Efrîn-Solidarität

Gelsenkirchen: Was hinter den Kulissen geschah ...

Folgenden Leserbrief an die Regionalredaktion Gelsenkirchen der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (WAZ) hat Christiane Link von der Demonstrationsleitung der Gelsenkirchener Montagsdemonstration verfasst.

Von Christiane Link
Gelsenkirchen: Was hinter den Kulissen geschah ...
Die Demonstration verlief seitens der Demoteilnehmer ruhig und diszipliniert (rf-foto)

Sie geht damit auf die verzerrende Berichterstattung der Zeitung ein (siehe Rote Fahne News)

"Nette" Begrüßung durch die Polizei

Als Mitglied der Demonstrationsleitung bei der Demonstration „Sofortiger Stopp des Angriffs der türkischen Regierung auf Afrin – Hoch die internationale Solidarität!“ am 29.01.2018 hatte ich persönlich das Vergnügen mit der Polizeiführung vor Ort. Sie war keinesfalls so harmlos, wie Herr Torsten Sziesze, Polizeisprecher, das in der WAZ erscheinen lässt. Zunächst meldete sich eine nette Polizistin als Kontaktperson – alles war gut. Doch dann erschien der Einsatzleiter, der sich namentlich nicht vorstellte mit den Worten: „Damit sie es gleich wissen, wir werden heute eine Grenze ziehen, unsere Geduld ist am Ende. Hier werden keine Öcalan-Fahnen getragen und wenn sich Teilnehmer nicht daran halten, dann sind Sie verpflichtet, diese Teilnehmer zu entfernen. Dabei helfen wir Ihnen dann gerne. Wenn Sie das nicht gewährleisten, dann werden wir die Demonstration auflösen und Sie erhalten eine Anzeige.“ Nette Begrüßung – oder?

Ständig neue Auflagen durch die Polizei

Wie das Bild in der WAZ bestätigt, wurde dieses Verbot von den Teilnehmern beachtet. Wir haben dagegen protestiert, was unser gutes Recht ist. Öcalan wird in der Türkei seit 20 Jahren gefangen gehalten. Obwohl die Auflage eingehalten wurde, ließ uns die Polizei aber nicht marschieren. Ständig wurden neue Auflagen hinterher geschoben. Plötzlich wurde verlangt, dass die Teilnehmer ihre Fahnen mit dem Zeichen der YPG, der kurdischen Befreiungsorganisationen in Nordsyrien herunternehmen sollen. Die Polizei behauptete, dass aus den vorderen Reihen PKK-Losungen gerufen worden seien und deshalb auch diese Fahnen weg müssen. In Wahrheit riefen aber die Teilnehmer: „Biji Berxwedan Efrîn“! "Es lebe der Widerstand von Efrîn.“ Gutwillig könnte man sagen, dass die Polizei kein kurdisch versteht – nur kann sie dann auch keine Behauptungen aufstellen. Den Kurden wurden die Fahnen verweigert, mit denen sie ihren Protest und ihre Identität mit dem kurdischen Befreiungskampf hätten ausdrücken können. Das war eine Provokation – und der Polizei war das vollkommen klar.

 

Dass das nicht zur Eskalation führte, war der guten Führung der Montagsdemonstration und der Besonnenheit der kurdischen Organisationen und Teilnehmer zu verdanken – und nicht der Polizei. Ständig kamen neue Auflagen. Die Demonstration wurde um zwei Drittel gekürzt: „Entweder sie machen das so, oder wir lösen die Demonstration auf...“. So ging das ständig, immer wieder wurde die Demonstration aufgehalten und damit die Leute provoziert. Es war offensichtliches Ziel einen Anlass zu finden, die Demonstration zu verbieten. Eine derartige Schikane habe ich noch nie auf einer Demonstration erlebt. Das ist auch nicht der Stil der Gelsenkirchener Polizei – sondern das kam weit von oben und ist im Moment bundesweite Polizeitaktik. Dass die WAZ einfach dem Polizeibericht folgt und nicht ein Wort mit den Veranstaltern und der Demonstrationsleitung spricht, dann ist das weit entfernt von demokratischer und seriöser Berichterstattung.

Herrn Gaux Behauptungen sind lächerlich

Wenn Herr Gaux behauptet, die Veranstalter hätten die Kurden vereinnahmt, indem sie mit ihnen deutsche und übrigens auch kurdische Parolen einübten, dann ist das einfach unglaublich lächerlich. Es ging hier darum, voneinander zu lernen, einen gegenseitigen Internationalismus zu praktizieren und sich an die deutsche Bevölkerung zu wenden, die eben deutsch versteht und nicht kurdisch. Ich versichere: Während die Polizei keinen Brocken kurdisch verstand, verstanden die Kurden sehr wohl: „Hoch die internationale Solidarität“. Denn sie sind sehr viel eifriger im Deutsch lernen, als Herr Gaux ihnen das von seinem hohen Ross aus zutraut.

Mit protestierenden Grüßen

Christiane Link, Demonstrationsleitung