Tarifkampf

Schon 930.000 Metaller bei Warnstreiks aktiv

Bis heute haben 930.000 Kolleginnen und Kollegen an den Warnstreikaktionen im Rahmen der laufenden Tarifrunde teilgenommen. Dazu erreichten Rote Fahne News verschiedene Korrespondenzen, die wir hier in Auszügen wiedergeben.

Korrespondenzen / ffz
Schon 930.000 Metaller bei Warnstreiks aktiv
2.000 Kolleginnen und Kollegen waren in München vor MTU im Warnstreik (rf-foto)

Aus Stuttgart wird berichtet: Geschätzte 2.500 Metallerinnen und Metaller von Bosch, Coperion, KBA, Mahle, Haushahn, Siemens und anderen waren zur Demonstration durch Feuerbach zur Kundgebung vor der IG-Metall-Bezirksleitung gekommen. Großer Beifall immer dann, wenn die Politik der Profitmaximierung der Konzerne und ihrer Verbände angegriffen wurde, weshalb – so IG-Metall-Sekretär Martin Röll – die 6 Prozent mehr Lohn eher eine Mindestforderung sei. Ohrenbetäubendes Gepfeife für die Personalkahlschlag-Pläne von Siemens bei gleichzeitiger Dividendenerhöhung für die Aktionäre. Azubis von Bosch hatten ein riesiges Tortenstück gemacht, um deutlich zu machen, dass sie als Arbeiter selbstbewusst Anspruch auf „ein größeres Stück des Kuchens erheben“.

Zeit für einheitliche Arbeitszeitverkürzung

In den Gesprächen auf dem Platz und beim Bier danach gab es viele Diskussionen, ob es wohl am Nachmittag bei der vierten Verhandlungsrunde in Böblingen zu einem Abschluss kommen würde. Einige Kollegen steckten sich deshalb die Buttons für die 30-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich von der Internationalen Automobilarbeiterkoordination an oder nahmen Aufkleber mit, weil es Zeit für eine einheitliche Arbeitszeitverkürzung auf Kosten der Profite ist.

 

Aus Düsseldorf  berichtet ein Korrespondent: Bereits die Nachtschicht des Düsseldorfer Sprinterwerks von Daimler hatte in der Nacht vom 23. auf den 24. Januar, ab 3.30 Uhr, die Arbeit niedergelegt und beteiligte sich mit 1.000 Kolleginnen und Kollegen an den tariflichen Warnstreiks der IG Metall. Am Morgen, ab 11 Uhr, streikte die Daimler-Frühschicht und vor dem Haupttor des Düsseldorfer Daimler-Werkes sammelten sich Kolleginnen und Kollegen von mindestens 15 weiteren Metallbetrieben aus dem Raum Düsseldorf, Neuss und Grevenbroich.

 

Es waren 2.000 Kolleginnen und Kollegen oder mehr, die mit einem eindrucksvollen Demonstrationszug zum Gebäude des Kapitalistenverbands Metall zogen, um ihre Forderungen deutlich zu machen und gegen das provokative "Angebot" der Metallkapitalisten zu protestieren.

Hohe Kampfbereitschaft

Die Erwartungen, jetzt endlich die volle gewerkschaftliche Kampfkraft einzusetzen, sind hoch. Die IG Metall konnte sich stärken. Alleine in den ersten beiden Wochen der Tarifauseinandersetzung konnte sie 1.500 neue Mitglieder aufnehmen. Mitdemonstriert haben Kolleginnen und Kollegen von Goodrich in Neuss, deren Werk geschlossen werden soll; von Siemens Düsseldorf, wo zwar nicht direkt vor Ort, aber in Mülheim Hunderte Arbeitsplätze vernichtet werden sollen; sowie von Schmolz + Bickenbach, deren Vertrauensleute gegen zunehmendes Out-Sourcing protestierten.

27 Metallbetriebe im Kreis Esslingen bestreikt

Eine Korrespondentin aus Nürtingen berichtet: Am 24. Januar fanden Warnstreiks in 27 Metallbetrieben im Kreis Esslingen statt. Etwa 500 Kolleginnen und Kollegen demonstrierten zur Kundgebung auf dem Nürtinger Schillerplatz. Autofahrer hupten begeistert und winkten im Vorbeifahren dem kämpferischen Zug. Einige Vertrauenskörper der großen Metallbetriebe waren mit ihren Schildern und Transparenten zu sehen. Es war spürbar, dass wir eine Macht durch unsere Zahl und Geschlossenheit sind.

 

Viel Beifall bekam der IG-Metall-Sekretär für die Forderung nach unbefristeter Übernahme der Azubis. Zum gewachsenen Selbstbewusstsein der Metaller passt allerdings nicht, dass der Redner meinte, ein "Einstieg" in die Tarifforderungen wäre schon ein Erfolg. Wie will man durch freiwilliges Zurückstecken einen Kampf gewinnen? Wir verteilten das Flugblatt der MLPD, in dem auch für die Mitgliedschaft in ihren Betriebsgruppen geworben wird.

Große Aufgeschlossenheit für MLPD

Aus Albstadt wird berichtet: Etwa 1.000 IG-Metaller aus verschiedensten Großbetrieben des IG-Metall-Bezirks Albstadt demonstrierten heute, verbunden mit Warnstreiks, lautstark. Bei der abschließenden Kundgebung ließen die Kollegen keinen Zweifel an ihrer Streikbereitschaft. Von den Rednern wurde allerdings sowohl auf ein Verhandlungsergebnis als auch auf einen Streik orientiert. Dieser wurde als nächste „Eskalationsstufe“ bezeichnet und damit die Begrifflichkeit der Kapitalistenverbände übernommen, anstatt die volle Kampfkraft in die Waagschale zu werfen. Ebenso wurde krampfhaft versucht, die offene politische Krise mit den Schwierigkeiten einer Regierungsbildung auszublenden. Es gab eine große Aufgeschlossenheit für den aktuellen Flyer der MLPD, den etwa ein Drittel der Kollegen mitnahmen. Viele kennen die MLPD, einzelne hörten auch zum ersten mal von uns. Die MLPD war als einzige Partei auf der Demonstration vertreten, wenn auch mit geringen Kräften.

 

Aus Mannheim erreichte Rote Fahne News folgendes: Nach Gewerkschaftsangaben nahmen rund 4.000 Metallerinnen und Metaller an der Kundgebung um fünf vor zwölf auf dem Marktplatz teil; insgesamt nahmen allerdings ca. 8.000 Kolleginnen und Kollegen vor den Betrieben teil, weil bereits am Vormittag dort Kundgebungen abgehalten wurden; in zwei großen Demo-Zügen ging es anschließend auf den Marktplatz. Eine kämpferische Atmosphäre herrschte auf dem Platz.

Warum kein Protest gegen Erdogans Aggression?

Aus München schreibt ein Korrespondent: Es beteiligten sich ca. 2.000 Metallerinnen und Metaller - darunter viele Jugendliche von MTU - in München, und empörten sich über das Angebot des Kapitalisten-Verbandes. Leider war zum Überfall der faschistische Erdogan-Regierung auf Efrîn - des kurdischen Kantons in Nordsyrien - nichts zu hören. Die örtliche IG-Metall-Führung vermeidet jegliche politische Äußerung.

4. Metall-Verhandlungsrunde gescheitert

Die Tarifparteien im Pilotbezirk Baden-Württemberg trennten sich gestern ohne Ergebnis. Dabei hatte die IG Metall dem Kapitalistenverband Südwestmetall "weitreichende Lösungsvorschläge zu den Arbeitszeit-Themen gemacht“. Entgegen dem Willen der Gewerkschaftsmitglieder wolle die IG Metall-Führung einer Ausdehnung der Arbeitszeit zustimmen. Kein fauler Kompromiss! Voller Einsatz der gewerkschaftlichen Kampfkraft!