Extremdürre

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Wachsende Ertragsausfälle - kleine und mittlere Bauern zunehmend verzweifelt

Im Lauf dieser Woche sind auch in Deutschland die Lufttemperaturen bis fast an die 40-Grad-Marke geklettert. Die lange Hitze- und Dürreperiode hat in vielen Teilen Deutschlands und ganz Europas dramatische Auswirkungen.

Von wr/gz
Wachsende Ertragsausfälle - kleine und mittlere Bauern zunehmend verzweifelt
Allein bei Getreide belaufen sich die Ausfälle bereits auf 1,4 Milliarden Euro (Foto: dimitrisvetsikas1969 / Pixabay)

Die Sterberate unter kranken und alten Menschen steigt. Waldbrände häufen sich. In Schweden und Griechenland haben sie regionale Katastophenausmaße angenommen. In Litauen musste die Regierung bereits der Notstand ausrufen. 

Wahlkampftour der MLPD 2017 mit Milchbauern durch die Eifel (Foto: RF)
Wahlkampftour der MLPD 2017 mit Milchbauern durch die Eifel (Foto: RF)

In Kürze:

  • Langanhaltende Trockenheit führt vor allem in Ostdeutschland zu extremsten Ernteausfällen
  • Notstandsplan muss vor allem Erzeugerpreise wirksam erhöhen
  • Statt "Anpassung" braucht es Sofortmaßnahmen zur drastischen Reduzierung des CO2-Ausstoßes

Leichte Böden und langanhaltende Trockenheit führen vor allem in Ostdeutschland zu extremsten Ernteausfällen. In den betroffenen Regionen wächst kein Gras nach, der Silomais vertrocknet und bringt erheblich weniger Masse.

 

„Wir haben den ersten Schnitt Gras noch eingebracht, der zweite war schon klein und der dritte fällt ganz aus“, so ein Milchbauern am Niederrhein. Die kleinen und mittleren Bauern sind zunehmend verzweifelt. Nicht wenige stehen vor dem Ruin, wenn sie keine Soforthilfe erhalten.

Erzeugerpreise sofort anheben!

Doch hält sich die Bundesregierung bedeckt. Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) meinte lapidar, sie wolle sich „erst einen Überblick“ verschaffen, um über Hilfen nachzudenken. Die Rede ist von zinsgünstigen Krediten und vorgezogener Auszahlung der Hektarprämien durch die EU.

 

Das verschiebt nur die Probleme. Viele kleinere und mittlere Bauernhöfe haben bereits Schulden und kaum Reserven. Vorgezogene Prämienauszahlungen würden nur dazu führen, dass das Geld später fehlt, z.B. für die Pachtzahlungen im November. Zinsgünstige Kredite bieten Banken ohnehin schon den Bauern an.


Ein Notstandsplan, der Schäden zumindest mildert, müsste so aussehen: Die Erzeugerpreise für Klein- und Mittelbauern müssen sofort deutlich angehoben werden - auf Kosten der Großagrarier, der Handels- und Nahrungsmittelkonzerne. Erzeugerpreise rauf - Verbraucherpreise runter! Diese von der MLPD schon seit langem aufgestellte Losung ist aktueller denn je.

 

Im Mai wurde der Milchpreis für die Bauern stattdessen um 10 Cent gesenkt. Jetzt muss gefordert werden, ihn um mindestens 20 Cent zu erhöhen auf Kosten der zusätzlichen Gewinne, die die Molkereien in den letzten Monaten gemacht haben.

"Anpassung an Klimaveränderungen"?

Nach der Ernte liefern die kleinen und mittleren Ackerbauern ihr Getreide beim Handel ab und bekommen den zu diesem Zeitpunkt gültigen Marktpreis. Dieser steigt in der Regel erst Wochen später an. Davon profitieren Agrarhandel, Nahrungsmittelindustrie der Lebensmittelhandel und die Spekulation mit Nahrungsmitteln.

 

Der Bauernverband (DBV) bezifferte die Ausfälle auf 1,4 Milliarden Euro allein bei Getreide. Jetzt fordert DBV-Präsident Rukwied die „schnellere Anpassung der Landwirtschaft an die Klimaveränderungen“ durch Einführung neuer gentechnischer Methoden, wie z.B. der Genschere CrispCas.

 

Damit würden die katastrophalen Auswirkungen der durch den Kapitalismus verursachten CO2-Anreicherung in der Atmosphäre noch durch unkalkulierbare und möglicherweise ebenso katastrophale Auswirkungen gentechnischer Veränderungen verstärkt. Wir brauchen keine Anpassung an den Übergang zur globalen Klimakatastrophe, sondern Sofortmaßnahmen zur drastischen Reduzierung des CO2-Ausstoßes.

Wer sind die "Klimakiller"?

Den hauptsächlichen Klimazerstörern der Industrie geht die Regierung aber nicht an den Kragen. Stattdessen werden die Bauern zum Mittäter gestempelt und als „Klimakiller“ diffamiert. Auf dieser Linie liegt die neue Düngeverordnung. Sie soll die Nitratgehalte im Grundwasser senken. In der Realität werden kleine und mittlere Milchviehbetriebe mit unsinnigen Umweltauflagen belastet.

 

Die Hauptverursacher in den Geflügel- und Schweinemastanlagen mit Massentierhaltung dürfen weitermachen. Die Milchviehhaltung soll sich ebenfalls in diese Richtung entwickeln.

Umweltschonende Anbaumethoden und artgerechte Tierhaltung!

Ein zentraler Bestandteil der Düngeverordnung sind die Erträge der letzten drei Jahre als Grundlage für die maximal erlaubte Düngermenge im nächsten Jahr. Aufgrund der aktuellen Mindererträge sinken im kommenden Jahr die maximal möglichen Stickstoffdüngermengen bzw. ausbringbaren Güllemengen. Und damit der mögliche Ertrag für viele Landwirte.


Diese Spirale nach unten muss gestoppt werden: Energische Durchsetzung umweltschonender Anbaumethoden und artgerechter Tierhaltung in der Landwirtschaft gegen Großagrarier und Agrarkapitalisten!