Duisburg

Rote-Fahne-Korrespondenten sprachen mit Stahlarbeitern

In der Belegschaft in Duisburg wird das Ergebnis kontrovers diskutiert.

Korrespondenz aus Duisburg

„Ich hab nicht abgestimmt. Ist doch egal, was dabei rauskommt. Die machen sowieso, was sie wollen! Wenn es nicht läuft, interessiert die doch kein Vertrag, das haben wir doch schon oft genug sehen können! Ansonsten wird es weiter heißen 'Rabotti, der Auftrag muss raus!'“

 

„Endlich ist das Theater vorbei. Hatte allerdings nicht gedacht, dass es so klar ausgeht. Wir können also zufrieden sein. Ich komm so bis zur Rente durch. Viele andere Kollegen auch. Was dann übrig bleibt, muss für die Jungen reichen.“

 

„Wir bei Mill Service und Systems wollten, dass wir endlich gleich behandelt und in den Stahl Tarif kommen. Jetzt werden wir zwar in das Joint Venture überführt, bleiben aber immer noch eine Tochter und werden nach den stahlwerksnahen Dienstleistungen bezahlt. Das ist eine Riesen Sauerei. Die richtigen Kritiken daran, wurden von unserem Betriebsrat unterdrückt.“

 

„Es war gut, dass wir überhaupt gefragt wurden. Pannen in der Wahllokalorganisation hatten zur Folge, dass ich meine Stimme gar nicht abgeben konnte. Da muss noch dazu gelernt werden.“

In diesem Klärungs- und Verarbeitungsprozess spielte die MLPD eine wichtige Rolle. Auch unter den geänderten Bedingungen darf sich die Arbeiterklasse nicht „für den deutschen Stahl“ einspannen lassen, muss selbst aktiv zu werden, um die notwendige Kampfeinheit über Ländergrenzen hinweg aufzubauen.

 

Das hat eine wachsende Zahl von Kollegen überzeugt und das drückt sich ein Stück weit auch in der Ablehnung des Tarifvertrags aus. Dazu gehört auch das Fertigwerden mit spalterischen antikommunistischen Angriffen und Ausfällen einiger rechter Betriebsräte. Das ging soweit, dass in Ermangelung von Argumenten gegen Kritiker des Tarifvertrags die 'Stalinismuskeule' hervorgeholt wurde, die ja „immer gegen alles“ seien.

 

Der Landesvorsitzende der MLPD in NRW, Peter Römmele, ist selbst Stahlarbeiter bei ThyssenKrupp in Duisburg. Er sagt: "Die MLPD und unsere Betriebsgruppen in den Stahlbetrieben haben empfohlen, mit Nein zu stimmen. Die Hoffnung auf die Gutachten zur Wirtschaftlichkeit und die Mitbestimmung im Aufsichtsrat sind eine Illusion.  Das Ergebnis der Abstimmung ist aber umgekehrt eine verbesserte  Ausgangsbasis für grundsätzliche Auseinandersetzungen.

 

Denn unter der Diktatur der Monopole sind solche Verträge nur eine trügerische "Sicherheit" für die Arbeiter. Bis zu 13 Prozent der Arbeiter haben sich von der Logik frei gemacht, dass 'mehr nicht drin war'. Der Konzern wertet diese Abstimmung jetzt als Freibrief für seine Fusionspläne. Diesen Freibrief haben ihm die Arbeiter nicht ausgestellt. Es geht also in eine neue Runde."