Türkei

Arbeitsniederlegungen im Tarifkampf

Einem gemeinsamen Aufruf der Gewerkschaften Türk Metal und Çelik İş folgend, haben am Montag zahlreiche Metallarbeiter in zwei Schichten jeweils eine halbe Stunde lang die Arbeit niedergelegt. In Demonstrationen riefen sie zum Kampf gegen Streikverbote auf.

Korrespondenz aus Essen

Im Bezirk Bursa ruhte die Arbeit branchenweit; Arbeiter von Tofaş stellten Fotos von den leeren Fabrikhallen in soziale Netzwerke ein. Die Belegschaft von Renault demonstrierte. Die Kollegen bei Ford stellten sich vor Tor 2 auf. Die Produktion wurde erst um 8.30 Uhr aufgenommen.

 

Im Werk Beylikdüzü/Istanbul von Arçelik war die Beteiligung am Kampf besonders groß; entsprechend begeisterte Stimmung herrschte dort. Es wurden Slogans gegen die dreijährige Tariflaufzeit und für das Recht auf die Abfindungen gerufen. Ähnliche Aktionen gab es in Izmir bei İzmir Demir Çelik, Ege Çelik oder Habaş. Dort gab es Kundgebungen vor den Gebäuden der Werksleitungen. Die Arbeiter bezeichneten die drei Kernforderungen - zweijährige Vertragslaufzeit, 30 Prozent mehr Lohn und Recht auf Abfindungen - als unverzichtbar.

 

Die von den Gewerkschaftsfunktionären angedeuteten „Kompromisslinien“ – z.B. Abstriche bei der Lohnforderung als „Gegenleistung“ für eine zweijährige Laufzeit oder „Entgegenkommen“ bis auf 20 Prozent – stößt bei den Arbeitern auf entschiedene Ablehnung.

 

Und sie warten auf grünes Licht für die Einrichtung der Komitees für Kampfmaßnahmen. Eine besseren Abschluss als die bisherigen werde es nur geben, wenn sie sich organisierten und sich aktiv in die Verhandlungen einschalteten. Über Aktionen wird auch aus der Provinz Hatay von den Kollegen von MMK Metalurji, einem Ableger eines Stahlkonzerns aus Magnitogorsk, berichtet.

Die Textilarbeitergewerkschaft Deriteks hat sich in einer Verlautbarung mit dem Kampf der Metallarbeiter solidarisch erklärt. Insbesondere der Kampf um das Streikrecht sei absolut notwendig und gerechtfertigt. Der Weltgewerkschaftsbund hat die Verhängung eines Streikverbots verurteilt und seine Unterstützung gegen Despotismus und Terrorismus zugesagt.