Leserbrief

"Daimler soll die Zeche bezahlen und Konsequenzen ziehen"

In einem Leserbrief an Rote Fahne News schreibt Klaus-Jürgen Hampejs, früherer Entwickler bei Daimler und Aktivist der Internationalen Automobilarbeiter-Koordination:

Von Klaus-Jürgen Hampejs

Als langjähriger Entwickler waren ich und viele meiner Kolleginnen und Kollegen immer bestrebt, gute ordentliche Arbeit abzuliefern. Nicht nur weil wir gezwungen waren, für unser Einkommen zu arbeiten, sondern weil wir auch Sachverstand und ein gutes Gewissen bei unserer Arbeit haben. Keiner von uns macht bewusst Fehler oder betrügt gar. Und die jüngsten Ereignisse, mit denen viele von uns gerechnet haben, haben uns schon getroffen.

 

Dieser Vorstand um Zetsche und viele Direktoren in der Entwicklung dürfen aus dieser Nummer nicht ungestraft herauskommen. Immer wieder wurde beteuert, bei uns gibt es so was nicht. Wir halten uns an die Regeln - in jeder Hinsicht, wir bauen die besten und saubersten Fahrzeuge für die Kunden. Schuld am Dieselgate sind andere Hersteller wie VW und Co.

 

Nur zu Erinnerung: die Selbstanzeige von Daimler bei den Kartellvorwürfen kam nicht umsonst von Daimler. Es ist bewiesen, dass unter anderem die Add Blue / Harnstofftanks bezüglich Volumen von den deutschen Herstellern abgestimmt  und reduziert wurden. Dies hat eben zur Folge, dass - um die Serviceintervalle einzuhalten - die Harnstoffeinspritzung bewusst eingeschränkt wird. Ungeachtet der Auswirkungen auf Mensch/Natur und Umwelt. Stickoxid ist eben giftig und schädlich.

 

Gebetsmühlenartig predigen die Entwicklungschefs vom Vorstand und die Direktoren auch auf den letzten Center-Belegschaftsversammlungen: „Die Renault-Kooperationsmotoren sind alle sauber, da wir unsere Software draufspielen."

 

Und jetzt: kleinlaut werden Softwareupdates angeboten und alles wird rechtlich überprüft. Wir, die Beschäftigten, wurden bewusst hinters Licht geführt. Betrugsfahrzeuge wurden zur Zertifizierung / Zulassung gegeben und den Kunden verkauft.

 

Die Konsequenz kann nur sein: Rücknahme aller Fahrzeuge vom Kunden, auf Kosten der Firma. Die verantwortlichen Vorstände und Direktoren müssen auch persönlich dafür haften. Wer die Belegschaft angelogen hat,  muss sofort fliegen, ohne Millionenabfindungen.

 

Es muss lückenlos aufgeklärt werden, die Verantwortlichen müssen zur Verantwortung inklusive persönlicher Haftung gezogen werden. Keine Abwälzung der Folgen auf Beschäftigte und Verbraucher!