Stuttgart

24-Stunden-Streik wird heiß ersehnt

Soviele Kolleginnen und Kollegen vor Daimler in Untertürkheim nahmen schon lange nicht mehr ein Flugblatt der MLPD. Manchmal standen die Arbeiter regelrecht dafür an.

Von wb

Offensichtlich stieß das Flugblatt Tarifrunde aktuell Nr. 4 - „Nicht die Zeit für faule Kompromisse“ - und die Ankündigung, dass am Freitag zum ersten Mal der 24-Stunden-Warnstreik durchgeführt werden soll, ins Schwarze bzw. ins rote Kämpferherz. „Wir sind dabei!“, „Warum erst am Freitag!“ waren oft gehörte Kommentare.

Fauler Kompromiss vorerst verhindert

Das breit erwachende gewerkschaftliche Bewusstsein war entscheidend dafür, dass es zum vorläufigen Abbruch der Verhandlungen im Pilotbezirk Baden-Württemberg kam. Südwest- und Gesamtmetall beklagen, dass die IG Metall-Verhandlungsführung „unerfüllbare Nachforderungen“ gestellt habe und den Einsatz von 24-Stunden-Warnstreiks favorisiere.

 

Dabei sah es zunächst nach einer Einigung zu einem faulen Kompromiss aus: dazu gehört das Einschwenken auf die Gegenforderungen der Unternehmer nach einer „Flexibilisierung nach oben“ - also Erhöhung der Arbeitszeit auf 40 Stunden für mehr Beschäftigte, nach einer Laufzeit von 27 Monaten und nach Ersetzung des Teil-Lohnausgleichs für die individuelle Arbeitszeitverkürzung durch eine Erhöhung des Urlaubsgeldes. 

Kritik an Beschränkung auf Warnstreiks

Möglicherweise hat die IG Metall-Führung aber auch der Mut für solche Zugeständnisse an die Kapitalistenverbände verlassen. Die Stuttgarter Zeitung  schreibt: „Ausgehend von den Hardlinern in den Betrieben hat sich dort wegen angeblicher Streikunfähigkeit Unmut breit gemacht – routinierte Warnstreiks erscheinen vielen untauglich geworden.“ Eine ungewollte Anerkennung der Kleinarbeit der MLPD für Gewerkschaften als Kampforganisationen!

Generalprobe für den Flächenstreik

Die Bedeutung der aktiven Beteiligung am Streik wird noch von vielen Arbeitern unterschätzt. So wenn sie darauf warten, zu den 24-Stunden-Warnstreiks aufgerufen zu werden. Der Tagesstreik muss aber mit breiter Beteiligung der Gewerkschaftsbasis durchgeführt werden, als Generalprobe für den Flächenstreik. Dazu gehört zum Beispiel das Aufstellen von Streikzelten und Streikposten, die Blockade von Toren und die gemeinsame aktive Gestaltung der gesamten Streikzeit.

 

Damit die Arbeiter in einem solchen Streik mehr als sonst über Freund und Feind, über die Rolle der Gerichte, der Medien oder die unterschiedlichen Parteien lernen, kommt es entscheidend darauf an, ihn bewusst als Schule des Klassenkampfs zu führen. Dafür haben die Betriebsgruppen der MLPD eine große Verantwortung. Sie zu stärken und Mitglied zu werden, ist deshalb gerade jetzt der wichtigste Schritt.