Arbeitszeitverkürzung

Arbeitszeitverkürzung

Wissenschaftler für Arbeitszeitverkürzung mit vollem Lohnausgleich

Mindestens eine halbe Million Metallerinnen und Metaller haben in den letzten drei Tagen in ca. 280 Betrieben ganztägig für die Forderungen der IG Metall in der laufenden Tarifrunde gestreikt.

Von gis
Wissenschaftler für Arbeitszeitverkürzung mit vollem Lohnausgleich
Streikversammlung von Kollegen bei BMW in München am 2. Februar 2018 (rf-foto)

Mit dem Einsatz der vollen gewerkschaftlichen Kampfkraft für 6 Prozent mehr Lohn, Verkürzung der wöchentlichen Arbeitszeit und gegen die Spaltung in Ost und West bei Arbeitszeiten und Löhnen würde die neue Große Koalition angemessen begrüßt. Sie soll ja, wenn es nach dem Willen der Kapitalistenverbände geht, das Renteneintrittsalter auf 70 erhöhen sowie mit einem neuen Arbeitsgesetz die Arbeitszeiten weiter flexibilisieren und Arbeitsbedingungen deregulieren.

"Ich will auch noch Mensch sein!"

"Bei uns ist es ein richtiges Wechselbad", so ein Audi-Kollege. "Die eine Linie wird nachhause geschickt, an der anderen arbeitet man komplett alle Samstage durch. Nach so einer 6-Tage-Woche bist du gerädert. Da machst du am Sonntag kaum noch was. Der Mensch bleibt auf der Strecke. Ich will auch noch Mensch sein."

 

Zynisch lästern Kapitalisten von Gesamtmetall über die Forderung der IG Metall nach einer befristeten individuellen Arbeitszeitverkürzung, sie sei eine "Stilllegeprämie". Jörg Hofmann von der rechten Gewerkschaftsführung erklärte dienstbeflissen, man fordere ja keine kollektive Arbeitszeitverkürzung. Gerade die wäre aber längst notwendig im Kampf gegen die Arbeitsplatzvernichtung, steigende Ausbeutung und Flexibilisierung.

Beitrag zur "Entlastung des Arbeitsmarkts"

Die Frankfurter Rundschau veröffentlichte vorgestern einen Aufruf von Wissenschaftlern, Kulturschaffenden und Gewerkschaftern, der sich für Arbeitszeitverkürzung mit vollem Lohnausgleich ausspricht. Der Vorstoß der IG Metall sei nicht nur aus Gründen der Vereinbarkeit von Beruf und Familie vernünftig, heißt es in dem Papier. "Sie kann auch zur Entlastung des Arbeitsmarktes beitragen." Zu den Unterzeichnern gehören u.a. der Soziologe Oskar Negt, der Politikwissenschaftler Christoph Butterwegge und der Liedermacher Konstantin Wecker.



"Endlich", so der Aufruf, "macht die IG Metall nach über 30 Jahren auch die Arbeitszeitverkürzung zum Gegenstand von Tarifverhandlungen. Sie fordert neben 6% Lohnerhöhung auch die Regelung einer befristeten Arbeitszeitverkürzung auf 28 Stunden pro Woche mit teilweisem Lohnausgleich für Kinderbetreuung, Pflege und durch Schichtarbeit besonders belastete Beschäftigte ... Nach offiziellen Angaben sind über 2.5 Millionen Menschen in Deutschland immer noch arbeitslos. Bei einer seriösen Berechnung leiden jedoch mehr als doppelt so viele unter Arbeitslosigkeit. Hinzu kommt, dass 2017 kurioserweise ca. 1.9 Milliarden Überstunden geleistet wurden, davon 0.9 Milliarden ohne Bezahlung. Angesichts forcierter Digitalisierung und Produktivitätssteigerung droht eine neue Welle von Massenentlassungen. Insofern ist eine flächendeckende und dauerhafte Verkürzung der Regelarbeitszeit eine sozial- wie arbeitsmarktpolitische Maßnahme ersten Ranges."

Forderung müsse ergänzt werden

"Diese Forderung muss allerdings um zwei wichtige Elemente ergänzt werden: Zum einen muss jede Arbeitszeitverkürzung an einen entsprechenden Personalausgleich gekoppelt werden ... Zum anderen muss jede Arbeitszeitverkürzung mit vollem Lohnausgleich verbunden werden. Den Unternehmen mangelt es nicht an Geld, sie schwimmen sogar im Geld ... Eine Million Leiharbeiterinnen und Leiharbeiter, auch in Branchen, die angeblich unter Fachkräftemangel leiden, widerlegen dieses Argument von Unternehmerseite. Bei einem wirklichen Fachkräftemangel müssten alle diese unter Diskriminierung, ungerechten Löhnen und Unsicherheit leidenden Menschen eigentlich sofort in Normalarbeitsverhältnisse übernommen werden."

68 Prozent wollen kürzer arbeiten

68 Prozent der 680.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer einer Umfrage der IG Metall wollen eine Arbeitszeit von 35 Stunden oder kürzer. Mit der 30-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich könnten rechnerisch acht Millionen Arbeitsplätze erhalten oder geschaffen werden. Sie ist längst durch die Arbeiterinnen und Arbeiter finanziert. So stieg die Produktivität in der Metallindustrie in den letzten 25 Jahren um 33 Prozent. Der Kampf darum einigt Arbeiter und Arbeitslose, Arbeiterinnen und Arbeiter in Ost und West und bezieht die Arbeiterfamilien ein.

Keine "Flexibilisierung nach oben"

Für einen Neustart der Verhandlungen am morgigen Montag fordert Gesamtmetall von der IG Metall, sich auf den Deal einzulassen: Individuelle Arbeitszeitverkürzung für die einen gibt es nur, wenn andere nach "betrieblicher Notwendigkeit" länger arbeiten. Dazu kann es nur ein klares Nein geben!

 

"Je erfolgreicher das Kapital in der Verlängerung des Arbeitstags ist", schrieb Karl Marx in "Lohn, Preis und Profit", "desto größer ist die Menge fremder Arbeit, die es sich aneignen wird."  Zum Kampf um Arbeitszeitverkürzung stellt er fest: " ... (damit) erfüllen die Arbeiter bloß eine Pflicht gegen sich selbst und ihren Nachwuchs. Sie weisen bloß das Kapital mit seinen tyrannischen Übergriffen in seine Schranken zurück. Zeit ist der Raum zu menschlicher Entwicklung. Ein Mensch, der nicht über freie Zeit verfügt, dessen ganze Lebenszeit ... von seiner Arbeit für den Kapitalisten verschlungen wird, ist weniger als ein Lasttier". (MEW Band 16, Seite 143/144).

Abschaffung der Ausbeutung des Menschen durch den Menschen

In ihren Kämpfen hat die internationale Arbeiterklasse einiges erreicht. Um in voller Menschenwürde zu leben und nicht mehr im täglichen Kleinkrieg mühsam die erkämpften Errungenschaften verteidigen zu müssen, braucht es die Gesellschaftsordnung des echten Sozialismus. Dafür tritt die MLPD ein.