Montagsdemo Gelsenkirchen

Wider die tendenziöse Berichterstattung der WAZ

Wie am Dienstag auf Rote Fahne News ausführlich berichtet, fand am Montag in Gelsenkirchen eine tolle, von internationaler Einheit und Solidarität getragene Demonstration gegen die Invasion des faschistischen Erdogan-Regimes in Efrîn statt. Die Westdeutsche Allgemeine Zeitung (WAZ) lieferte dazu eine einseitige und tendenziöse Berichterstattung.

Montagsdemo Gelsenkirchen / Monika Gärtner-Engel
Wider die tendenziöse Berichterstattung der WAZ
Bild von der Montagsdemonstration in Gelsenkirchen vom vergangenen Montag, 29. Januar (rf-foto)

Die Moderatoren der Gelsenkirchener Montagsdemonstration, Martina Reichmann und Thomas Kistermann erklärten dazu in einer aktuellen Pressemitteilung :  „Die Darstellung in der WAZ, dass hier von beiden Seiten Böller abgeschossen wurden, ist nicht korrekt. Es waren exakt zwei Böller; sie kamen eindeutig aus den Reihen der türkischen Rechten.

Kurdische Teilnehmerinnen und Teilnehmer verhielten sich diszipliniert

Die kurdischen Teilnehmerinnen und Teilnehmer verhielten sich trotz der Provokationen diszipliniert. Sie hielten sich auch an das Verbot der Polizei, keine Öcalan-Fahnen zu zeigen. Wir wehren uns gegen eine tendenziöse Berichterstattung, die einen anderen Eindruck erwecken soll. Hieß es in der Online-Ausgabe zuerst noch 'Angespannte Lage bei Montagsdemo', wurde die Überschrift geändert in 'Wasserwerfer, Böller und verletzte Polizisten: So lief die Kurden-Demo in Gelsenkirchen'. Außerdem wurde online ein Foto abgebildet, das nicht aus Gelsenkirchen stammt. Diese Demonstration war für uns ein großer Erfolg und bestärkt uns darin, weiter entschieden Position zu beziehen – Stoppt die türkische Invasion in Efrîn“

 

Rote Fahne News schließt sich dem Protest gegen diese tendenziöse und unsachliche Berichterstattung an und wird weiter berichten.

Monika Gärtner-Engel antwortet Herrn Gaux

Auch Herr Gaux von der WAZ gab dazu einen ignoranten antikommunistischen Kommentar ab. So schrieb er: "Diese Polizisten haben also auch für die Sicherheit der Menschen gesorgt, die jetzt zur Abrechnung ausholen. Ihre Kritik ist eine Unverschämtheit! Stärker als die Polizei sollte das Verhalten der Demo-Veranstalter in den Fokus gerückt werden. Die machen sich nach außen hin stark für die Interessen der Kurden. In Wahrheit läuft der Hase andersrum: Die Kurden werden missbraucht, um der Montagsdemo und ihren linksextremen Parolen wieder mehr Aufmerksamkeit zu verschaffen. Denn wie bringen die Herren am Mikrofon den Kurden Deutsch bei? Natürlich mit ihrem eigenen Schlachtruf: 'Hoch! die! internationale! Solidarität!' Viele brüllen mit - ohne es zu verstehen. Außerdem nehmen die Organisatoren in Kauf, dass ein Konflikt aus dem Nahen Osten hier ausgetragen wird - und dass es dabei Verletzte geben kann." Monika Gärtner-Engel antwortete postwendend mit einem Leserbrief:

 

"Au weia, da hat sich Herr Gaux aber grob antikommunistisch vergaloppiert - um nicht zu sagen: unverschämt! Unverschämt gegenüber der Montagsdemo, der es angeblich seit 2004 fast 700 Mal nicht um politische Inhalte, sondern um Instrumentalisierung geht; unverschämt gegenüber denen, die mit ihren Anliegen kommen, weil sie zu doof sind, die Instrumentalisierung zu durchschauen; unverschämt gegenüber den Kurden, die laut Herrn Gaux' fundierter Recherche 'Hoch die internationale Solidarität' rufen und keine Ahnung haben, wovon die Rede ist - und nicht zuletzt unverschämt gegen die zweisprachige (!) Moderation, die wesentlich zum kämpferischen und disziplinierten Verlauf beitrug.

 

Tja, das kommt davon, wenn man nicht auch mit den Demonstrantinnen, Demonstranten und Veranstaltern redet, sondern nur den Polizeibericht abschreibt. Leider konnte ich selbst gesundheitsbedingt nicht an dieser Montagsdemo teilnehmen. Was ich am Montagabend darüber hörte, war zwiespältig: große Freude über die gelungene Demonstration, Kopfschütteln über den Polizeiauftritt inklusive Wasserwerferpräsenz!

 

Seit 2004 bin ich Moderatorin der Montagsdemo - mit unendlich vielen brisanten Themen und aufgewühlten, oft hoch emotionalen Demonstranten: der Bogen spannt sich von Hartz IV über die Wohnsitzauflage; von der massenhaften Vernichtung von Arbeitsplätzen bei Stauffenberg bis Wellpappe; von der Solidarität gegen die Bombardierung Aleppos, mit Palästinensern, Kurden, Yesiden ...

 

Noch bei keiner einzigen Demo ist die Sache aus dem Ruder gelaufen. Immer gelang es, durch klare selbst aufgestellte Regeln, durch politisch bestens orientierte und verantwortungsbewusste Demonstranten, eine demokratische Streitkultur und ein funktionierendes Ordnersystem den politischen Aspekt im Zentrum zu halten - ebenso wie sachlich und sachdienlich mit den demokratisch eingestellten Gelsenkirchener Vor-Ort-Polizisten zu kommunizieren. Ärger und Konfrontation gab es eigentlich nur selten und allenfalls dann, wenn überörtliche Polizei im Spiel war.

 

Nun schäumt Herr Gaux, weil man wagt, den überzogenen und sicher immens teuren Polizeieinsatz zu kritisieren. Wieso schäumt er nicht über die deutschen Panzer im völkerrechtswidrigen Angriffskrieg Erdogans, über die Explosion der Waffenexporte unter der GroKo, die wachsweichen Kommentare der Bundesregierung? Die in Efrîn getöteten Zivilisten?

 

Wieso wirft er nicht wenigstens ganz leise die Frage auf, wieso plötzlich auch YPG-Fahnen verboten sein sollen - also die Fahne der Kräfte, die anerkanntermaßen am mutigsten, aufopferungsvollsten und erfolgreichsten den IS bekämpft und selbst demokratische Strukturen in Rojava (Nordsyrien) aufgebaut haben? Aber nein, Befehl ist Befehl und damit basta.

 

Fazit: Glückwunsch zur Demo und bitte mehr Freude an und Respekt gegenüber engagierten Gelsenkirchener Demonstrantinnen und Demonstranten!

 

Monika Gärtner-Engel, Moderatorin der Gelsenkirchener Montagsdemo seit 2004, Stadtverordnete für AUF sowie bekanntlich MLPD-Mitglied"