200 Jahre Karl Marx

"Wir würdigen Marx vor allem in Bezug auf die Zukunft der Menschheit"

Ein kulturelles Feuerwerk erwartete die rund 400 Besucherinnen und Besucher, die sich zum 200. Geburtstag von Karl Marx in der "Horster Mitte" in Gelsenkirchen einfanden.

Von rem / Pressemitteilung der MLPD / Korrespondenz aus Saarbrücken
"Wir würdigen Marx vor allem in Bezug auf die Zukunft der Menschheit"
Gabi Fechtner, Vorsitzende der MLPD, hält die Festansprache zu Marx' 200. Geburtstag (rf-foto)

Nachmittags zeigte das Jugendzentrum CHE für Kinder den Film „Mohr und die Raben von London“. Eine Ausstellung mit internationalen Ausgaben des „Kommunistischen Manifest“ beeindruckte: Das Werk von Karl Marx und Friedrich Engels ist rund um die Welt verbreitet.

 

Die Zeitungen, die heute voll sind mit Karl Marx, zitieren vielfach seinen berühmten Satz "Die Philosophen haben die Welt nur unterschiedlich interpretiert, es kommt aber darauf an, sie zu verändern". "Aber kaum jemand", so die MLPD-Vorsitzende Gabi Fechtner in ihrer Festansprache, "bringt das in Verbindung mit dem heutigen Klassenkampf. Genau das macht aber die revolutionäre Arbeiterbewegung, das machen wir hier heute Abend."

Dieses 'Eigentlich' ist eine Wirkung der bürgerlichen Ideologie

Von den angeblichen Vorzügen des Kapitalismus lässt sich kaum mehr jemand begeistern. "Wie oft hören wir", so Gabi Fechtner, "'eigentlich' müsste man kämpfen, 'eigentlich' bietet der Kapitalismus keine Zukunft usw. Dieses 'eigentlich' ist eine Wirkung der bürgerlichen Ideologie, nach der man letztlich doch nichts an der gesellschaftlichen Entwicklung ändern könne. Karl Marx enthüllte den reaktionären Charakter der bürgerlichen Ideologie und setzte ihr die proletarische Weltanschauung entgegen. Diese lehnt alle Halbheiten ab, tritt konsequent für die Sache der Arbeiterklasse und aller Unterdrückten ein. Wegen dieser Weltanschauung des Marxismus-Leninismus ist auch die MLPD konsequent revolutionär.“

Optimistisch: Unser Kampf wird letztlich siegreich sein

Marx hat die revolutionäre und fortschrittliche Rolle der Arbeiter aufgrund ihrer Stellung in der Produktion herausgearbeitet. Ist heute die Arbeiterklasse mit der Digitalisierung abgeschafft, wie die bürgerlichen Medien verbreiten? Gabi Fechtner belegt, dass sie im Gegenteil heute im modernen, international verbundenen Produktionsprozess an Bedeutung gewonnen hat. Am Beispiel des Streiks der 130. 000 Bergarbeiter im Jahr 1997 führt sie aus, wie die Bergleute unter Tage eiserne Disziplin gelernt haben, sich ganz und gar aufeinander verlassen können und in der Lage sind, solche harten Kämpfe kollektiv zu führen.

 

Die Vorsitzende der MLPD schloss unter großem Beifall mit der Aufforderung: „Marx ehren heißt, dass wir die Verpflichtung eingehen, sein Werk und den Marxismus-Leninismus weiter zu verbreiten, indem wir von ihm lernen, uns seine dialektische Methode zu eigen machen, uns verändern, ihn leben und indem wir für ihn kämpfen. Gegen alle Versuche, ihn zu verschleiern, mit Verbrechen in Verbindung zu bringen oder in die bürgerliche Ideologie zu integrieren. Auf dieser Grundlage bin ich sehr optimistisch, dass wir weiterkommen werden und unser Kampf für die Befreiung von kapitalistischer Ausbeutung und Unterdrückung letztlich siegreich sein wird.“

Von Marx lernen, heißt in erster Linie, seine dialektische Methode zu lernen. Nur so kann die Arbeiterklasse die weltanschauliche Nabelschnur zum Kapitalismus durchtrennen.

Stefan Engel

Kulturvoll und internationalistisch ging der Abend weiter

Ein Glas Sekt zum Anstoßen für alle, und dann wechselten sich musikalische Beiträge ab mit Einblicken in das persönliche Leben von Karl Marx, die zwei Schauspieler vortrugen. Weiterer Höhepunkt des Festakts war ein facettenreicher und auch streitbarer Fächer an Grußworten aus dem In-und Ausland:
Von Raimon Brete (Die Linke/Kommunistische Plattform Sachsen), Anna Vöhringer (Jugendverband REBELL), Probst Markus Pottbäcker (Stadtdechant der katholischen Kirche Gelsenkirchen), Professor Roland Günter (zwölf Jahre im Vorstand des Werkbund NRW), Pier Elgersma (Stahlarbeiter aus Duisburg), Matthes Szodrak (Seawatch/Flüchtlingsrettung im Mittelmeer) und einem Ford-Arbeiter für die Internationale Automobilarbeiterkoordinierung. Sie wurden teils persönlich vorgetragen, teils von mit den besonderen Anliegen verbundenen Menschen verlesen.

Voller Saal beim Singen der
Voller Saal beim Singen der "Internationale" (rf-foto)

In Kürze

  • Ohne Verbindung mit dem aktuellen Klassenkampf nützt das Zitieren von Marx' berühmtem Satz " ... es kommt aber darauf an, die Welt zu verändern" gar nichts
  • Die proletarische Weltanschauung lehnt alle Halbheiten ab und setzt sich konsequent für die Befreiung von Ausbeutung und Unterdrückung ein

Internationalistische Grüße gab es von Jozef Bossuyt (Marxistische Plattform Belgien), P.J. James (CPI {ML] Red Star Indien), Gazi Hamad (Demokratisches Komitee Palästina), dem anwesenden Süleyman Gülcan (ATIK – Türkei), Ricardo Cohen (Revolutionäre Kommunistische Partei Uruguay), Prof. Jean Ziegler (Globalisierungskritiker und Mitglied im Beratenden Ausschuss des Menschenrechtsrats der UNO) und von Joma Sison (Gründungsmitglied der CPP Philippinen und Vorsitzender des ILPS).

Die weltanschauliche Nabelschnur zum Kapitalismus durchtrennen

Am Ende wies Stefan Engel, Leiter der Redaktion REVOLUTIONÄRER WEG, darauf hin: „Wenn man Marx ehrt, dann muss man aufpassen, wie man das tut. Es kann dabei nicht in erster Linie um einzelne Inhalte gehen. Die Arbeiterbewegung ist aus dem Kapitalismus entstanden und ist bis heute mit ihm wie durch eine Nabelschnur verbunden und beeinflusst. Von Marx lernen, heißt in erster Linie, seine dialektische Methode zu lernen. Nur so kann die Arbeiterklasse die weltanschauliche Nabelschnur zum Kapitalismus durchtrennen, den Einfluss des Kapitalismus, der in der Arbeiterbewegung in Form des Revisionismus, Reformismus, Dogmatismus und unter der Jugend besonders im Anarchismus existiert, überwinden. Wir erarbeiten gerade die Schrift 'Die Krise der bürgerlichen Ideologie und die Lehre von der Denkweise'. Das wird uns helfen, diese Nabelschnur zu durchtrennen und die Arbeiterklasse zu einer selbständigen und führenden Kraft zu machen in der Vorbereitung und Durchführung der internationalen sozialistischen Revolution. Proletarier aller Länder, vereinigt Euch! Proletarier aller Länder und Unterdrückte, vereinigt Euch!“

 

Nach dem gemeinsamen Singen der Internationale begann die lange Filmnacht mit dem Film der MLPD zu Werk und Lehren von Karl Marx und dem anschließenden Spielfilm „Der junge Karl Marx“.

In Trier mehr als 50 Exemplare des Parteiprogramms der MLPD verkauft

Genossen und Freunde der MLPD berichten von ihrem Einsatz am gestrigen 200. Geburtstag von Karl Marx in seiner Heimatstadt Trier:

 

"Die Szenerie am Simeonstiftplatz, auf dem vielleicht 2000 Menschen an der Enthüllung des Karl-Marx-Denkmals teilnehmen wollen, wirkt absurd. Durch Abgrenzungszäune sind die verschiedenen Gruppen von Menschen voneinander getrennt ... Sauber von den Massen abgeschirmt, sprachen zugunsten Karl Marx die Monopolpolitikerin Malu Dreier, „Marx könne für die nachfolgenden Verbrechen des Kommunismus nicht verantwortlich gemacht werden“, der Trierer Bürgermeister, der die „schwere“ Aufgabe übernahm, diesen von den Massen weltweit hochgeachteten Mann im Namen der konservativ geführten Stadt zu ehren, sowie der Vertreter des neuimperialistischen China, der von Völkerfreundschaft sprach und Weltherrschaft meinte und die rasante imperialistische Entwicklung seines Landes einem besonderen Sozialismus Chinas andichtete.

 

Just in diese Straße mündete die mit Abstand größte der drei Demonstrationen (800), mit linken, revolutionären Teilnehmern, der wir uns mit unseren MLPD-Fahnen und unserem Info-Material angeschlossen hatten. Die Absperrung an einer weiteren Straße stoppte das AfD-Häuflein von kaum 30 Leuten. In den Heute-Nachrichten kam dann ausgerechnet dieses jämmerliche, den Faschisten zumindest nahestehende Häuflein zu Wort mit ihrer Heuchelei für Menschenrechte gegen die angeblichen Verbrechen des Kommunismus. Die dritte Demonstration bestand aus etwa 80 Antifaschisten, denen vor allem der Kampf gegen AfD und Nazis am Herzen lag.

 

Wesentlich aus dem Kontaktbereich der DKP waren Delegationen aus Spanien, England, Frankreich, Luxemburg gekommen. Wir waren aus dem Bereich des Internationalistischen Bündnisses und der ICOR nicht die einzigen (ATIK, KOL). Viele Menschen waren aus eigenem Antrieb gekommen, um Karl Marx die Ehre zu erweisen: Eine chinesische Studentin aus Halle, Motorradfreunde aus Freiburg, ein Kollege aus - wie er sagte – Karl-Marx-Stadt, ein schwedischer Genosse, der Kontakt zu revolutionären Organisationen suchte, ein italienischer Genosse aus der KPI, der sich als Marxist-Leninist versteht. Intensiv wurden wichtige Fragen der Entwicklung des Sozialismus diskutiert ... Wir konnten 53 Parteiprogramme, viele gegen Spende, an den Mann / die Frau bringen. Das Rote Fahne Magazin und die Broschüre zu den neuimperialistischen Ländern wurden verkauft. Einige gaben ihre Adressen, viele wollen sich selbständig an die Partei wenden. Natürlich stieß das Rebellische Musikfestival vor allem bei antifaschistischen Jugendlichen auf großes Interesse.

 

Als nach 90 Minuten Reden und Ausharren in sommerlicher Hitze, unter Schwenken der vielen und verschiedensten Roten Fahnen das Karl-Marx-Denkmal enthüllt wurde, waren die Menschen doch sehr ergriffen. Laut donnerte es über den Platz: Hoch die internationale Solidarität! Als Fazit dieses Tages bleibt: da ist es wieder, den einen zur Freude, den andern zum Schrecken, das Gespenst des Kommunismus."