Opel

„Es darf nicht bei der Ankündigung des Kampfes bleiben“

Die PSA-Konzernspitze um Carlos Tavares ist bei ihrem Erpresserzug durch Europa jetzt bei Opel in Deutschland angekommen, die letzte und schwerste Station.

Von fh / hk
„Es darf nicht bei der Ankündigung des Kampfes bleiben“
Kämpfen wie bei Opel in Bochum ist jetzt das Gebot der Stunde (rf-foto)

Die Opel-Belegschaft hat über Jahrzehnte Erfahrungen mit Erpresserverträgen gesammelt. Viele sind inzwischen nicht mehr bereit, sich dem zu beugen. Carlos Tavares hat seinerseits die übliche Konsens-Runde bei der Bundesregierung mit Ministerpräsidenten, Gewerkschaftsführern und Betriebsräten abgesagt. Die reformistische Taktik der angeblichen Win-Win-Situation durch Harmonie mit der Konzernspitze ist gescheitert. So erklärt sich inzwischen auch die Führung der IG Metall öffentlich gegen weitere Zugeständnisse und für die Umsetzung des gültigen Tarifvertrags. Jetzt kam endlich auch auf den Tisch, dass Tavares und Opel-Chef Michael Lohscheller nicht nur die anstehende 4,3-prozentige Lohnerhöhung kassieren will, sondern auch gleich noch das Urlaubs- und Weihnachtsgeld.

Wer kämpft kann gewinnen - wie das Beispiel des Opelaners Christian Kowoll zeigt (rf-foto)
Wer kämpft kann gewinnen - wie das Beispiel des Opelaners Christian Kowoll zeigt (rf-foto)

In Kürze

  • Die PSA/Opel-Konzernspitze will sowohl die anstehenden 4,3 Prozent Lohnerhöhung, als auch Urlaubs- und Weihnachtsgeld kassieren
  • Viel Beifall für kämpferische Beiträge auf Betriebsversammlung in Eisenach
  • Eine Delegation von Opelanern nimmt morgen, am 21. April, am Arbeiterkongress des Internationalistischen Bündnisses in Hildesheim teil

Ausgehend von der Betriebsversammlung am 19. April entfaltet sich der Richtungskampf in der Eisenacher Belegschaft: Es gab viel Beifall von den Anwesenden für die Ankündigung eines harten Kampfes durch Vertreter des Betriebsrats und der IG Metall. Und auch für den gemeinsamen konzernweiten Kampf, den eine Kollegin am Mikrofon forderte. Auf der anderen Seite waren viele Kolleginnen und Kollegen der Versammlung fern geblieben - vor allem weil sie der Geschäftsleitung, aber auch den Co-Managern in der Gewerkschaftsführung nicht trauen oder resigniert haben. Manche wollen nur noch die Abfindung nehmen und schnell weg.

 

Einige Redner vom Betriebsrat und der IG Metall haben bei aller verbalradikalen Rhetorik versucht, den Keim der Spaltung zwischen Gewerkschaftsmitglieder und Unorganisierte zu säen - und damit den Keim der Niederlage. In Eisenach und Rüsselsheim liegt der Organisationsgrad erst um die 60 Prozent, was unbedingt gesteigert werden muss. Willi Dickhut, einer der Vordenker und Mitbegründer der MLPD schrieb dazu in seinem Werk „Gewerkschaften und Klassenkampf“: „Wenn eine Gewerkschaft stark ist, wird auch der Bürokratie das Argument genommen, dass in diesem oder jenem Betrieb oder Gebiet deswegen nicht gestreikt werden könne, weil die gewerkschaftliche Organisation zu schwach sei.“¹

Die Eisenacher werden nicht aufgeben

Es darf nicht bei der Ankündigung des Kampfes bleiben, sondern die Aktionen müssen ab sofort ständig gesteigert werden. Es ist auch nicht zu akzeptieren, dass die betroffenen Kollegen kein Rederecht bekommen, sondern nur zuhören sollen. Die Belegschaft muss auch mit der Demoralisierung durch die bürgerlichen Medien fertig werden. Die BILD-Zeitung hat nach der kämpferischen Versammlung gestern angeblich nur „frustrierte“ Kollegen „mit hängenden Köpfen“ getroffen, die schon aufgegeben haben: „Der Verein ist tot.“ Von wegen: Die Eisenacher werden nicht kampflos aufgeben. Vor 27 Jahren haben die Automobilarbeiter von Eisenach die Autobahn blockiert gegen die Schließung des Wartburg-Werkes. Das ist nicht vergessen.

Rüsselsheim: Kein Verzicht

Aus Rüsselsheim wird von der gestrigen Betriebsversammlung berichtet: "Die Betriebsversammlung hat klar gemacht: kein Verzicht ! Es gab immer den meisten Applaus, wenn Verzichtsforderungen von Opel/PSA abgelehnt wurden, ebenso bei den Passagen zur Solidarität mit den Kollegen in Eisenach. Dazu hat auch der Brief aus Bochum beigetragen, der an den Pausenplätzen im Montagewerk auslag. Die Kritik an 'PACE' ² und den Lügen wächst. Die Rede des Betriebsrats und seine Präsentation machten diesmal eindringlich klar, 'PACE' ist ein Kahlschlagprogramm. Alleine im Internationalen-Technischen-Entwicklungszentrum (ITEZ) will Opel von den derzeit 7.700 Kolleginnen und Kollegen bis zu 3.700 abbauen!

 

Ein Affront gegen die Belegschaft war, dass die Betriebsratspitze den jungen Kollegen aus Eisenach das Rederecht verweigerte! Es gab wiedermal keine Aussprache auf der Betriebsversammlung, obwohl dies von Kolleginnen und Kollegen unüberhör- und unübersehbar eingefordert wurde! Um den gemeinsamen Kampf zu organisieren, ist aber eine Aussprache unbedingt notwendig. Auf Pappschilder waren einige Parolen zu lesen: 'Einhaltung der Tarifverträge' 'Einstellung der Leiharbeiter' 'Solidarität mit Eisenach'.

 

Der Weg der Verhandlungen mit PSA ist nach einem Jahr ohne positive Wirkung gelaufen. Nur Protestaktionen der Belegschaft hat PSA mehrfach in die Defensive gebracht. Jetzt gilt es die Solidarität im ganzen Konzern aufzubauen. Am kommenden Dienstag wollen viele Rüsselsheimer Kollegen in den Bussen nach Eisenach fahren und Solidarität gegen die Kahlschlagpläne von PSA/Opel zu demonstrieren!"

 

Es kommt darauf an, den Zusammenhalt, das Selbstbewusstsein und Klassenbewusstsein der Belegschaft zu stärken, auch durch den internationalen Zusammenschluss und die Verbindung zu anderen Belegschaften. Dazu wird eine Delegation von Opelanern am 21. April am Arbeiterkongress³ des Internationalistischen Bündnisses in Hildesheim teilnehmen.