Efrîn-Solidarität

Efrîn-Solidarität

Mehrere Zehntausend Menschen begehen Newroz in Hannover

Mehrere Zehntausend Menschen beteiligten sich an den heutigen zentralen Feierlichkeiten zum Newroz-Fest, dem kurdischen Neujahr, in Hannover.

Von kl / ffz
Mehrere Zehntausend Menschen begehen Newroz in Hannover
Die MLPD inmitten der Demonstranten (rf-foto)

Die Stimmung war kämpferisch und das Fest stand ganz im Zeichen des gemeinsamen Kampfs gegen den faschistischen Angriffskrieg der Türkei auf Efrîn (Nordsyrien).

 

Ein breites Spektrum von Kräften beteiligte sich an den beiden Demonstrationszügen, darunter das Internationalistische Bündnis mit seinen verschiedenen Mitgliedsorganisationen, Migrantenorganisationen wie NAV-DEM, ATIK und Partizan, Kampagne TATORT Kurdistan, MLPD, REBELL, ROTFÜCHSE, die syrisch-kurdische PYD, die Linkspartei sowie viele Einzelpersonen.

Wut und Trauer über türkisches Kriegsverbrechen

Bei den Demonstrationen richteten sich viele Parolen gegen den völkerrechtswidrigen Angriff der Türkei. Redebeiträge am offenen Mikrofon der MLPD betonten die Berechtigung des kurdischen Freiheitskampfs in Efrîn - aber auch, dass der türkische Angriff die allgemeine Kriegsgefahr verschärft und deshalb eine Herausforderung sowohl an den Friedenskampf, die internationale Solidarität als auch den antiimperialistischen Kampf ist.

 

Empört und wütend waren die Rednerinnen und Redner über die Bombardierung des zentralen Krankenhauses in der Stadt Efrîn mit mindestens 16 Toten. „Erdogan ist ein Mörder und Kriegsverbrecher“, „Es lebe der Widerstand von Efrîn“ und „Hoch die internationale Solidarität“ - waren Parolen, die gerufen wurden. Von verschiedenen Rednern wurde aber auch die Bedeutung der internationalen Arbeiterinheit betont.

Großes Interesse an revolutionärer Literatur

Das Programm der MLPD und die Broschüre über die neuimperialistischen Länder fanden reißendes Interesse. Antikommunistische Ausgrenzung gab es nur vereinzelt von Vertretern der Interventionistischen Linken.

 

Die Demonstrantinnen und Demonstranten trotzten der eisigen Kälte. Wo man längere Zeit stehen musste, tanzten sie spontan Halay (Kreistanz).

Kumpanei der deutschen Regierung im Visier

Bei der Abschlusskundgebung griffen die Rednerinnen und Redner mehrfach die deutsche Regierung und ihre Unterstützung des faschistischen Erdogan-Regimes an. „Wir werden so lange auf die Straße gehen, bis diese Zusammenarbeit der deutschen Regierung mit dem türkischen Regime beendet wird“, rief ein Redner.

Abschlusskundgebung in Hannover (rf-foto)
Abschlusskundgebung in Hannover (rf-foto)

In Kürze

  • Mehrere Zehntausend Teilnehmerinnen und Teilnehmer in Hannover
  • Newroz-Fest, Demonstrationen und Kundgebung gegen Verbotsversuche erkämpft
  • Breite Mobilisierung für den Weltaktionstag von ICOR und ILPS am 21. März

Bezeichnenderweise hat gestern das Europäischen Parlament in einer Erklärung die Türkei zur Beendigung des Angriffs auf Efrîn und zum Abzug ihrer Soldaten aufgerufen. Das zeigt, dass auch bürgerliche Institutionen immer weniger am wachsenden Protest vorbeikommen.

Kurden "stehen nicht allein"

Peter Weispfenning vom Zentralkomitee der MLPD überbrachte die Grüße der deutschen Arbeiterbewegung und der MLPD. Er trat gemeinsam mit einer VW-Arbeiterin aus Hannover, die selbst bei den ICOR-Solidaritätsbrigaden in Kobane dabei war, auf die Tribüne.

 

Peter Weispfenning widersprach entschieden dem Eindruck, die Kurden würden jetzt in Efrîn wieder "alleine stehen". Zweifellos sei es so, dass die am Syrien-Krieg beteiligten imperialistischen und neuimperialistischen Mächte das ganze Land und insbesondere die Demokratische Föderation Nordsyrien rücksichtslos unter sich aufteilen wollen.

Weltaktionstag der ICOR

Auf der ganzen Welt gebe es aber eine Welle der Solidarität. Die revolutionäre Weltorganisation ICOR1 ruft gemeinsam mit dem ILPS2 zum Weltaktionstag am 21. März auf. Ihre 50 Mitgliedsorganisationen werden in allen Teilen der Welt den Protest und den gemeinsamen Kampf organisieren.

 

Die Schlussfolgerung aus dem Angriffskrieg der Türkei und seiner faktischen Duldung durch alle Imperialisten könne nur darin bestehen, sich dann eben auch gegen alle Imperialisten zu richten und das imperialistische Weltsystem insgesamt zu bekämpfen. So wie sich die fortschrittlichen und revolutionären Kräfte mit der kurdischen Freiheitsbewegung zusammenschließen, müsse sich diese umgekehrt in die internationale revolutionäre Bewegung einreihen.

 

Der Beitrag von Peter Weispfenning erhielt großen Beifall. Die Aktivistin der ICOR-Solidaritätsbrigaden aus Hannover betonte unter anderem, dass die Arbeiter "kein Vaterland" haben und sich international zusammenschließen müssen.

 

Auch im Mittelpunkt vieler Diskussionen stand die Mobilisierung zum Weltaktionstag von ICOR und ILPS. Rund 3.500 Flyer dazu wurden verteilt (mehr dazu).

Erfolgreich gegen Verbotsversuche erkämpft

Erneut kam es zu massiven Behinderungen durch die Polizei, nachdem der Staatsapparat bereits im Vorfeld vergeblich versucht hatte, die Feierlichkeiten zu verbieten. Auf der Hinfahrt wurden nahezu alle Busse kontrolliert, mehrere Wasserwerfer standen bereit und berittene Polizei wurde eingesetzt.

 

Die Veranstalter, aber auch viele Rednerinnen und Redner kritisierten dieses provokative Vorgehen. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ließen sich dadurch nicht provozieren und die Newroz-Feierlichkeiten verliefen weitgehend friedlich. Es war ein gemeinsames Fest von Kurden, solidarischen Menschen und Revolutionären der verschiedensten Nationalitäten.

 

Es ist ein bedeutender Erfolg, dass es trotz der massiven Verbots- und Kriminalisierungsversuche gelang, eine solch breite Aktion mit zwei riesigen Demonstrationszügen zu erkämpfen. Sogar PYD- und YPG-Fahnen konnten getragen werden, obwohl die Bundesregierung dagegen inzwischen ebenfalls Verbote verfügt hat.

 

Übersicht der Aktivitäten und Termine zum Weltaktionstag