprechen, trauen sie sich nicht.

Kampf dagegen ist unausweichlich

Der Kampf dagegen ist unausweichlich und würde durch die Zustimmung zu so einem faulen Kompromiss wesentlich erschwert. Wir sind es unserem Stolz unserer Tradition und unseren Kindern schuldig, keinen einzigen Arbeitsplatz kampflos aufzugeben! Überall wehren sich Belegschaften gegen Arbeitsplatzvernichtung und kämpfen für bessere Tarife. Gemeinsam mit ihnen und den Kollegen von Tata sind wir eine gewaltige Kraft!

Gemeinsame Aktionen vorbereiten

Auf keinen Fall dürfen Zugeständnisse in Deutschland dazu führen, dass jetzt im Ausland bei Tata schärfere Angriffe gefahren werden. Wir müssen feste Kontakte aufbauen und gemeinsame Aktionen vorbereiten!