Fußball-WM

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Kroatiens zwei Seiten: Teamfußball trifft Nationalismus

Sie begeistern gerade die Fußballbegeisterten weltweit: Die "Vatreni" - "Die Feurigen" aus Kroatien.

Von ffz / sd
Kroatiens zwei Seiten: Teamfußball trifft Nationalismus
Ein kroatischer Fanblock (foto: kawu (CC BY-SA 3.0.de))

Kroatien ein Team, das jetzt da steht, wo nach der Ansicht der meisten Buchmacher vor dem Turnier Brasilien, Spanien, Deutschland, Portugal oder Argentinien hingehört hätten. Dort wo ansonsten Individualisten wie Christiano Ronaldo glänzten, steht jetzt ein erfolgreiches Team. Sie sind ohne Niederlage durchs Turnier gekommen, haben diverse Fußballgroßmächte das Fürchten gelehrt und stehen jetzt im Finale der Fußball-WM der Männer gegen die Elf aus Frankreich. Das Geheimnis des Erfolgs ist eine große Mannschaftsdienlichkeit jedes Spielers. Die Mannschaft arbeitet als Einheit und hat Moral. So haben sie bisher jeden Rückstand in den sie geraten waren, wieder aufgeholt und schließlich gewonnen. Das Team hat Kämpferherz und steht füreinander.

Eine Einheit

Dazu sagt ein kroatischer Arbeiter in Rente, der Jahrzehntelang bei Daimler am Band gearbeitet hat: "Ich habe jetzt sogar die Hoffnung, dass sie die Franzosen besiegen. Sie haben einfach bisher jedes Spiel gewonnen. Besonders stark spielen Ivan Perišić und Luka Modrić, vor allem, weil sich Modrić komplett in den Dienst der Mannschaft stellt, organisiert und Bälle zuspielt. Der Trainer Zlatko Dalić legt höchsten Wert darauf, dass sich das Team auch als Mannschaft versteht und zusammenhält und zusammen spielt. Ich freue mich schon sehr darüber und auf das Finale."

Faschistische Tendenzen

Doch hat der Erfolg auch seine Schattenseiten. Auf den Rängen werden in den kroatischen Fanblocks immer wieder Symbole des faschistischen Ustascha-Regimes gezeigt. Ustascha, unter der Führung des Diktators Ante Pavelić, war ein treuer Verbündeter des Hitler-Faschismus im Zweiten Weltkrieg und ist verantwortlich für die Vernichtung von Serben, Roma und Juden in zum Teil eigenen Konzentrationslagern. Auch aus dem Team selber sind solche Tendenzen immer wieder zu vernehmen: So schmetterte Innenverteidiger Dejan Lovren bei der Kabinenfeier das Lied  „Bojna Cavoglave“ der nationalistischen und ultrareaktionären Band Thompson, das mit dem Ustascha-Gruß „Za dom – spremni!“ (Für die Heimat! - Bereit!) beginnt.

Die Vergangenheit ist nicht aufgearbeitet

Dazu ein bosnisch-kroatischer Kollege: "Die ganze Vergangenheit aus dem Ustascha-Faschismus und auch aus den Kriegsverbrechen im Bosnienkrieg sind in Kroatien nicht aufgearbeitet. Das ist nicht so wie in Deutschland mit dem Hitler-Faschismus. In Kroatien gilt auch der kroatische Kriegsverbrecher Ante Gotovina als Held, und ist aus der Sicht der meisten Menschen in Kroatien zu Recht im Den Haager-Kriegsverbrecherprozess freigesprochen worden.

 

Enge Zusammenarbeit, auch bei der Vernichtung von Gegner - der kroatische Ustascha-Diktator Ante Pavelić (rechts) mit Adolf Hitler (foto: gemeinfrei)
Enge Zusammenarbeit, auch bei der Vernichtung von Gegner - der kroatische Ustascha-Diktator Ante Pavelić (rechts) mit Adolf Hitler (foto: gemeinfrei)

In Kürze

  • Das kroatische Team begeistert die Freunde des Mannschaftsfußballs und steht berechtigt im Finale
  • Durch fehlende Aufarbeitung verschwimmen Nationalismus und Faschismus bei Fans und in Teilen des Teams
  • Die FIFA schweigt bis jetzt dazu

 

Die meisten der Spieler aus dem aktuellen WM-Kader sind Kriegskinder, haben mindestens einen Familienteil verloren, waren Flüchtlinge. Das hat sie zwar zu Kämpfern gemacht, aber der rassistische Hass, der damals alle Seiten gegeneinander getrieben hat, ist noch lange nicht aus den Köpfen. Für viele Menschen in Kroatien sind die Lieder von Thompson Lieder, die die Heimat besingen. Dass dabei schon faschistische Thematiken mitspielen, das nehmen die Menschen leider noch nicht so wahr."

 

Bei aller Freude über das kroatische Spiel: Diese Tendenzen dürfen nicht ignoriert oder gar geduldet werden. Hier ist langfristige antifaschistische Arbeit unter den Massen, aber auch in den Fankurven gefragt, um dem Faschismus aus der Gesellschaft und den Stadien zu bekommen. Und die Spieler der kroatischen Elf müssen sich und ihr Weltbild selber hinterfragen.

 

Es wäre aber auch am Weltverband FIFA, gegen solche Vorkommnisse vorzugehen. Medienkampagnen gegen Rassismus folgen aber keine Taten. Bei jeder Trinkflasche auf dem Feld, die nicht von einem der WM-Sponsoren produziert wurde, hagelt es Disziplinarstrafen. Aber zu den reaktionären Vorgängen schweigt das Weltfußballmonopol diesmal. Anders als 2014, als Kroatien sich zur WM qualifiziert hatte. Damals hatte sich der damalige kroatische Nationalspieler und Herta-BSC-Spieler in der Bundeslige (später wurde er Nationaltrainer Kroatiens) Josip Simunic das Stadionmikrofon gegriffen und laut „Za dom!" ins Rund gegrölt. Das Stadion donnerte "Spremni!" zurück, was Simunic schließlich die WM-Teilnahme kostete. Die FIFA sperrte ihn direkt danach und verhängte eine Geldstrafe.