Umweltkampf

Wir haben es satt – gemeinsam gegen die Umweltzerstörung

56 Milliarden Tiere werden jährlich für den globalen Fleischkonsum geschlachtet.

Von gb
Wir haben es satt – gemeinsam gegen die Umweltzerstörung
"Wir haben es satt" - die Demo anlässlich der Grünen Woche in Berlin im Jahr 2017 (rf-foto)

Auf 75 Prozent der weltweiten Ackerfläche wird heute Viehfutter angebaut – während alle fünf Sekunden auf der Welt ein Kind verhungert. Das Netzwerk Avaaz, welches vorwiegend im Internet agiert und von Kräften der Demokratischen Partei in den USA gegründet wurde, will dies durch eine Internet-Kampagne ändern.

 

Dazu schreibt Avaaz: „Es gibt 46 Millionen Avaazer rund um die Welt. Wenn jeder von uns beschließt, auch nur einen Tag in der Woche kein Fleisch zu essen, und dann Freunde, Prominente und viele Unternehmen zum Mitmachen bewegt, könnten wir den größten globalen Vorsatz aller Zeiten ins Leben rufen. … Zeigen wir, dass die Tage der Massentierhaltung gezählt sind, und fangen wir an, dieser Grausamkeit ein Ende zu bereiten.“

Nein zu Megaställen - dafür artgerechte Tierhaltung (foto: Wir habens satt)
Nein zu Megaställen - dafür artgerechte Tierhaltung (foto: Wir habens satt)

In Kürze

  • 56 Milliarden Tiere werden jährlich für den globalen Fleischkonsum geschlachtet.
  • Auf 75 Prozent der weltweiten Ackerfläche wird Viehfutter angebaut
  • Alle fünf Sekunden verhungert dennoch ein Kind auf der Welt

Die Aufforderung, weniger Fleisch zu essen, ist richtig. Dass aber durch individuellen Konsumverzicht die Welt vor der Klimakatastrophe gerettet und die Massentierhaltung abgeschafft werden kann, ist eine Illusion. Sie lenkt ab von den kapitalistischen Ursachen und das scheint auch ein zentraler Zweck des vom Multimilliardär George Soros gegründeten Avaaz zu sein.

 

Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion stehen heute vollständig unter dem Diktat des allein herrschenden internationalen Finanzkapitals. Sie sind Bestandteil einer großindustriellen Produktion durch internationale Übermonopole. „Auf der Basis der Ernährungsgewohnheiten im Kapitalismus und der kapitalistisch organisierten Landwirtschaft weitet sich der übermäßige Fleischkonsum immer mehr aus", schreibt Stefan Engel in seinem Buch „Katastrophenalarm! Was tun gegen die mutwillige Zerstörung der Einheit von Mensch und Natur?“.

Deformation der Ökosysteme

Der Fleischkonsum - wie er heute stattfindet - ist zu einem wichtigen Faktor der Deformation der Ökosysteme geworden und belastet zunehmend die Gesundheit der Menschen. Zur Produktion eines Kilogramms Fleisch muss etwa das Zehnfache an Kraftfutter aus pflanzlicher Produktion aufgewendet werden. Nahrungsmittel aus der Massentierhaltung in Ställen oder Aquakulturen tragen zu chronischen Entzündungen, Rheuma und Krebs bei, denn sie enthalten nur wenig Omega-3-Fettsäuren. Fleisch aus der Massentierhaltung ist zudem mit Antibiotika belastet. Das förderte wesentlich die Herausbildung gefährlicher Krankheitskeime, die gegen nahezu alle Antibiotika resistent sind.

 

Stefan Engel entwickelt in seinem Buch auch die revolutionäre Vision einer sozialistischen Landwirtschaft, die sich "als Teil eines weltweiten Systems der Produktion und Reproduktion der Naturstoffe verstehen (muss), das besonders für den Kohlenstoffkreislauf verantwortlich ist. Sie nutzt die Vorteile der Bewirtschaftung großflächiger Äcker, vermeidet aber Monokulturen und Massentierhaltung. Dann lassen sich hochwertige Lebensmittel in ausreichender Menge und Vielfalt erzeugen und gleichzeitig die Umwelt schützen.“

Diese Forderungen sind sinnvoll

Im aktuellen Rote Fahne Magazin 2/2018 wird dazu ausgeführt: "Im Interesse der Einheit von klein- und mittelbäuerlichen Erzeugern sowie der Masse der Verbraucher hält die MLPD folgende Forderungen gegenwärtig für sinnvoll:

  • Verbot des Einsatzes genmanipulierter Pflanzen und Tiere!
  • Kampf für ein EU-weites Verbot von Glyphosat!
  • Energische Durchsetzung umweltschonender Anbaumethoden und artgerechter Tierhaltung in der Landwirtschaft - gegen Großagrarier und Agrarkapitalisten! Aktiver Tierschutz!
  • Erhöhung der Erzeugerpreise für Klein- und Mittelbauern auf Kosten der Großagrarier, Handel- und Nahrungsmittelkonzerne! Erzeugerpreise rauf - Verbraucherpreise runter!
  • Anbindung der Tierhaltung an die Fläche; keine Förderung von Megaställen mit öffentlichen Geldern!
  • Strenge Kontrolle aller Lebensmittel und Pflicht zur Kennzeichnung ihrer Herkunft, Inhaltsstoffe und Produktionsbedingungen! Nur dann kann der Verbraucher vor allem bei Schweinefleisch und Geflügel bewusst entscheiden, was er kauft."

Gemeinsam gegen Umweltzerstörung kämpfen

Der Umweltprotest ist weltweit eine zentrale Massenbewegung geworden, für die MLPD ist er ihre zweitwichtigste Kampflinie - nach der Arbeit in den industriellen Großbetrieben als Hauptkampflinie. Auch dort sind MLPD-Mitglieder konsequente Umweltkämpfer. Sie vertreten die Einheit von sozialer und Umweltfrage.

 

Bei großen Demonstrationen gegen die Agrarindustrie wie am 20. Januar in Berlin kommt es entscheidend darauf an, gegen alle hauptsächlichen Formen der Umweltzerstörung gemeinsam den Kampf zu entwickeln und die kapitalistischen Verursacher ins Visier zu nehmen! Die Verbindung des kämpferischen Umweltprotestes mit der Arbeiterbewegung und dem Kampf für eine befreite Gesellschaft hat sich auch die Umweltplattform des Internationalistischen Bündnisses auf die Fahnen geschrieben.

Die Demonstration zur internationalen Agrarministerkonferenz „Der Agrarindustrie die Stirn bieten!“ startet mit dem Auftakt morgen, Samstag, 20. Januar 2018, 11 Uhr, Hauptbahnhof Berlin (Washingtonplatz). Abschluss wird am Brandenburger Tor sein.