Kinderarmut

Armut von Familien wird durch die OECD schöngerechnet

Eine aktuelle Studie der Bertelsmann Stiftung kommt zu dem Ergebnis, dass die bisherigen Resultate der Armutsforschung der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in Deutschland schöngerechnet sind und kritisiert deren Berechnungsgrundlage.

Von gc
Armut von Familien wird durch die OECD schöngerechnet
Kinder und Jugendliche verkörpern die Zukunft - der Kapitalismus hat wenig für sie übrig

Forscher der Ruhr-Universität Bochum analysierten im Auftrag der Bertelsmann Stiftung die Entwicklung von Armut in Deutschland seit Anfang der 1990er Jahre. Die Studie kommt zum Ergebnis, dass 68 Prozent der Alleinerziehenden in Deutschland im Jahr 2015 armutsgefährdet waren. Nach der herkömmlichen OECD-Methodik lag die Quote bei lediglich 46 Prozent.

Kinderarmut in allen Altersgruppen höher

Die Kinderarmut liegt über alle Altersgruppen hinweg in Deutschland 3 Prozent höher als von der OECD bisher berechnet. Diese berechnet die finanziellen Bedürfnisse für Kinder unter 14 Jahren pauschal mit dem Faktor 0,3 im Vergleich zu Erwachsenen, für Kinder über 14 Jahren mit dem Faktor 0,5. Solche starren Skalen seien laut den Autoren jedoch nicht angemessen. Die Bochumer Wissenschaftler arbeiteten daher mit Skalen, die zusätzlich das Einkommen der Familien berücksichtigen. Denn: Je geringer das Einkommen, desto schwerer falle die Belastung durch jedes weitere Haushaltsmitglied ins Gewicht. In reicheren Familien, die u. a. über genügend Wohnraum verfügen, führen mehrere Kinder nicht dazu, dass die Familie an den Rand des Existenzminimums gerät.

 

Nach der neuen Berechnungsmethode unterliegen vor allem Familien mit vielen Kindern und Alleinerziehende einem erhöhten Armutsrisiko. Demnach seien 13 Prozent der Paare mit einem Kind, 16 Prozent Eltern mit zwei Kindern und 18 Prozent mit drei Kindern armutsgefährdet.

Kindergelderhöhungen bringen kaum etwas

Der Abstand zwischen armen und reichen Familien ist gewachsen. Das Niveau halten oder verbessern konnten Familien nur, wenn der Arbeitsumfang der Eltern erhöht wurde. Dies geschieht im Vergleich zu den frühen 1990er Jahren hauptsächlich dadurch, dass mehr Frauen arbeiten. Dafür ist dringend der weitere Ausbau der Kindertagesbetreuung erforderlich. Im Koalitionsvertrag der neuen GroKo werden 25 Euro pro Kind und Monat versprochen - ein Tropfen auf einen heißen Stein.

Berechnungsgrundlage der OECD systematisch nach unten korrigiert

Seit 1994 und dann nochmals 2008 wurde die Berechnungsgrundlage der OECD-Studien systematisch nach unten korrigiert. Das verwundert nicht, ist doch die OECD ein Zusammenschluss führender westlicher Imperialistischer Staaten. Ihr Motto „Bessere Politik für ein besseres Leben“ heuchelt genauso wie ihre Armutsberichte das Interesse an einer Beseitigung der Armut und dient der Verbreitung von Illusionen in eine angeblich soziale Politik.

Geld ist im Überfluss vorhanden

Das Internationalistischen Bündnis schreibt: „Dabei krankt unsere  Welt  nicht  an  Mangel, sondern an Überfluss an Kapital. Aber aus Sicht der unersättlichen internationalen Monopole ist das  einzige  Problem, es maximalprofitbringend anzulegen. Das stachelt den weltweiten imperialistischen  Konkurrenzkampf immer mehr an. Gleichzeitig fehlt es Milliarden Menschen am Nötigsten zum Leben."

 

Seit Beginn des Jahres starteten verschiedene Wohlfahrtsorganisationen Appelle an die Regierung und die Verhandlungsführer der geplanten Großen Koalition. So kritisierte der Paritätische Wohlfahrtsverband die Konzepte der sogenannte "Grundrente" in der Koalition als „dreisten Etikettenschwindel". Die Nationale Armutskonferenz schreibt an Angela Merkel: "Die extreme Ungleichheit ist keine Naturgewalt. Sie ist die Folge einer Politik, die vor allem Konzernen und den Superreichen zugutekommt. Um extreme soziale Ungleichheit zu reduzieren, müssen wir diese Politik ändern.“

Um uns selber müssen wir uns selber kümmern

Tatsächlich deckt der Anstieg der Grundsicherung für Kinder und Jugendliche um 1,4 Prozent seit Beginn des Jahres 2018 noch nicht einmal die aktuelle Durchschnittspreissteigerung von 1,8 Prozent. Weder mit einer neuen GroKo noch mit einer anderen Regierung, die die Geschäfte der Monopole führt, wird sich das Blatt für die Massen zum Besseren wenden. Das Nationaleinkommen wird nicht zugunsten der Massen umverteilt werden.

 

Wie der Kapitalismus mit der Jugend umgeht, stellt ihm ein vollkommenes Armutszeugnis aus. Die MLPD wird als revolutionäre Arbeiterpartei auch 2018 wieder an der Seite der um ihre sozialen Rechte kämpfenden Massen stehen. Für eine gesellschaftliche Perspektive muss die wachsende Kapitalismus-Kritik in eine wachsende Zuwendung zum echten Sozialismus übergehen.