Auftritt Grup Yorum

Ein Sieg der politischen Offensive und der weitreichenden Solidarität

Sinan Aydin und Dr. Banu Büyükavci, die heute Vormittag auf dem Rebellischen Musikfestival angekommen sind, betreten mit Monika Gärtner-Engel zusammen die Bühne. Startschuss für den Programmpunkt "Revolution ist kein Verbrechen".

Von gos / gis / jw
Ein Sieg der politischen Offensive und der weitreichenden Solidarität
Wunderbare fortschrittliche Musik: Grup Yorum auf dem Rebellischen Musikfestival (rf-foto)

Banu und Sinan gehören zu den fünf im Münchner TKP/ML-Prozess angeklagten Revolutionären, die aufgrund der weltweiten Solidarität und ihrer eigenen  Unbeugsamkeit freigelassen wurden. Sie berichten von den schwierigen Hafbedingungen, zeitweise waren sie sogar isoliert. Nichts jedoch konnte sie brechen. Ihre Gesinnung, wegen der sie angeklagt sind, die kommunistische Freiheitsgesinnung, lassen sie sich durch nichts und niemanden nehmen! Innig danken sie allen für ihre große unverbrüchliche Solidarität. Gemeinsam mit dem Publikum versprachen sie, nicht zu ruhen, bis auch die fünf noch inhaftierten Genossen frei sind.

"Wir sind keine Zensoren der Arbeiterbewegung"

Inzwischen sind die Mitglieder von Grup Yorum wohlbehalten auf dem Gelände angekommen und bereiten sich mit dem Soundcheck auf ihren Auftritt vor. Stefan Engel, der vergangenen Dienstag als erster den Drohbrief des Leiters der Landespolizeiinspektion Saalfeld, Dirk Löther, bekommen hat, übernimmt es gerne, das hart erkämpfte Grup Yorum-Konzert anzukündigen.

 

Stefan Engel wies darauf hin, dass das Rebellischen Musikfestivals "bis wenige Stunden vor der Eröffnung" nicht wie geplant erlaubt war. Offenbar hatte sich "der Staatsschutz in Thüringen das Recht herausgenommen", den örtlichen und regionalen Behörden zu untersagen, das Festival zu genehmigen. Schließlich "wurde eigens ein Passus eingebaut, dass die türkische Band Grup Yorum nicht auftreten" darf und das Festival sonst aufgelöst wird.

Und schon gar nicht im Auftrag des "Verfassungsschutz"

Stefan Engel, einer der Festival-Schirmherren

"Selbstverständlich haben wir diesen Auftritt nicht zurückgezogen. Wir sind keine Zensoren der Arbeiterbewegung. Es ist auch nicht unsere Aufgabe, Leute die sich an dem Bündnis dieses Festivals beteiligen, wieder auszuladen. Und im Auftrag des 'Verfassungsschutz' schon gar nicht."

Massentanz bei Auftritt von Grup Yorum (Foto: RF)
Massentanz bei Auftritt von Grup Yorum (Foto: RF)

In Kürze:

  • Mit seinem martialischen Vorgehen erlitt der Staatsschutz eine herbe Niederlage
  • Das ganze Festival war eine bewegende Verbrüderung und Verschwesterung von Revolutionären
  • Statt Einschüchterung bewirkte der Kriminalisierungsversuch einen breiten Protest gegen Unterdrückung

Breiter Widerspruch rührte sich

Sofort gingen die Organisatoren und Veranstalter des Musikfestival, mit vornedran Genossinnen und Genossen von REBELL und MLPD, in die Offensive gegen diesen martialischen Angriff - und das mit einem riesigen Erfolg. Die Presse berichtete breit, auch aus dem Ausland kam Solidarität. Solidarität kam von vielen Seiten, zuletzt vom Evangelischen Jugendtag, der sich in Erfurt traf, von der DKP Thüringen und von der Linkspartei. Deren Landtagsabgeordnete Dr. Johanna Scheringer-Wright stand heute Nachmittag auf der Bühne, sprach zum Festival und überbrachte Grüße von Tobias Pflüger, Bundesvorstandsmitglied der Linkspartei und Schirmherr des Festivals.

 

Johanna Scheringer-Wright bedankte sich bei allen, die geholfen haben, das Verbot des Festivals zu bekämpfen und überhaupt dieses für die Region wichtige Fest so attraktiv auf die Beine zu stellen. "Dieser Vorgang ist mit dem heutigen Auftritt nicht erledigt, sondern muss ein Nachspiel haben", so die engagierte Abgeordnete.

 

Bis zur Entscheidung des Verwaltungsgerichts Meiningen am Freitag drohte der Staatsschutz, sein Diktat unter allen Umständen durchzusetzen. Das Gericht stellte aber fest, dass sie in keiner Frage Recht haben.

 

Zugleich enthielt der Beschluss des Gerichts die Auflage, keinerlei Werbung für eine angebliche "terroristische Organisation" und die in Deutschland nicht verbotene Migrantenorganisation Anatolische Föderation zu machen. Stefan Engel protestierte unter großem Applaus dagegen, dass sogar eine legale Migrantenorgansation in Deutschland, die gegen das faschistische Regime in der Türkei agiert, in Deutschland von der Polizei kriminalisiert wird.

 

Unter Applaus erklärte er den folgenden Auftritt von Grup Yorum zum Teil des Protestes: "Deshalb freue ich mich, jetzt Grup Yorum auf die Bühne zu bitten."

 

Mit tosendem Applaus und vielfachen Rufen „Hoch die internationale Solidarität“ kam Grup Yorum auf die Bühne. Nach dem ersten Lied erklärten sie: "Vielen, vielen Dank, dass ihr unser Auftreten erfolgreich durchgekämpft habt! Seit 33 Jahren singen wir Freiheits- und Kampflieder. Wir werden verfolgt, weil wir eine Welt ohne Ausbeutung und Unterdrückung wollen.

 

Dass deshalb in der Türkei viele von uns im Gefängnis sitzen, verstehen wir. Aber, dass dasselbe auch in Deutschland passiert, ist unverständlich. Wir sind die Stimme von Victor Jara, von Bertolt Brecht, die Stimme des Volkes. Und wenn sie uns heute für unseren Kampf für Sozialismus und Kommunismus ins Gefängnis werfen, werden in einer Woche andere Genossen für Grup Yorum auf der Bühne stehen. Unsere Gruppe kann nicht zerstört werden, weil sie eine Gruppe des Volkes ist."

 

Hunderte tanzten bei den folgenden mitreißenden Liedern und sangen mit. Bewegende Momente, die keiner der Beteiligten je vergessen wird!