Nordafrika

Italien und Frankreich konkurrieren um Einfluss

Der ultrareaktionäre italienische Innenminister und stellvertretende Ministerpräsident Matteo Salvini hat angekündigt, die italienischen Häfen den ganzen Sommer geschlossen zu halten. Kein Flüchtlingsschiff soll landen, keine Rettungsorganisation tätig werden können. Am Freitag fanden 100 Menschen den Tod, weil die italienische Regierung sich weigerte, ein spanisches Rettungsangebot anzunehmen.

Korrespondenz aus Ferrara

Salvini und der französische Ministerpräsident Emmanuel Macron stritten in den letzten Wochen erbittert über die Flüchtlingspolitik der beiden Staaten. Die italienische Journalistin Francesca Pierantozzi macht als einen Hintergrund dieses Streits handfeste wirtschaftliche Interessen und Konkurrenz um Einflussgebiete in Nordafrika aus.

 

Die Länder, aus denen die Flüchtlinge bzw. durch die sie auf der Flucht kommen - Sahel, Libyen, Niger - sind reich an Rohstoffen wie Öl, Gas, Mangan, Lithium, Gold, Kobalt und seltenen Erden. In Libyen stehen sich der italienische Ölkonzern Eni und der französische Energieriese Total gegenüber. Eni hat die Nase vorn und wirft ein Auge auf Algerien. Im März hat Total den libyschen Konzern Marathon gekauft und dabei Konzessionen im Wert von 450 Millionen Dollar erworben. Die Diplomatie von Macron zielt auf enge Beziehungen zum Premier von Tripolis. Italien wiederum verfolgt mit dem Milliardenprojekt einer Küstenstraße verstärkten Einfluss in Libyen.

 

Die italienische Gruppe hat sich zwischenzeitlich anders orientiert, fährt die Produktion in Libyen herunter und hat verschiedene Verträge mit algerischen Staatskonzernen geschlossen. Dabei geht es zwischen Frankreich und Italien nicht nur ums Öl. Starke Interessen haben Enel und GdF/Suez auch am Uran des Niger. Dies könnte 30 Prozent des französischen Nuklearbedarfs decken.

 

Sahel, wo Frankreich seit 2013 militärisch präsent ist, Mali, Mauretanien, Burkina Faso und Niger sind wichtige Interessensfelder der beiden EU-Länder. Es sind gleichzeitig die Länder, wo die berüchtigten außereuropäischen Hotspots zur Kasernierung der Menschen auf der Flucht errichtet werden sollen, bevor sie sich auf den Weg nach Europa machen können.