Übergang in eine Klimakatastrophe

Extreme Trockenheit – nicht nur ein Problem der Landwirtschaft

Vor allem der Norden und der Osten Deutschlands erleben derzeit eine extreme Trockenheit. Insbesondere die Klein- und Mittelbauern leiden unter sehr schlechten Ernteergebnissen.

Von jg
Extreme Trockenheit – nicht nur ein Problem der Landwirtschaft
Das Internationalistische Bündnis - der richtige Platz für den gemeinsamen Kampf der Arbeiter und Klein- und Mittelbauern für eine lebenswerte Zukunft (rf-foto)

Die Landwirte in Mecklenburg-Vorpommern werden wegen der Dürre im dritten Jahr hintereinander eine schlechte Ernte bei Getreide und Raps einbringen. Bei der Wintergerste war bereits ein finanzieller Ertragsausfall von 50 Prozent „eingefahren“ worden. Insgesamt wird mit einem Ernte- und Verdienstausfall von ca. einem Drittel gerechnet! Ein Milchbauer vom Niederrhein gegenüber Rote Fahne News: „Die Auswirkungen dieser Dürrekatastrophe sind noch gar nicht abzusehen. Als es 1976 einen ähnlich trockenen Sommer gab, lag die Milchproduktion bei ca. 5.000 Liter je Kuh. Da konnte Stroh dazu verfüttert werden, was heute bei einer Produktion von 10.000 Litern gar nicht mehr möglich ist. Die Dürre wird die Ruinierung unter den Milchbauern weiter steigern."

Oft im April schon Temperaturen wie im Sommer

Wetterkapriolen oder beschleunigter Übergang in die globale Klimakatastrophe? Seit einigen Jahren findet eine Verschiebung bei den Temperaturen statt: Oft haben wir schon im April Temperaturen wie sie für die Sommerzeit üblich sind. Das führt zu einem beschleunigten Wachstum insbesondere bei Gerste, Roggen und Weizen. Aber auch zu schlechten Ergebnissen: Die Halme bleiben kurz, deshalb gibt es weniger Stroh, außerdem ist der Schmachtkornanteil¹ sehr hoch. Die Bauern sind gezwungen zur vorzeitigen Ernte!

So sollte es sein. Aber die Dürre
So sollte es sein. Aber die Dürre "beschert" immer mehr Klein- und Mittelbauern Ernteausfälle (foto: Lienhard Schulz (CC BY 2.5))

In Kürze

  • Durch die aktuelle Trockenheit fahren die Klein- und Mittelbauern mittlerweile die dritte schlechte Ernte hintereinander ein
  • Der von den internationalen Monopolen zu verantwortende Umschlag in eine Klimakatastrophe führt zu verstärkter Aufgabe von Höfen
  • Im Internationalistischen Bündnis organisiert, können die Klein- und Mittelbauern zusammen mit der Arbeiterklasse gegen diese Entwicklung kämpfen

Mit der extremen Trockenheit der letzten Wochen verhärtet sich der Boden extrem. Aufkeimende Saatkörner kommen nicht mehr durch den harten Boden und verenden. Nach Aussagen vieler Experten hatte es so eine extreme Wetterlage seit Jahrzehnten nicht mehr gegeben. Das sind nicht einfach Zufälligkeiten, sondern wir haben es mit einer Klimaerwärmung und Verschiebung zu tun. Sie ist verursacht durch den rücksichtslosen, inzwischen systemimmanenten Raubbau der kapitalistischen Profitwirtschaft an der Natur. In dem Buch „Katastrophenalarm!“ von Stefan Engel heißt es: „Eine neue Erscheinung in Wechselwirkung mit der Klimaveränderung sind Hitzewellen, monatelange Dürren sowie Kältewellen. (…) Die zunehmenden Dürrekatastrophen gefährden die Ernährung der Menschheit.“²

Von 101.000 Milchbauern im Jahr 2009 sind im November 2017 gerade noch 64.782 geblieben

Der Druck auf die Erzeugerpreise durch internationale Konzerne führt seit Jahrzehnten zu einer ungebremsten Ruinierung von kleinen und mittleren bäuerlichen Betrieben. Von 101.000 Milchbauern im Jahr 2009 sind im November 2017 gerade noch 64.782 geblieben! Die Unterwerfung der globalen Nahrungsmittelproduktion unter das Diktat einer Handvoll Chemie-, Saatgut- und Handels-Konzerne für Maximalprofite und weltmarktbeherrschende Stellung wird auf dem Rücken der kleinen Produzenten und der Verbraucher ausgetragen.

Auf die eigene Kraft vertrauen

Alles Hoffen auf staatliche und EU-weite Agrarprogramme wurde bitter enttäuscht. Zu Durchsetzung berechtigter Forderungen der Klein- und Mittelbauern, auch gerade angesichts der Auswirkungen von Dürre, ist es notwendig, den Weg des organisierten Zusammenschlusses und gemeinsamen Kampfes - insbesondere mit der Arbeiterbewegung - einzuschlagen. Anhebung der Erzeugerpreise bei gleichzeitiger Senkung der Verbraucherpreise - das ist nur im gemeinsamen Kampf und auf Kosten der Handelsmonopole und großen Discounter durchzusetzen. Hier gilt es sicher noch viele Diskussionen zu führen und eine gemeinsame Zusammenarbeit zu proben. Im Internationalistischen Bündnis haben sich bundesweit schon verschiedene Plattformen, wie die Arbeiterplattform, die Plattform der kämpferischen Frauenbewegung, die Umweltplattform zusammengefunden. Es arbeiten auch Milchbauern in diesem Bündnis aktiv mit. Eine Agrarplattform des Internationalistischen Bündnisses wäre ein realistisches Zukunftsprojekt. Siehe auch heute in Rote Fahne News