Tarifkämpfe in der Türkei

Großer Sieg der Metallarbeiter

Seit Wochen liefen in der Türkei in der Metallbranche Tarifverhandlungen. Nun haben bereits die ersten größeren Kampfaktionen die Metallunternehmer gezwungen, die Segel zu streichen.

Korrespondenz

Die Arbeiter hatten klargemacht, dass sie bei drei Kernforderungen nicht nachgeben würden:

  • Vertragslaufzeit von zwei Jahren – der Metallunternehmerverband MESS hatte eine Mindestlaufzeit von drei Jahren zur „roten Linie“ erklärt;
  • mindestens 30 % mehr Lohn – MESS ging lange nicht über 3,2 % hinaus und verdoppelte sozusagen in letzter Minute großzügig auf 6,4 %;
  • Regelung der Betriebsalterszulagen.

 

Die Kampfentschlossenheit war so groß, dass die drei großen Gewerkschaftsverbände – neben der Türk Metal (Türk-İş) und der Birleşik Metal-İş (DİSK) auch die Çelik-İş (Hak-İş) – zum Streik aufgerufen hatten.

 

Die Kapitalisten haben nun bereits am 30.01. ihre Unterschrift u.a. unter folgende Vereinbarung gesetzt:

  • Die Vertragslaufzeit beträgt zwei Jahre.
  • Die Löhne werden im Durchschnitt um 24,7 % erhöht – davon 15,8 % als Einmalzahlung.
  • Betriebsalterszulagen erhalten alle Arbeiter, die vor dem 1. Januar 2017 eingestellt wurden. Die Zulage wird jährlich um 30 Türkische Lira (TL) erhöht bis zu einem Höchstbetrag von 450 TL für Kollegen mit 15 und mehr Jahren Betriebszugehörigkeit.
  • Bei Sozialzulagen wurden neue Posten geschaffen: eine Zuzahlung zur Krankenversicherung in Höhe von 480 TL, eine 8%ige Vorarbeiterzulage sowie drei Tage Sonderurlaub beim Tod von Schwiegervater oder -mutter.

Der Sieg der Metaller ist auch ein wichtiger politischer Sieg. Die faschistische Erdoğan-Regierung hatte die Streiks ja ausdrücklich für die Dauer von zwei Monaten verboten, weil sie angesichts des türksichen Überfalls auf Rojava in Nordsyrien „eine Gefährdung für die nationale Sicherheit“ darstellten.

 

Daraufhin hatten die Vorstände von Türk Metal und Çelik-İş zunächst erklärt, die Streikmaßnahmen zu verschieben; drangen damit aber bei den Arbeitern nicht durch. Interessantes und wichtiges Detail: Etliche Akademiker, Schriftsteller und andere Intellektuelle hatten den Arbeitern ihre Unterstützung als Streikposten angeboten.