Solidarität weitet sich aus

„Efrîn ist nicht allein“

Unter diesem Motto haben sich nach Angaben der Nachrichtenagentur ANF gestern und heute Tausende Menschen aus verschiedenen Gebieten Nordsyriens sowie aus Şengal auf den Weg nach Efrîn gemacht. Die Konvois fahren über Kobanê und Minbic.

Korrespondenzen / gis
„Efrîn ist nicht allein“
Solidaritätsdemonstration am Samstag in Halle/Saale (rf-foto)

Zeitgleich hat heute in Efrîn selbst eine Demonstration Hunderttausender Menschen stattgefunden. Die kurdischen Volksverteidigungseinheiten YPG haben einen türkischen Panzer in der Region Efrîn gestoppt und mehrere türkische Soldaten getötet.

Zehntausende bei Solidaritätsdemonstrationen

In Deutschland und Frankreich demonstrierten unterdessen in den letzten Tagen Zehntausende Menschen gegen den völkerrechtswidrigen Überfall der türkischen Armee auf Rojava.

 

Aus Halle berichtet eine Korrespondentin: „350 Menschen demonstrierten kämpferisch am Samstag durch Halle. Es waren viele Familien und Frauen mit Kinderwagen in der Demonstration. ‚Es lebe der Widerstand in Afrin' war eine der meist gerufenen Parolen. Zuvor hatte die Polizei die Demonstranten schikaniert, indem sie jedes Transparent und jedes Schild, das sie tragen wollten, der Polizei einzeln zeigen mussten ... Bei der Kundgebung sprachen zehn Rednerinnen und Redner, darunter die Kreisvorsitzende der MLPD Halle, der Straßenbahnfahrer des Internationalistischen Bündnisses und ein Rebell-Vertreter. Alle Beiträge wurden mit viel Beifall und Dank bedacht."

 

Aus Bayern wird berichtet: "In mehreren bayrischen Städten wurde am Samstag gegen die Aggression der Türkei in Afrin demonstriert: in Nürnberg, Regensburg, Bamberg und Aschaffenburg gingen jeweils Hunderte auf die Straße. In München organisierte das Bündnis „Hände weg von Afrin“, an dem auch die MLPD beteiligt ist, eine kämpferische, lautstarke Demonstration mit mindestens 1500 Beteiligten. Das aktuelle Flugblatt mit der Erklärung des ZK der MLPD stieß auf großes Interesse. Ebenso die neue Ausgabe des Rote Fahne Magazins mit dem Themenschwerpunkt zu Rojava".

 

Bereits am Freitag gab es in Bremen eine große Demonstration. Aufgerufen hatte ein breites Bündnis linker Gruppen und Parteien sowie der kurdische Verein BIRATI. Ein Zug von mindestens 3000 Menschen zog durch die Innenstadt. Auffallend die vielen kämpferischen Parolen gegen das faschistische Erdogan-Regime und dessen Unterstützung durch die deutsche Regierung. Und auffallend auch die vielen YPG- und YPJ-Fahnen, gegen die von der Polizei nichts unternommen wurde. Ob hier ein Umdenken stattfindet? Jeder Mensch, der sich einigermaßen informiert, weiß, dass YPG und YPJ den Hauptanteil an der Zerschlagung des faschistischen IS haben. Und selbst manch konservativem Politiker sträuben sich die Haare, wenn gerade diese Kräfte in Deutschland kriminalisiert werden und das Zeigen ihrer Symbole verboten wird ...

 

Aus Stuttgart erreichte uns dieser Bericht: "Mit Parolen wie 'Deutsche Panzer raus aus Kurdistian' demonstrierten am Samstag ca. 5000 Menschen durch die Innenstadt. Sichtbar waren außer kurdischen und türkischen Fahnen auch Transparente der MLPD, der Linkspartei und von iranisch-kurdischen Organisationen. Unser neues Rote Fahne Magazin mit dem Titel „Stoppt den Angriffskrieg der Türkei gegen Rojava“ war so aktuell und begehrt, dass sie schnell ausverkauft war. Auch die Broschüre über „Die Herausbildung neuimperialistischer Länder“ und einige Parteiprogramme wechselten den Besitzer. Wichtig war uns dabei, dass wir das Internationalistische Bündnis stärken und die Demonstranten aufforderten, hier sich zu organisieren."

Heftige Polarisierung am tkSE-Tor

Vor dem Tor bei thyssenkrupp erlebt ein Rote Fahne-Verkäufer eine heftige Polarisierung unter den türkischstämmigen Kollegen: "'Stoppt den Angriffskrieg der Türkei gegen Rojava!' können die Kollegen schon aus einiger Entfernung lesen. Gleich zu Beginn bestürmt mich ein türkischstämmiger Kollege 'Wie kannst du das hier verkaufen?!? Du unterstützst Terroristen! Hör auf damit!' Er schiebt sich schnell durchs Drehtor, macht keinerlei Anstalten, überhaupt zu hören, was ich sage. Diese Szene wiederholt sich noch ein paar Mal. So häufig, wie ich es am Tor noch nicht erlebt habe und auch richtig heftig ... Selbst Kollegen, zu denen ich in den Jahren ein solidarisches bis freundschaftliches Verhältnis entwickelt habe, blieben wenn überhaupt nur kurz stehen ... Ein junger kurdischer Kollege, den die Farbgestaltung und dann der Titel angezogen hat, kauft heute, nach einigem Zögern das erste Mal ein Rote Fahne Magazin. Er redet nicht viel, sagt aber 'Hab bisher mit euch eigentlich nichts am Hut gehabt. Aber nur ihr steht gegen den Überfall und nur ihr seid gegen den thyssen-Betrug!' ...

 

Um die Einheit der Kollegen finden wichtige und heftige Auseinandersetzungen statt. Denn sowohl an der Frage des türkischen Überfalls auf Rojava wie auch im Zusammenhang mit der Abstimmung zum Fusionstarifvertrag wirken spalterische Elemente. Dabei geht es zum Teil wild durcheinander. Es muss geklärt werden, die Arbeiterklasse hat kein Vaterland! Sie muss sich gegen jeden imperialistischen Krieg stellen! Und bezogen auf thyssenkrupp: Egal, was bei der Abstimmung zum Fusionstarifvertrag rauskommt – wir müssen uns zusammenschließen für den Kampf um den Erhalt unserer Arbeitsplätze und für die Zukunft der Jugend!"

 

Rote Fahne News bedankt sich herzlich auch für die noch nicht veröffentlichten Berichte und Korrespondenzen. Wir werden die Berichterstattung fortsetzen.