Antikommunismus

Gräuelpropaganda über Tod der russischen Zarenfamilie

Laut der bürgerlichen antikommunistischen Geschichtsschreibung wurde heute vor 100 Jahren der letzte russische Zar Nikolai II. und seine Familie von revolutionären Bolschewiki in einem Keller in Jekaterinburg mit einem Blutbad ermordet.

Von ms
Gräuelpropaganda über Tod der russischen Zarenfamilie
Zwei Potentaten, die unter anderem im I. Weltkrieg für die Abschlachtung von Millionen Menschen verantwortlich waren und beide durch Revolutionen gestürzt wurden: Kaiser Wilhelm II. und Zar Nikolaus II. (Foto: Bundesarchiv)

"Eine Bluttat, die zum Fanal für die Grausamkeit der Sowjetmacht im Umgang mit dem Klassenfeind werden sollte", schreibt dazu heute der "Kölner Stadt-Anzeiger". Durch jahrelange Wiederholung werden die Greuelgeschichten allerdings kein bisschen wahrer.

Verantwortlich für millionenfaches Leid

Das fängt schon damit an, dass in ihnen völlig ausgeblendet wird, wer dieser Klassenfeind tatsächlich war und was er angerichtet hatte. Das zaristische Russland war das absolute Armenhaus Europas. Verhungern war vor allem in den ländlichen Gebieten eine traurige Dauererscheinung, während der Zar in unvorstellbarem Reichtum und in Dekadenz lebte und jeden Widerstand brutal verfolgte.

 

Die Hinrichtung des Zaren richtete sich gegen den Hauptverantwortlichen für millionenfaches Leid im damaligen Russischen Reich. Zwei Journalisten des staatlichen britischen Rundfunksenders BBC, Antony Summers und Tom Mangold, sind der Sache vor 37 Jahren nachgegangen. Sie haben erstaunliche Ergebnisse zu Tage gefördert, die damals weltweit für ein großes Medienecho gesorgt haben.

Unliebsame Fakten werden totgeschwiegen

In ihrem Buch „Der Zarenmord – Das Ende der Romanows“ von 1976 stehen Fakten, die die heutige Lehrmeinung des Antikommunismus, die komplette Zarenfamilie sei von den Bolschewiki ohne Aburteilung in einem großen Blutbad hingemetzelt worden, glatt Lügen strafen. Heute wird dieses Buch totgeschwiegen. Es ist nur noch antiquarisch erhältlich und hat in Deutschland nach 1976 keine weitere Auflage erfahren. 

 

Summers und Mangold fanden heraus, dass die Blutbad-Geschichte auf den fanatischen Antikommunisten und Staatsanwalt der „weißen“ russischen Konterrevolution, Nikolai Sokolow, zurückgeht. Dieser war nach der Einnahme Jekaterinburgs durch „weiße“ Truppen und dem vorübergehenden Abzug der Roten Armee aus dem Gebiet von seinem Vorgesetzten General Dieterichs eingesetzt worden, das Verschwinden der Zarenfamilie "zu klären". In Wirklichkeit sollte er mit allen Mitteln einen antikommunistischen Mythos begründen.

Verurteilung und Hinrichtung

Ein "Hauptzeuge" Sokolows, das ehemalige Mitglied der Außenwache des besagten Hauses in Jekaterinburg, Pawel Medwedew, überlebte die Methoden der gegen ihn angewendeten "Verhörmethoden" leider nicht. Dagegen unterschlug er den Bericht, den der ehemalige Diener des Zaren, Terentji Tschemodurow, einem Reporter der renommierten „New York Times“ noch in Jekaterinburg gab. 

 

Ihm zufolge wurde der Zar am 15. Juli 1918 aus dem Haus in Jekaterinburg gebracht und vor ein Standgericht des regionalen Sowjets gestellt. Dort sei ihm der Prozess gemacht worden, in dessen Folge er zum Tode verurteilt und hingerichtet wurde. Mehrere Zeugen haben die Angehörigen der Zarenfamilie später in Perm gesehen. Dorthin waren sie von den Bolschwiki gebracht worden. Über ihren weiteren Verbleib in den Wirren des Bürgerkriegs gibt es keine überprüfbaren Informationen.

 

Mehr dazu im Artikel "Das Massaker an der Zarenfamilie - ein antikommunistisches Märchen" (Rote Fahne 46/2013)