Metall-Tarifrunde

Verhandlungsergebnis genauer betrachtet

„Ich hab die Pressemitteilung der IG Metall zweimal gelesen und die Verhandlungsergebnisse immer noch nicht verstanden ...“, so ein Kollege. Und er steht nicht alleine. Die wichtigsten Verhandlungsergebnisse der Metalltarifrunde in Baden-Württemberg sind:

von Gerd Pfisterer

* 4,3% Erhöhung des Entgelts und der Ausbildungsvergütung bei einer Laufzeit von 27 Monate sind das gerade mal 1,9% jährlich. Zuzüglich gibt es eine Einmalzahlung von 100 Euro von Januar bis März (70 Euro für die Auszubildenden).

 

* Ab Juli 2019 gibt es jährlich ein „tarifliches Zusatzgeld“ bestehend aus 27,54% des individuellen Monatsentgelts sowie einem Festbetrag von 400 Euro (200 Euro für Azubis), der ab 2020 „tarifdynamisch“ festgeschrieben werden soll. Das Festgeld von 400 Euro kann aus „wirtschaftlichen Gründen“ 2019 und in den Folgejahren „verschoben, reduziert oder gestrichen“ werden. Das ist nichts anderes als eine dauerhafte Öffnungsklausel im Tarifvertrag!

 

* Der Anspruch auf die 28-Stunden-Woche ist mit massiven Einschränkungen verbunden: Wird von mehr als 10% der Belegschaft davon Gebrauch gemacht, entfällt der allgemeine Anspruch, ebenso aus „sonstigen betrieblichen Gründen“ wie „Verlust der Schlüsselqualifikationen“.

 

* Die Unternehmen erhalten die Möglichkeit, die Zahl der Beschäftigten, die 40-Stunden in der Woche arbeiten, durch Betriebsvereinbarungen auszuweiten – bis zu 30% der Beschäftigten bei „Fachkräftemangel“ und sogar 50% in Technologiebetrieben.

 

* Beschäftigte, die Kinder oder Pflegebedürftige betreuen, und Schichtarbeiter können die 27,54% des „Tariflichen Zusatzgeldes“ in acht zusätzliche Urlaubstage umwandeln – damit finanzieren sie sechs selbst, zwei die Unternehmer. Azubis erhalten zusätzlich einen zweiten freien Tag zur Prüfungsvorbereitung.

 

* Das Verhandlungsergebnis verliert kein Wort zur Angleichung der Arbeitsbedingungen in Ostdeutschland. Stattdessen empfehlen der IG-Metall-Vorstand und Gesamtmetall den Tarifparteien in den ostdeutschen Bundesländern lediglich, unmittelbar nach dem Tarifabschluss „Gespräche über den Prozess der Angleichung der Arbeitsbedingungen zu führen“.

 

Genug Gründe, das Verhandlungsergebnis abzulehnen und den Kampf fortzuführen, die Einleitung einer Urabstimmung zu fordern.