Altena

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Wenn der Präsident sich unters Volk mischt

Am Dienstag, den 13. März, besuchte Bundespräsident Frank Walter Steinmeier (SPD) das sauerländische Altena. Dort hat letzten November ein Faschist Bürgermeister Andreas Hollstein mit einem Messer angegriffen. Der Anlass mag ehrenwert sein, die Durchführung stieß auf Kritik in der Bevölkerung.

Jörg Weidemann / Korrespondenz

„Der Besuch hat ordentlich für Chaos gesorgt“, berichtet eine in der häuslichen Krankenbetreuung tätige Korrespondentin. „Über 200 Polizisten wurden organisiert, damit Steinmeier sich beim Bürgermeister für die engagierte Flüchtlingsarbeit in Altena bedanken kann. Außerdem besichtigte er den Erlebnisaufzug zur Burg Altena, schaute bei der Burg Holtzbrinck vorbei und besuchte die Döner-Bude am Bahnhof.“

 

Dort sprachen Steinmeier und NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) mit dem Inhaber des Döner-Grills, Ahmet Demir. Zusammen mit seinem Vater war Demir Hollstein zu Hilfe gekommen und hatte den faschistischen Angreifer abgewehrt. Ein erster geplanter Besuch Steinmeiers war nach dem Anschlag abgesagt worden.

 

Die vorher weitgehend unbekannten Sicherheitsmaßnahmen des Besuches brachten den Verkehr in Altena und Umgebung über Stunden zum Erliegen. Drei Stunden fuhr kein Bus mehr, Schüler kamen nicht nach Hause, Eltern konnten ihre Kindern nicht aus der Kita holen, Autofahrer wurden teils zwei Stunden auf Supermarktplätzen festgehalten. Sogar der Zugverkehr in die Stadt war zeitweise gesperrt. Unsere Korrespondentin berichtet weiter:

 

„Überall Polizisten mit Maschinengewehren - was für eine Steuerverschwendung! Noch dreister: Die alten und pflegebedürftigen Leute, die in der Innenstadt Altenas leben, durften in der Zeit nicht versorgt werden. Die Pflegedienste hatten keine Sondergenehmigung bekommen, um zu ihnen zu gelangen.

 

Das heißt, unsere Patienten mussten bis nach 18 Uhr warten. Bis der Herr Präsident durch ganz Nachrodt und die Grüne, ebenfalls ein Stadtteil von Iserlohn, zur Autobahn gefahren ist. Dafür war über eine halbe Stunde gesperrt. Für Steinmeiers gepanzerten Wagen und eine fette Polizeikolonne.“