Women's March

Frauenpower kontra Trump

Über eine Million Frauen und Männer gingen am 20. und 21. Januar 2018 beim zweiten "Women's March" der US-Geschichte auf die Straße.

Von geba / pi
Frauenpower kontra Trump
Teilnehmerinnen am Women's March im New Yorker Stadtteil Manhatten (foto: Rhododendrites (CC BY-Sa 4.0))

Genau ein Jahr nach dem ersten und passend zu Trumps einjährigem Amtsjubiläum, das wegen des „Shutdown“1 ohnehin ins Wasser fiel. In rund 250 Städten fanden auch dieses Jahr wieder Protestaktionen statt. 

Der Women's March in Portland, Oregon (foto: MB298 - Impeachment March cc BY-SA 2.0))
Der Women's March in Portland, Oregon (foto: MB298 - Impeachment March cc BY-SA 2.0))

In Kürze

  • Über eine Million Frauen und Männer erneut in den USA auf den Straßen
  • Women's March und #MeToo-Bewegung zeigen gewachsenes Frauenbewusstsein
  • 21 Frauen beschuldigen Donald Trump sexueller Übergriffe

Auf Plakaten standen Parolen wie "Kämpfe wie ein Mädchen", „Immer noch nicht mein Präsident“ oder „We the people“. Im Zentrum standen Forderungen für Frauenrechte und gegen die frauenfeindliche Politik Trumps.

Breites Spektrum von Anliegen

Die größte Demonstration fand in Los Angeles statt. Dort kamen rund 600.000 Menschen zusammen. In Chicago waren es bis zu 300.000, in New York 200.000, in San Diego 100.000, in Denver 80.000, in Seattle 50.000, in Knoxville 14 .000, in Cleveland 7.000, in Baltimore 5.000 und in Boston 4.000. Der Frauenprotest verband sich mit zahlreichen anderen Anliegen im Kampf gegen Trumps ultrareaktionäre und faschistoide Politik. Eine Kennerin der Entwicklung in den USA berichtet davon gegenüber Rote Fahne News:

 

In New York City spielten Forderungen für die Freiheit von Mumia Abu Jamal eine wichtige Rolle, denn demnächst wird verhandelt, ob sein Prozess neu aufgerollt wird. In den Städten verbanden sich Frauenforderungen mit antirassistischen Bewegungen wie "Black Lives Matter", der Friedensbewegung, Initiativen gegen Polizeiwillkür sowie der Bewegung für ein Aufenthaltsrecht von Kindern illegal eingereister Migranten („Dreamers“).

 

In Minneapolis sei die Forderung „Refugees are welcome here!“ selbstbewusst erhoben worden und in Denver wurden Forderungen nach dem Verbot von Fracking laut. In Seattle protestierten Frauen gegen die Morde an indigenen Frauen und ihr Verschwindenlassen. Losungen in Seattle waren: "Nein zu Trump", "Nein zu KKK"2, "Keine faschistische USA" bzw. "Wir brauchen keine Killer-Polizei", "Das ganze System ist Schuld".

Solidarität und gemeinsamer Protest über die USA hinaus

Auch in den Städten andere Länder gab es wieder Solidaritätskundgebungen, z.B. in Sydney, London, Genf und Paris, in Deutschland unter anderem in Berlin, Frankfurt am Main, München, Hamburg und Heidelberg.

 

In den bürgerlichen Medien wird stark betont, dass das diesjährige Motto der Frauenproteste in den USA "Power to the Polls" lautete. Damit werden Frauen aufgerufen, für öffentliche Ämter zu kandidieren - in der Hoffnung, dadurch mehr frauenpolitischen Einfluss zu nehmen. Auch die Forderung "Mehr Frauen in die Politik" orientiert vor allem auf Wahlen. 

Marsch durch die Institutionen?

Dies geht vor allem von Vertreterinnen der parlamentarischen Opposition von Hillary Clintons Demokratischer Partei aus. Würde sich die Frauenbewegung auf den mehrfach gescheiterten Irrweg des "Marschs durch die Institutionen" einlassen, wäre sie bald zahnlos und in das herrschende System mit seiner gesetzmäßigen doppelten Ausbeutung und Unterdrückung der Masse der Frauen "integriert".

 

Bei der Masse der Aktivistinnen und Aktivisten hat diese Orientierung nur begrenzt Einfluss. Viele von ihnen wissen: Der entscheidende Hebel, Änderungen im Sinne der Frauenbewegung durchzusetzen, sind gerade die Massenproteste und die wachsende Durchdringung der Frauenbewegung mit der Arbeiterbewegung, der Jugend- und Umweltbewegung, den Protesten für gleiche Rechte der schwarzen Bevölkerung und der Migrantinnen und Migranten usw.

 

Statt auf Parlamentssitze zu orientieren, gilt es auch in den USA, verstärkt die revolutionäre Perspektive des Kampfs um die Befreiung der Frau zu verankern. Dafür stehen jetzt schon zahlreiche Vertreterinnen kämpferischer Initiativen und revolutionärer Parteien, die aber - auch in den USA - deutlich stärker werden müssen. 

Proteste gegen Trump reißen nicht ab

Beim ersten „Women's March“ am 21. Januar 2017 hatten weltweit Frauen gegen Sexismus und Rassismus, für Frauenrechte und die Befreiung der Frau demonstriert – in insgesamt 673 Städten. In den USA beteiligten sich zwischen vier und fünf Millionen Frauen und Männer. Es war die seit den Protesten gegen den Vietnam-Krieg größte Manifestation in der Geschichte des Landes.

 

Der breite Frauenprotest ermutigte auch viele andere Bewegungen. Seitdem reißen die Proteste gegen Trump nicht ab. Am 8. März 2017 riefen amerikanische Aktivistinnen dazu auf, den Internationalen Frauentag als Streiktag zu begehen. Sie beriefen sich dabei ausdrücklich auf die erfolgreichen Kämpfe der Frauen in Polen und Lateinamerika, die ebenfalls mit Streiks verbunden waren. An manchen Orten der USA gibt es wöchentliche „Widerstandstage“ unter der Parole „Frauenrechte sind Menschenrechte“.

Auch für Trump wird es zunehmend eng

Unter dem Eindruck des gewachsenen Frauenbewusstseins entstand auch die #MeToo-Bewegung, die verstärkt Frauen aus kleinbürgerlichen Zwischenschichten wie insbesondere aus dem Medienbussiness umfasst. Mehrere Größen der Filmbranche, aber auch Abgeordnete des US-Kongresses mussten unter dem Druck von Missbrauchs- und Vergewaltigungsvorwürfen zurücktreten.

 

Inzwischen wird es auch persönlich eng für Trump: 21 Frauen beschuldigen ihn der Belästigung und ebenfalls der Vergewaltigung. Aktuell steht er in der Schusslinie wegen Zahlung von 130.000 Dollar "Schweigegeld" an eine Porno-Darstellerin.